Wolfgang Lenhard

 

 

"Weil besser wer ein Freund erhalten /

Denn tausent Feind auff stücken spalten."

 

Studien zur Darstellung von Krieg und Frieden in Georg Rollenhagens Froschmeuseler

 

 

Alle Rechte dieser Abhandlung liegen beim Verfasser.

Der Inhalt dieser Abhandlung steht - bei korrekter Zitierweise und wissenschaftlicher Korrektheit - allen Interessierten zur Verfügung.

 

 

 

 

 


Inhalt

1. 1.       Forschungsbericht zum Froschmeuseler
1. 2.       Problemformulierung
1. 3.       Kriegs- und Friedensdiskussion des 16.Jahrhunderts
2.           Krieg und Frieden im Froschmeuseler und ihre Darstellungsebenen
2.1.        Vorbemerkungen zur Untersuchung
2.1.1.     Allgemeine Kriegskritik
2.1.2.     Zur Kompositionstechnik
2.1.2.1.  Struktur der thematischen Entfaltung von Krieg und Frieden
2.1.2.2.  Epische Integration von Krieg und Frieden
2.1.2.3.  Integration der didaktischen Aussagen im Froschmeuseler
2.2.        Innerstaatlicher Konflikt
2.2.1.     Der Bauernkrieg 1524/25 und sein Niederschlag im Froschmeuseler
2.2.2.     Ursachen des innerstaatlichen Konflikts und Möglichkeiten seiner Vermeidung
2.2.2.1.  Moraldidaxe und ihre Darstellungsebenen im Froschmeuseler
2.2.2.1.1.    Tugendlehre
2.2.2.1.2.    Lasterkatalog
2.2.2.2.  Regimentslehre im Froschmeuseler
2.2.2.2.1.    Absolutistischer Fürstenstaat
2.2.2.2.2.    Der Konflikt Bürgertum - Obrigkeit
2.2.2.3.  Glaubensfreiheit
2.2.3.     Rollenhagen und die "Freistellungsbewegung"
2.3.        Internationale Konflikte
2.3.1.     Ursachen des internationalen Konflikts und Möglichkeiten seiner Vermeidung
2.3.2.     Kriegsbeschreibung als Mittel der Abschreckung
2.3.3.     Friedlieb - Verkörperung des wahren Kriegers?
2.3.4.     Kampf der Könige - Aufgaben eines Fürsten
2.3.4.1.  Züge eines Fürstenspiegels im Froschmeuseler     49
2.3.4.2.  Privatleben und Staatsinteresse
2.3.4.3.  Herrscherpflichten im Krieg
2.4.        Theologischer Aspekt des Kriegs
3.           Der Froschmeuseler und sein Verhältnis zur Erasmischen "Querela Pacis"
3.1.        Vorbemerkungen zur Untersuchung
3.2.        Untersuchung
3.2.1.     Regimentslehre
3.2.2.     Krieg
3.2.3.     Frieden
3.3.        Das Verhältnis des Froschmeuselers zu Sebastian Francks „Krieg Büchlin des Friedes“
Ausblick
Abkürzungen
Quellenverzeichnis
Sekundärliteratur

 

 

 


1.           Einleitung
1.1.        Forschungsbericht zum Froschmeuseler[1]

 

Zum Froschmeuseler ist bislang nur wenig publiziert worden, und das, obwohl dieses Werk und sein Autor Georg Rollenhagen (1542-1609)[2] über die Jahrhunderte hinweg unvergessen blieben. Wenn auch im letzten Jahrhundert eine vergleichsweise rege Forschung Platz griff, soll der Forschungsbericht erst mit der Literatur dieses Jahrhunderts beginnen,[3] weil diese Grundlagenforschung vor allem mit den Arbeiten von Alfred Herdt,[4] Ernst Bernleithner[5] und Roland Richter[6] zur Genüge aufgearbeitet erscheint und weil es sich bei den alten Arbeiten zum großen Teil um biographische Forschung handelt.[7]

Der chronologische Aufbau eines Forschungsberichts ist der einfachste Weg, den Stand der Forschung wiederzugeben. Diese einfache Struktur wird wiederum zum Problem, denn ein z.B. themen- oder wertungsorientierter Forschungsbericht ist meistens aussagekräftiger. In unserem Fall aber ist die chronologische Vorgehensweise gerechtfertigt, weil es sich, bis auf zwei Arbeiten zur Alchemiekritik im Froschmeuseler, um Einzelstudien handelt, die ohne einen weitergehenden Bezug auf andere Arbeiten verfasst sind. Eine themenbezogene Darstellung des Forschungsstands ergäbe einen ebenso inkohärenten Eindruck, wie er im folgenden Bericht leider entsteht.

Herdt hat sich dreißig Jahre nach Karl Goedekes unzureichender Froschmeuseler-Edition[8] erstmals wieder eingehend mit diesem Text beschäftigt. Sein Hauptanliegen ist es, die Quellenforschung zum Froschmeuseler voranzutreiben und er hat dabei wichtige Ergebnisse in bezug auf Reineke de Vos[9] und Johann Fischarts Flöh Hatz[10] erzielt. Es ist sein Bestreben, die Wirkungsgeschichte des Froschmeuselers in der Batrachomyomachia von Jacob Balde[11] aufzuzeigen. Dieses Vorhaben bleibt leider auf wenige Aspekte beschränkt, weshalb die Wirkungsgeschichte noch nicht ausreichend untersucht ist.

Neben der Quellenforschung beschäftigt sich Herdt mit der Zeitgeschichte, die im Froschmeuseler ihren Niederschlag gefunden hat: "Ueberall zeigt sich das Bestreben Rollenhagens, seine Zeit möglichst genau wiederzugeben."[12] Obwohl Herdt diesem Teil der Arbeit mehr Raum geschenkt hat, bleibt auch er aufgrund der Kürze seiner Dissertation recht lückenhaft.

Wenig ergiebig sind die Quellenstudien zu Georg Rollenhagen von Johannes Bolte, was den Froschmeuseler betrifft.[13] Er beschränkt sich bei seiner Untersuchung auf die im ersten Buch beschriebene Tierhölle und den Tierhimmel und zeigt die Visionsliteratur-Tradition seit dem hohen Mittelalter bis ins 18. Jahrhundert. Allerdings scheint Rollenhagen für diese Traditionsforschung nur der 'Aufhänger' gewesen zu sein. Da diese Episode zudem noch einen verhältnismäßig kleinen Teil des umfangreichen ersten Buchs einnimmt und er seine Ergebnisse nicht in den Gesamtkontext einbindet, können aus seiner Arbeit leider nur wenig Schlüsse auf das Gesamtverständnis gezogen werden, auch wenn Bolte diese Traditionslinie sehr präzise nachzeichnet.

Gattungsgeschichtlich interessant ist die Arbeit von Karlernst Schmidt, der sich bemüht, das europäische komische Epos zu erfassen, wobei sein Hauptinteresse englischsprachigen Arbeiten gilt.[14] Das zweite Kapitel seiner Arbeit widmet er der Batrachomyomachia und ihren Bearbeitungen bis ins frühe 18. Jahrhundert. Wenn er auch den Froschmeuseler auf nur etwa einer drittel Seite behandelt und seine dementsprechend kurze Bewertung unpräzise ist,[15] bietet er mit seiner Untersuchung einen guten Einblick nicht nur in die Beliebtheit des Froschmäusekriegstoffs in ganz Europa, sondern auch in die Entwicklung und Vielschichtigkeit des komischen Epos überhaupt.

1954 hat sich Bernleithner in seiner nur schwer zugänglichen Dissertation des Froschmeuselers angenommen. Im Rahmen einer Gesamtwürdigung des Rollenhagenschen Werks sucht er nach dem Niederschlag von Humanismus und Reformation auch im Froschmeuseler. Er stellt fest, dass "Rollenhagen [...] mit seinem umfangreichen Werk eine satirisch-didaktische Darstellung der privaten und öffentlichen Zustände seiner Zeit geben [...]" wollte.[16] Bernleithner gelingt es mehr als Herdt, den zeitgeschichtlichen Reflex herauszuarbeiten. Er erkennt in Rollenhagen einen Protestanten, der einerseits den Errungenschaften der Reformation konservativ verhaftet blieb, andererseits aber, ganz unorthodox, "[...] eine Loslösung von den Formen des Konfessionalismus [...]" betrieb, die "[...] katholischem Denken ebenso gefährlich erscheinen [musste] wie orthodox protestantischem."[17]

Bernleithner möchte im Froschmeuseler kaum Erlebnisdichtung erkennen, "[...] weil bekanntlich die Literatur des sechzehnten Jahrhunderts in weit geringerem Maß als Ausdruck seelischer Innerlichkeit zu werten ist als etwa die Erlebnisdichtung Goethes."[18] Zum einen aber ist der Vergleich Rollenhagens mit Goethe aufgrund der gänzlich divergenten Lebensumstände und Geistesgeschichte auch zur Veranschaulichung unpassend; zum andern muss die Aussage Bernleithners in Anbetracht der eben genannten Ergebnisse erstaunen, sind doch das Verhältnis von Humanismus zur Reformation, deren Vermittlung und Auswirkungen auf seine Umwelt Themen, die einem Lateinschulrektor und eifrigen Didakten nahegehen mussten. Bernleithners Ansicht ist zwar nicht zu widerlegen, da Selbstzeugnisse Rollenhagens nahezu vollständig fehlen - er äußert sich selbst dazu nur kurz in der Vorrede "Dem günstigen[19] Leser"[20] - , doch es ist schwer vorstellbar, dass ein Mensch dreißig Jahre an einem derart umfangreichen Werk wie dem Froschmeuseler schreibt, ohne dabei persönlich engagiert zu sein. Demnach muss diese positivistische Haltung Bernleithners als ein Defizit seiner Arbeit betrachtet werden.

An dieser Stelle ist festzuhalten, dass der Problembereich der literarischen Wertung des Froschmeuselers noch keineswegs aufgearbeitet und analysiert ist. Nur in wenigen Fällen lässt sich eindeutig nachvollziehen, aufgrund welcher Kriterien die Wertung vorgenommen wurde. Sie reicht von Verehrung (Herdt) bis hin zur niederschmetternden Kritik (Max Wehrli).[21] Dieser Spannungsbogen zieht sich auch heutzutage noch durch die Literaturgeschichten und bietet dem Interessierten ein sehr divergentes Bild.

Eli Sobel bemüht sich 1955 den Stand der Rollenhagenforschung darzustellen, die überragende Stellung des Froschmeuselers innerhalb des Rollenhagenschen Werks zu relativieren und auf dessen weiteres Schrifttum aufmerksam zu machen.[22] Dementsprechend kurz sind seine Bemerkungen zum Froschmeuseler, die sich auf eine knappe Inhaltsangabe und einige kritische Bemerkungen zur Editionslage beschränken.

Von großer Wichtigkeit für die Froschmeuseler-Forschung ist die Untersuchung von Alois M. Haas zum Tierepos.[23] Nach einem Überblick über die kontrovers diskutierte "[...] Frage [...] nach der dichterischen Relevanz des Werks [...]", die mitunter weniger den Anschein einer Diskussion denn eines Diktats vermittelt, stellt Haas den Inhalt des Froschmeuselers vor und arbeitet die Rolle der Tiermetaphorik heraus. Er kommt zu dem Ergebnis, dass erstens "[...] die Transposition menschlicher Verhältnisse in tierische von vornherein bloß hypothetischen Charakter [hat], was den lehrhaften Charakter dieses Tierepos unterstreicht."[24] Zweitens stellt er fest, dass es "[...] Rollenhagens Tendenz von Anfang an [war]: die Eitelkeit alles Irdischen und zuhöchst alles Menschlichen im Spiegel tierischer Heroik zu zeigen."[25]

In den siebziger Jahren hat sich Richter in zwei Publikationen mit dem Froschmeuseler im Hinblick auf die rhetorische Gestaltung beschäftigt.[26] In der ersten widmet er sich der Untersuchung der Rolle des Sprichworts in diesem Epos. Das Ergebnis "[...] that most authors in this period wanted to teach their readers [...]"[27] kann kaum überraschen. Wichtiger ist seine Erkenntnis, dass sich Rollenhagen einer wohlüberlegten rhetorischen Struktur bediente.[28]

Den letzten Aspekt hat Richter ein Jahr später ausführlich vorgestellt. Er weist nach, dass Rollenhagen sein Werk streng rhetorisch aufgebaut hat.[29] Die Inhalte der drei Bücher sind zueinander hierarchisch angeordnet, vom Einzelnen in der Gesellschaft über die Staatsverfassung bis hin zu den internationalen Beziehungen.[30] Die Themenentfaltung innerhalb jedes Buchs erfolgt z.B. zyklisch deduktiv und induktiv, argumentativ oder parallel. Richter veranschaulicht durch Diagramme die wohlgeordnete Komposition Rollenhagens, die in der Tat bemerkenswert ist. Da die rhetorische Struktur, wie sie Richter zeigt, beim Lesen des Froschmeuselers aber kaum deutlich ist, bleibt seine Hoffnung, in ihr einen der Gründe für den Erfolg jenes Buchs zu sehen, nur Spekulation.[31]

Eine kurze Detailuntersuchung zur Wertung der Alchemie im Froschmeuseler bietet Joachim Telle.[32] Er arbeitet heraus, dass Rollenhagen "[...] keinen repräsentativen Träger alchemistischen Wissensguts, sondern eine in der literarisch-humanistischen Öffentlichkeit populäre Stereotypfigur [...]" entwickelt und somit der seit Sebastian Brant, Thomas Murner u.a. vorherrschenden, abschätzigen Meinung über Alchemisten verhaftet bleibt.[33] In einem rezeptionsgeschichtlichen Überblick kann Telle verdeutlichen, dass man Rollenhagen im 17. Jahrhundert "[...] uneingedenk seiner ablehnend-satirischen Stellung zur Alchemie für den Verfasser fachlich aufschlussreicher Alchemietexte hielt."[34]

Peter Rusterholz behandelt 1978 den Froschmeuseler im Rahmen seiner Untersuchung von Form und Funktion des Komischen in der Tierdichtung des 16. Jahrhunderts.[35] Er weist darauf hin, dass die Menschen des 16. Jahrhunderts ein gänzlich anderes Verständnis von "komisch" hatten als wir. Ohne auf die gesamte Bandbreite eingehen zu wollen, die er festgestellt hat, konstatiert er eine "[...] vernichtende Aggressivität mit durchaus sadistischem Beiklang [...]" für die "[...] niederen Formen der komischen Literatur [...]", zu der er auch den Froschmeuseler zählt.[36] Seinen allgemeinen Ausführungen ist durchaus zuzustimmen, wohingegen die zum Froschmeuseler insgesamt "äußerst problematisch sind, was auf zum Teil ungenaue Textkenntnis zurückzuführen ist.[37] Er deutet den Schluss des Werks im Sinne des barocken Vanitas-Begriffs - eine Interpretation, die mit dieser Arbeit widerlegt werden soll. Dennoch führt uns die Arbeit Rusterholz' an ein Problem heran, nämlich die Frage nach dem Satirischen im Froschmeuseler, dem bislang nicht nachgegangen worden ist. Hier soll auf diese ungelöste Frage nur hingewiesen werden. Während Herdt die Absicht des Froschmeuselers darin sieht, im "[...] Scherz die Wahrheit zu sagen [...]"[38], und Brunken in der Satire den humoristischen Anreiz für die Jugend vermutet, das Buch überhaupt zu lesen,[39] erkennt Bernleithner darin Ansätze zu einer protestantischen Polemik.[40] Handelt es sich aber möglicherweise, wie Barbara Könneker sie beschreibt, um eine Satire im Sinne der römischen Verssatire, die mitunter die völlige physische Vernichtung des Gegners zum Ziel hat?[41] Dienen die mittels der Anthropomorphisierung der tierischen Handlungen bewusst komischen Passagen des Froschmeuselers nur der völligen Preisgabe der menschlichen Bemühungen zur Lächerlichkeit, die einem zeitgenössischen Leser das Lachen ersterben ließ?[42] Könneker stellt klar heraus, dass jeder zwar eine Satire erkennen und mit ihr operieren, keiner sie aber eindeutig definieren kann.[43] Die Bandbreite der Satire ist immens. Auch in der Forschungsliteratur ist, bis auf Krausse, der in der ständigen, meist latenten Satire im Froschmeuseler einen Hauptgrund für dessen Erfolg sieht,[44] an keiner Stelle über ihre Definition reflektiert worden.

Eine umfassende Detailstudie legt Helmut K. Krausse 1980 vor, in der er sich eingehend mit der Circe-Episode im ersten Buch beschäftigt.[45] Diese und andere Episoden sieht er gesamtkompositorisch durch die "[...] häufig wiederholte Moral [verknüpft], dass der Mensch sich mit seinem Stand zufriedengeben solle."[46] Er orientiert sich zwar in seiner Arbeit stark an der Textvorlage und geht häufig auf sie ein, aber der Aspekt der Tiersymbolik, der gerade in der Circe-Episode durch die Gegenüberstellung Mensch-Tier an Bedeutung gewinnt, ist leider nicht sehr detailliert und systematisch bearbeitet.[47] Hinsichtlich der Wirkung des Froschmeuselers ist die Ansicht Krausses, "[...] dass neben der leicht ablesbaren Lehrhaftigkeit auch der eher verschlüsselte satirische Charakter des Werkes als ein wichtiger Grund für seine Wirkung anzusehen ist [...],"[48] überzeugender als die obengenannte Richters.

In der Circe-Episode, in der Rollenhagen "[...] eine erstaunliche Selbständigkeit in der Behandlung seiner Vorlagen [...]" zeigt,[49] wird, so Krausse, das fundamentale Anliegen des Froschmeuselers offenbart: "[...] Kritik am Hofwesen, am Missbrauch der Macht durch die Mächtigen, an den Fürsten usw."[50] Im Verlauf der vorliegenden Arbeit soll diskutiert werden, ob es sich hierbei wirklich um das Grundanliegen dieses Werks handelt, denn wichtige Textstellen stehen dem entgegen. Zuzustimmen ist dagegen Krausses Aussage, dass es dem Dichter trotz der komischen Züge seines Buchs "[...] mit seinen religiösen, sozialen und politischen Grundanliegen und Aussagen durchaus ernst war."[51]

Otto Brunken hat eine bislang nicht behandelte Aussage Rollenhagens zum Thema einer Untersuchung gemacht, nämlich dass sein Werk ein Lehrbuch für die Jugend sein solle.[52] Er weist nach, dass der einzige bekannte, von Rollenhagen intendierte Empfängerkreis des Epos die Jugend ist,[53] insbesondere die des Mittelstands, von denen er "gesellschaftliche Selbstbescheidung" verlangt.[54] Der Ordo-Gedanke wird der Jugend über dieses Werk humoristisch vermittelt.[55] Brunken sieht das Hauptanliegen Rollenhagens damit in der "[...] Festigung der bestehenden Ordnung".[56] Gegen seine Feststellung ist wenig zu sagen; der Froschmeuseler ist demnach ein Wissenskompendium für alle Lebenslagen, das der Jugend des Mittelstands zu Entscheidungen verhelfen soll. Doch es wäre zweifellos im Sinne Rollenhagens, wenn sich die mittlerweile erwachsenen Leser ebenfalls auf die von ihm geäußerten Empfehlungen stützten; denn die zu Erziehenden von heute sind die Erzieher von morgen und bewahren so die Ordnung. Außerdem sind im Froschmeuseler besonders die Berufe repräsentiert, die eine wichtige soziale Verantwortung tragen: Beamte, Ärzte, Gelehrte (Berater) und Kaufleute.[57]

Hier knüpft sich allerdings die Frage an, ob Rollenhagen mit seinem Werk nicht Eulen nach Athen trägt, d.h., ob der Froschmeuseler als Lehrbuch wirklich neuartiges Gedankengut übermittelt. Krausse geht hinsichtlich der Wirkung beim Leser davon aus, dass "[...] die alle Lebensbereiche umspannende Sprichwortweisheit in leicht zitierbarer Form überall da ein Echo findet, wo ein entsprechendes altdeutsches, bürgerlich-protestantisches Lebensgefühl vorherrscht."[58] Folgt man seiner Ansicht, können mit dem Froschmeuseler, zumindest ab der zweiten Lesergeneration, nur Jugendliche erreicht werden, die mit dem Gedankengut ohnehin vertraut sind. Das Werk erhielte dann eher einen katechetischen Charakter.[59]

An die Studie von Telle anknüpfend, untersucht Gerhard Brey die Rezeption des Alchemiekapitels.[60] Dabei stützt er sich auf die Feststellung Telles, dass Rollenhagen alchemistische Kompetenz bescheinigt wurde, kann aber nachweisen, dass dieser mit seinen Aussagen sowohl Gegnern als auch Befürwortern der Alchemie Argumente vermittelte:[61]

 

"Dem überzeugten Alchimisten, der die betrügerischen Praktiken auch ablehnt, bieten sie [i.e. Rollenhagens Darstellungen] eine Zusammenfassung der wichtigsten alchimistischen Theorien und einen Überblick über die verbreitetsten Methoden. Dem Gegner der Alchimie, oder besser dem Autor, dem es darauf ankommt, die Handgriffe betrügerischer Alchimisten offen zu legen, liefert der Froschmeuseler einen Querschnitt durch die gängigen betrügerischen Praktiken, vor denen man sich zu hüten hat."

 

Um den Gedanken Breys fortzuführen: Rollenhagen bietet dem betrügerischen Alchemisten auch ein Kompendium von Hilfestellungen und Tricks für seine Tätigkeit. Die Kompetenz dazu bescheinigen ihm Telle und Brey durchaus.

1989 hat Dietmar Peil die seit langem überfällige Neuedition des Froschmeuselers besorgt.[62] Sie löst damit die gekürzte, unkritische und größtenteils unkommentierte Ausgabe Goedekes ab. Peil hat die Ausgabe mit ausführlichen Erläuterungen und Stellenkommentaren versehen, die das Buch zu einem wertvollen Hilfsmittel machen, wobei deren eindeutige Stärken im komparatistischen und naturwissenschaftlichen Bereich liegen. Das Nachwort ist in mancher Hinsicht etwas oberflächlich; hier wird die Forschungsliteratur allenfalls angerissen, nicht aber diskutiert.[63] Diese Schwäche, die der Stellenkommentar des öfteren auszugleichen vermag, ist im Vergleich zu der gesamteditorischen Leistung minimal und sollte nicht überbewertet werden.[64]

Der Forschungsbericht zeigt die defizitäre Lage der Froschmeuseler-Forschung. Einige Aspekte und Episoden sind ausreichend erforscht, in anderen Bereichen ist ein befriedigender Forschungsstand noch nicht erreicht. Stark repräsentiert sind Untersuchungen zur literarischen Tradition von Aspekten wie das Tier im Epos oder die Alchemie in der Literatur. Der Konsens, der in der Forschung besteht, hat einen bereits global anmutenden Charakter: die Einordnung des Froschmeuselers als moralisierendes, didaktisches, satirisches Tierepos mit bewusster Anthropomorphisierung.

Die Klärung der Frage nach der Funktion des Textes bleibt nach Sichtung der Forschungsliteratur dagegen offen. Auffallend ist der Anspruch vieler Autoren, die Hauptintention Rollenhagens erkannt zu haben. Aufgrund dieses Anspruchs werden Intentionshierarchien erstellt, die das Beziehungsgeflecht, das hier unbestreitbar besteht, gröblich vernachlässigen. Besonders schwerwiegend ist die Tatsache, dass die Ergebnisse der Spezialuntersuchungen, bis auf wenige Fälle, nicht in den Gesamtkontext gestellt und somit auf ihre Haltbarkeit hin nicht überprüft werden. Weiterhin hat noch kein Forscher das intentionale Beziehungsgeflecht, also den Bezug der von Rollenhagen genannten Intentionen, zu entwirren versucht. Die Froschmeuseler-Forschung lässt noch viele Fragen unbeantwortet. Es bleibt zu wünschen, dass sich dieser Zustand aufgrund der inzwischen vorzüglichen Editionslage bald ändern wird.

 

1.2.        Problemformulierung

 

Ausgangspunkt der Überlegung ist Krausses Interpretation, dass mit dem Froschmeuseler vorrangig Gesellschafts- und Herrscherkritik geübt werden solle. Diese Aussage kann so nicht stehen bleiben, denn sie wird von Rollenhagen selbst relativiert. Er missbilligt zwar tyrannische Willkürakte und Überheblichkeit von Herrschern, sieht den Herrscher aber auf der anderen Seite in die göttliche Ordnung dieser Welt gestellt. Es liegt somit allein an Gott und seiner unergründlichen Weisheit, einen Alleinherrscher ein- und abzusetzen und auch tyrannische Handlungen zuzulassen:[65]

 

"Man gedenck / Gott hab auch sein Vrsach /

Warümb er nicht baldt Enderung mach /

Offt Raum laß der Herren Muthwillen /

Biß er wil stürtzen oder stillen /

Denn Gott setzt König ein vnd abe /

Es ist Gottes Straff / oder Gabe."

 

Krausse steht mit der Betonung der Hofkritik als Hauptintention des Froschmeuselers innerhalb der Forschung alleine da. Beinahe durchgängig wird als Hauptintention die Vermittlung des Ordo-Gedankens konstatiert. Dies hat tendenziell durchaus seine Richtigkeit, denn Rollenhagen selbst betont ständig die Bedeutung den göttlichen Ordo. Er beschreibt seine Zeit als sich wandelnd, sensationslüstern und unstet:[66]

 

"Vnd kompt jtzt das seculum vnd zeit wider / das man des Himlischen Manna auch vberdrüssig / vnd nach Egyptischen zwibeln vnd knoblauch lüstern wird / vnd fast keine Predigt hören / keine Postill lesen wil / die nicht aus dem Theatro vitae humanae, Promptuario exemplorum, vnd dergleichen stückwerck / mit wunderlichen Historien / viesirlichen Fabulen / vnd vnerhörten gleichnussen / wie ein Betlermantel verpletzt ist."

 

Rollenhagen beugt sich dieser Mode, um sein Ziel zu erreichen, das er direkt im Anschluss an das eben Gesagte nennt. In der Forschungsliteratur wird es lediglich von Herdt[67] und Brunken[68] ausdrücklich als solches genannt:[69]

 

"Ob nun wol solcher schendlicher misbrauch der künstlichen gedichten in der Religion nicht rühmlich / so ist doch der rechte brauch / so auff Welthendel gerichtet / in keinem wege zu schelten."

 

Wäre Rollenhagen allein daran gelegen, den göttlichen Ordo zu verteidigen und zu predigen, hätte er sich nicht dieses antiken Stoffs der pseudohomerischen Batrachomyomachia bedienen müssen. Doch gerade die Stoffwahl verweist eindeutig auf eine hervorgehobene Intention der Dichtung: die Verurteilung der "Welthendel", der Kriege. Und wie der eben zitierte Satz belegt, war Rollenhagen der Meinung, dass für die Verurteilung des Kriegs jedes Mittel recht sei, d.h. sogar den Modeströmungen seiner Zeit nachzugeben und als Gebildeter die Pfade des Humanismus zu verlassen. Dass Rollenhagen die Gelegenheit wahrnahm und an die Verurteilung zugleich noch andere Ziele wie Ständelehre, Vermittlung von Bildungsidealen und Staatslehre knüpfte, steht außer Frage. Auch wenn es aus bereits genannten Gründen misslich ist, Intentionshierarchien zu erstellen, muss betont werden, dass durch die Stoffwahl in Verbindung mit Rollenhagens Aussage die Kriegsverdammung als das Ziel des Werks zu betrachten ist. Doch darf man nie außer acht lassen, dass dem intentionalen Beziehungsgeflecht, der gegenseitigen intentionalen Bedingung insgesamt eine Bedeutung zukommt, die eine weitere Hierarchisierung nicht erlaubt.

Zu klären ist nun, wie Rollenhagen die Verurteilung des Kriegs in seinem Werk thematisch entwickelt und die einzelnen Elemente kompositorisch anordnet. Hierbei ist ein Rückgriff auf die Strukturanalyse Richters hilfreich. Es muss auch erörtert werden, wie die Friedenslehre im Froschmeuseler vermittelt und angeordnet wird und inwieweit Friedensliteratur und -gedanken des Humanismus und der Reformation darin ihren Niederschlag gefunden haben.

Die vorliegende Arbeit geht davon aus, dass Rollenhagen die Thematisierung von Krieg und Frieden aus drei verschiedenen Perspektiven betreibt und sich somit drei verschiedene Darstellungsebenen ergeben. Entsprechend der hierarchischen Struktur der Gesamtkomposition - Privatleben, innerstaatlicher Bereich und internationale Beziehungen - wird davon ausgegangen, dass auch Krieg und Frieden, je nach Bereich, mit unterschiedlicher Gewichtung dargestellt werden. Diese drei Darstellungsebenen sind:

 

1.   innerstaatliche Konflikte, also Aufstände gegenüber harmonischem Zusammenleben und dem daraus erwachsenden Schaden und Nutzen für den Staat,

2.   internationale Konflikte[70] und Frieden zwischen den Staaten und

3.   die feindliche bzw. friedliche Gesinnung des Individuums gegenüber der höchsten Instanz der Welt, nämlich Gott, und die daraus erwachsenden Folgen. Hier geht es demnach um den theologischen Aspekt des Kriegs.

 

Damit verwoben sind Tugend- und Lasterkataloge, Fürstenspiegel und Staatslehren, die Rollenhagen entwickelt und die ebenfalls, partiell und exemplarisch, untersucht werden sollen. Entsprechend dem Erzählrahmen und der Stoffwahl wird, was zu zeigen ist, der Krieg ausführlich, der Frieden dagegen hauptsächlich ex negativo beschrieben. Das heißt, dass sich der Leser die Annehmlichkeit des Friedens selbst vorstellen muss, eine Aufgabe, die angesichts der sehr plastischen und somit grausamen Kriegsbeschreibung nicht allzu schwer fallen dürfte. Eine Ausnahme bildet eindeutig der Friede mit Gott, der das ganze Werk hindurch gefordert wird.

An einigen Stellen der Untersuchung erscheint es notwendig, zeitgeschichtlichen Reflexen oder geistesgeschichtlichen Traditionen, die sich im Froschmeuseler niedergeschlagen haben, nachzugehen. Das kann aber nicht in der den Themen gebührenden Ausführlichkeit geschehen. Es erforderte eigenständige Arbeiten, um diese Aspekte ausreichend zu untersuchen.

 

1.3.        Kriegs- und Friedensdiskussion des 16. Jahrhunderts

 

Rollenhagen steht mit seiner Friedenslehre in einer langen humanistischen Tradition, die, neben der von ihm genannten Anregung zum Schreiben durch seinen Lehrer Veit Oertel und der daraus erwachsenen Verpflichtung ihm gegenüber, als ausschlaggebender Beweggrund für die Publikation des Froschmeuselers angesehen werden muss. Denn obwohl der Krieg, vor allem der Glaubens- und Konfessionskrieg, im 16. Jahrhundert allgegenwärtig gewesen ist, fehlt für Rollenhagens Wohn- und Wirkungsort Magdeburg der historische Anlass für die Abfassung dieses Werks. Die Stadt blieb zu seinen Lebzeiten vom Krieg verschont. Die Motivation muss also in der geistesgeschichtlichen Tradition gesucht werden. Dazu zählen die rhetorische Schulung, die Didaxe Melanchthons und die seit der Renaissance andauernde Friedens- bzw. Kriegsdiskussion.[71]

Die kontrovers geführte Diskussion, deren Bezeichnung sich je nach Standpunkt des Diskutierenden richtet, letztendlich aber keine Rolle spielt, spiegelt sich im Froschmeuseler wider. Richters "Diagramm der amplificatio", das er für die Beratung der Mäuse und der Frösche erstellt, macht diesen Niederschlag zusätzlich deutlich.[72] Die gesamte Bandbreite der Friedens- und Kriegsdiskussion lässt sich aus den Diagrammen ablesen.[73]

An dieser Stelle sollen drei Standpunkte vorgestellt werden, die für die Froschmeuseler-Interpretation von Bedeutung sind. Ihre Vertreter sind Erasmus von Rotterdam, Martin Luther und Heinrich von Rantzau:

Der bedeutendste Verfechter des Friedens und wichtige Berufungsinstanz für nachfolgende Friedensbefürworter ist Erasmus von Rotterdam. In seiner Querela Pacis[74] lässt er die Allegorie des Friedens, die Pax, die Zustände seiner Zeit beklagen.[75] Ausgehend von der inneren Ordnung eines Staats, verurteilt er den Krieg als Lieblingsbeschäftigung der Fürsten. Im Rahmen einer Ständeanalyse erkennt er im Fürsten den größten Kriegshetzer schlechthin.[76] Diese und andere Schriften, die Erasmus als Pazifisten diskreditierten - denn Krieg war normaler Alltag und politisches Mittel - regten eine Diskussion unter den Humanisten an, wie es mit dem Krieg zu halten sei. Erasmus lehnt den Krieg immer dann ab, wenn er nicht allein der Verteidigung dient. Einen Krieg zur Vergrößerung der herrschaftlichen Macht weist er als unchristlich zurück; er fordert sogar die Fürsten auf, lieber auf die ihnen zustehenden Rechte wie Gebietsansprüche zu verzichten, als viele Menschenleben für deren Durchsetzung zu opfern.[77] Als Grundlage seiner Argumentation dienen allein die christlichen Grundsätze des Friedens und der Nächstenliebe, die aber, was Pax in der Querela Pacis anprangert, von Christen selbst ohne äußere Zwänge pervertiert worden seien.[78] Entsprechend hart ist seine Haltung gegenüber Soldaten, denen er die Teilnahme am Gottesdienst verbieten möchte, weil sie ihn entweihten und das Vaterunser entehrten.[79] Diese streng pazifistische Haltung des Erasmus ist keineswegs eine logische Konsequenz aus den Zuständen seiner Zeit und war, wie schon erwähnt, der Anlass zu heftigen Diskussionen. Mehr noch, es war eine gefährliche Haltung, denn unter einer Ablehnung des Kriegs war leicht eine Verachtung des obersten Kriegsherrn, also des Fürsten, zu verstehen.[80] Oder es muss, wie Herding es formuliert, der "[...] Frieden als Gesellschaftsideal [...] erst seine geheimen Minderwertigkeitskomplexe los werden, um hoffähig zu werden, um gleichwertig neben dem Krieg zu stehen."[81]

Martin Luther vertritt eine für die Froschmeuseler-Rezeption wichtige Position. Aufgeschreckt durch die Aufstände der Bauern und die Aktivitäten Müntzers[82] setzt sich Luther für den Frieden ein.[83] Die Durchsetzung der Reformation und der nach dem Wormser Konzil beginnende Auf- und Ausbau der evangelischen Landeskirchen bedurften sowohl innen- als auch außenpolitisch eines friedlichen Rahmens. Nur einmal fordert Luther vehement ein militärisches Eingreifen, und zwar ausgerechnet gegen diejenigen, die sich auf ihn beriefen und sich seiner Unterstützung sicher waren - die Bauern. Hier zeigt sich, dass Luther die Machtverhältnisse seiner Zeit exakt einschätzen konnte. Sein Bestreben ist rein innerkirchlich ausgerichtet. Daraus resultiert die sich krass wandelnde Haltung Luthers gegenüber den Bauern, welche seine Lehre von der Gleichheit der Christen in seiner Schrift Von der Freiheit eines Christenmenschen[84] allzu wörtlich genommen hatten und auf weltliche Verhältnisse übertragen wollten. Im Bauernkrieg 1524/25 versuchten sie, gegen Ende von Müntzer unterstützt, die ständische Ordnung zu zerstören. Luthers Ermahnung zum Frieden[85] kam zu spät, was er aber nicht wissen konnte:[86] Das blutige Gemetzel von Frankenhausen hatte bereits stattgefunden, die Niederlage Müntzers und der Bauern sah er später als Gottesurteil an.[87] Seine Schrift kündigt seine sich wandelnde Haltung gegenüber den Bauern bereits deutlich an.[88] Er ruft sie dazu auf, ihr missliches Leben demütig zu ertragen und vom Krieg abzulassen.[89] Das Verhalten der Fürsten sei zwar zum großen Teil ungerecht, aber ohne Übertretung der göttlichen Gebote nicht zu ändern.[90] Damit wird ein, zumindest weltliche Belange betreffendes Widerstandsrecht negiert. Seine Forderung zu Beginn der Ermahnung, die Fürsten sollten sich bessern, ist im Vergleich zu den Ermahnungen, welche die Bauern betreffen, unbedeutend.[91] Das Evangelium konnte mit Luther nicht verweltlicht werden.[92] In seiner Schrift Wider die räuberischen und mörderischen Rotten der Bauern[93] fordert er, nachdem er von den grausamen Taten der kämpferischen Bauern erfahren hat, die Fürsten zu deren Vernichtung auf.[94] Der Bauernkrieg ist ein für die Zeitgenossen prägendes Ereignis.[95] Er wird für den bis dahin nicht auf soziale Fragen bedachten Luther zum Scheideweg. Er entscheidet sich für eine Erneuerung der Kirche, die zwar soziale Missstände erkennt, sie aber aufgrund der Kompetenzverteilung nicht zu lösen vermag, denn über soziale Ungerechtigkeit zu richten obliegt nur den Fürsten und Gott. Der gemeine Christ muss dulden und glauben. Luther hat erkannt, dass nur ein Zusammenkommen mit den Fürsten soziale Veränderung bringen kann. Der daraus folgende Auf- und Ausbau der Landeskirchen nach de facto katholischem Muster beendet die Reformation.[96]

Eine für Rollenhagen wichtige und in diesem Kontext bislang nicht zur Kenntnis genommene Position nimmt Heinrich von Rantzau ein. Rollenhagen hat seinen Froschmeuseler ihm, seinem Mäzen,[97] dem Statthalter des dänischen Königs in Schleswig-Holstein, gewidmet. Diese originelle Widmung hat zuerst eher den Anschein eines Sprachspiels als den eines politisch-historischen Hintergrunds, denn er assoziiert mit Rantzau rana, Rand (= Ufer), Aue und vielem mehr.[98] Peil führt die Widmung, wie es scheint, auf Rantzaus Bedeutung als Mäzen und Bibliotheksbesitzer zurück.[99] Reimer Hansen weist in einem Aufsatz auf die außergewöhnliche Haltung Rantzaus zu den Konfessionskriegen in den Niederlanden hin, welche er mit einem internationalen Friedensplan beenden und auf Dauer verhindern wollte.[100] Offenbar hat Hansen von dem Widmungsgedicht Rollenhagens keine Kenntnis gehabt, was bedauerlich ist, denn es stützt seine These von der Bedeutung des Humanisten Rantzau.[101] Dieser vorbildliche Einsatz eines Militärs für den Frieden, die Negierung der Möglichkeit eines gerechten Kriegs und der Einsatz für die Glaubensfreiheit sind, so lautet die These, der wahre Grund Rollenhagens, sein Werk gerade diesem Mann zu widmen. Rantzau hat seine Haltung 1585 in einem knappen Satz formuliert: "dan ein beschwerlicher Friedt ist alle Zeit besser alß ein gerechter Krieg."[102] Diese Worte müssen Rollenhagen, wie auch immer, bekannt gewesen sein, denn er schreibt:[103]

 

"Bessr ist Fried mit beschwerligkeit /

Denn Krieg mit eitl Gerechtigkeit."

 

Die Äußerungen Rollenhagens über Rantzau sind insgesamt sehr knapp und uneindeutig gehalten. Er lobt in topischer Form das Geschlecht der Rantzauer, die "Getrewe Hirten vnd Hüter [...] / Vber das Volck vnd Land [...]"[104] seien, und Heinrich Rantzaus "[...] Tugend vnd Ehr [...]".[105] Kennt man den politischen Hintergrund, wäre es zu kurzsichtig, in der Laudatio Rollenhagens nur Sprachspiel, Topoi und Würdigung des Mäzens und Humanisten zu sehen.[106] Seine Bemühungen um einen dauerhaften Frieden machen Rantzau für Rollenhagen über seine Bildung hinaus tugendhaft und ehrenvoll. Dies geschieht in spielerischer Form, welche, dem Empfänger angemessen, die Bandbreite der Bildung des Autors verdeutlicht.[107] Gegen Ende des Froschmeuselers taucht Rantzaus Name nochmals auf. Kurz vor Kriegsbeginn fordert der Mäusekönig Parteckfresser den Froschkönig Pausback mittels eines Boten auf, ihm seinen eigenen Sohn zu überstellen, damit er ebenfalls getötet und der Krieg vermieden werde:[108]

 

"Er hett mit allen Frösch Geschlechten /

Weder zu rechten / noch zu fechten /

Jhr König allein an dem Ort /

Seinen lieben Sohn hett ermordt /

Wenn der seinen Sohn widderstellt /

Als sein Rantzaun vnd Lösegeldt /

Das der widdrumb auch sterben müst /

So wer die Missethat gebüst."

 

Leider ist die Deutung unsicher. Peil sieht hier keine Anspielung auf Rantzau, sondern nur eine Entstellung des Worts Ranzion, was wiederum auf das mittelfranzösische Substantiv ran¸on (= Lösegeld) zurückgeht.[109] Trotzdem ist die Überlegung, dass hier auf Rantzau angespielt wird, nicht vorschnell von der Hand zu weisen, denn es handelte sich in diesem Fall um ein tiefsinniges Wortspiel: Die Forderung des Mäusekönigs und die Gewissheit des Froschkönigs, seinen Sohn in den sicheren Tod zu schicken, stellen in der Tat einen "beschwerlichen Frieden" dar, zumindest für die Familie des Froschkönigs. Auch an dieser Stelle wird ein Friedensplan unterbreitet, der scheitert. Für die Untertanen des Froschkönigs ist der Plan gerecht, denn allein der König und seine Familie werden bestraft. Aber betrachtet man die ihm zugrunde liegende Rechtsauffassung des Auge-um-Auge, ist der Plan nicht minder barbarisch als der Krieg. Diese Überlegungen zielen nicht darauf, dem Friedensplan Rantzaus Unehrenhaftes zu unterstellen; allein der "beschwerliche Friedt", der hier vielleicht möglich gewesen wäre, kann die Deutung des Worts Rantzaun als schweres, leidvolles Friedenspfand stützen.

 


2.           Krieg und Frieden im Froschmeuseler und ihre Darstellungsebenen
2.1.        Vorbemerkungen zur Untersuchung
2.1.1.     Allgemeine Kriegskritik

 

Die Intention des Autors, gegen die "Welthendel"[110] zu schreiben, ist vor allem in den Beigaben deutlich. Sie ermöglichen sofort den Schluss, dass die gewählte Quelle, die pseudohomerische Batrachomyomachia, in ihren Kernaussagen erhalten bleibt.

Demgegenüber ist es nicht leicht, die Intention handlungsimmanent zu erkennen. Es scheint sich eine innere Widersprüchlichkeit zu ergeben, die vor allem von der generellen Kriegskritik Rollenhagens bei gleichzeitiger Reverenz an die politischen Notwendigkeiten herrührt. Denn unbestreitbar wird im Froschmeuseler von einem Fürsten verlangt, den Krieg zwar mit allen Mitteln zu verhindern, ihn aber kräftesparend zu führen, wenn er einmal ausgebrochen ist.[111] Rollenhagen folgt damit der erasmischen Lehre, die nur den Verteidigungskrieg toleriert, den Krieg als politisches Durchsetzungsmittel aber verwirft.[112]

Wie ist aber der Schluss des Froschmeuselers zu verstehen: "Vanitas Vanitatum et Omnia Vanitas"?[113] Die Nichtig- und Nutzlosigkeit allen menschlichen Handelns kann damit nicht gemeint sein. Wozu hätte sich Rollenhagen sonst derart für die Ordnung und den Frieden in der Welt einsetzen sollen? Auch ist beispielsweise Sebastian Francks radikale Position, die Schrecken des Kriegs seien eine gute Prüfung für den Christen, angesichts des abrupten Endes des Froschmeuselers zur Klärung dieser Frage wenig hilfreich.[114] Der oben zitierte Satz macht nur Sinn, wenn er auf die Meinung des Menschen bezogen wird, er könne mit dem Krieg irgendetwas auf der Welt nach seinem Willen entscheiden. Für die gutgerüsteten Mäuse endet der Krieg in einer schrecklichen Niederlage, und das, nachdem sie den Sieg beinahe schon errungen hatten. Nur Gott allein, das ist die Aussage Rollenhagens, kann über den Sieg eines Kriegs entscheiden. Er schickt den bedrängten Fröschen die Krebse zu Hilfe, um deren vernichtende Niederlage abzuwenden. Brunken hat die Aussage Rollenhagens sehr prägnant zusammengefasst:[115]

 

"Mit dem Krieg versuchen die Mäuse ebenso wie die Frösche, die gottgegebene Ordnung zu verändern. Mit gewaltsamen Mitteln versuchen sie Unerreichbares zu verwirklichen, ihre eigene Vorrangstellung. Mit dem Entschluss zum Krieg stellen sie sich außerhalb der göttlichen Ordnung, ihr Entschluss zum Krieg ist der zur Sünde."

 

Rollenhagen übt Kriegs- und Fürstenkritik in allgemeiner Form. Er favorisiert, vom Ausgang des Kriegs her gesehen, auch keine Kriegspartei. Hier herrscht kein Konsens in der Forschung: Bernleithner meint, dass weder die Frösche noch die Mäuse Metaphern für die katholische oder evangelische Partei darstellen können. Die Hilfstruppen, die jede Seite aus ganz Europa erhält, ergeben keine konfessionelle Einheit.[116] Da es, so Bernleithner, deshalb nicht möglich sei, die Bevorzugung einer Kriegspartei durch Rollenhagen zu ermitteln, äußere er allgemeine Kriegskritik.[117]

Der letzten Aussage ist, gemessen an Rollenhagens Kritisierung der "Welthendel", zuzustimmen. Dennoch steht Rollenhagen eindeutig auf Seiten der Reformation. Auch Bernleithner muss das letztendlich eingestehen.[118] Man sollte hier der Ansicht Herdts folgen, der in den "[...] bunt zusammengewürfelten Heeren [...]" nichts weiter als einen zeitgeschichtlichen Reflex auf die Söldnerheere sieht.[119] An einer klaren Befürwortung der Reformation durch Rollenhagen zweifelt Herdt zu Recht nie.

Obwohl keine Partei eindeutig einer Konfession zuzuordnen ist, können wir bei den Fröschen davon ausgehen, dass sie mehrheitlich Protestanten sind, denn ihr Luther, der durch Elbmarx verkörpert wird, vertreibt den Papst, die Schildkröte Beißkopf. Rollenhagen lässt die überwiegend protestantischen Frösche aber nicht aus eigener Kraft, sondern mit der Hilfe der Krebse siegen und erhält sie so durch Gottes Gnade am Leben. Rollenhagen lässt sie ihren Sieg nicht auskosten.[120]

Daraus können wir schließen, dass es ihm in der Tat auf generelle Kriegskritik ankommt und er keine Konfession im Krieg favorisiert. Doch auch wenn beide Kriegsparteien Christen sind, läuft die Anklage Rollenhagens nicht nur auf eine Ächtung des christlichen Bruderkriegs, sondern des Kriegs überhaupt hinaus:[121]

 

"Aller Welt Rath / Macht / Trotz vnd Streit /

Jst lauter Tand vnd Eytelkeid.

Macht doch Mord / Armut / Hertzeleid."

 

Auch der vermeintliche innere Widerspruch des Werks, auf den zu Beginn dieses Kapitels hingewiesen wurde, löst sich, zumindest an dieser Stelle, auf. Der Fürst hat sein Volk auf die bestmögliche Weise zu führen und vor dem Krieg zu bewahren. Wird ein Staat angegriffen, muss der Fürst auf die für sein Volk vorteilhafteste Art kämpfen, doch entscheiden kann er den Krieg nicht. Die Entscheidung über Sieg oder Niederlage liegt allein bei Gott. Eine Spannung zwischen Glauben und Politik bleibt jedoch bestehen. Die nun anstehende Untersuchung folgt diesem Interpretationsansatz.

 

2.1.2.     Zur Kompositionstechnik
2.1.2.1. Struktur der thematischen Entfaltung von Krieg und Frieden

 

Im zweiten Kapitel der Einleitung wurde bereits darauf hingewiesen, dass in der vorliegenden Arbeit von einer Differenzierung des Kriegsgedankens bei Rollenhagen ausgegangen wird. Dabei handelt es sich um den innerstaatlichen Krieg, d.h. Aufstände, den internationalen Konflikt und den theologischen Aspekt des Kriegs; denn Krieg gegen Menschen ist für Rollenhagen Sünde und gleichsam ein Krieg gegen Gott.

Diese drei Darstellungsebenen des Kriegs sind weder gleichmäßig auf das Epos verteilt noch sind sie streng hierarchisch angeordnet. Die erste, der Aufstand gegen die Obrigkeit und die gegebene Ordnung, wird im zweiten Buch behandelt. Die Grundlage ist eine das historische Geschehen verfremdende Bearbeitung des Bauernkriegs von 1524/25. Neben wenigen, nur kurzen Anspielungen auf gewaltsam ausgetragene innerstaatliche Konflikte ist dies die Kernstelle zu diesem Problem.

Die zweite Darstellungsebene des Kriegs, der internationale Konflikt, wird, entsprechend der pseudohomerischen Quelle, hauptsächlich im dritten Buch behandelt. Es ist für diese Ebene die zentrale Stelle des Gesamtwerks. Wir finden jedoch auch in den Beigaben zum ersten Buch, neben kurzen Nennungen des Kriegs, seine Thematisierung. In gewisser Weise können wir für diese beiden Motive eine Klimax feststellen, die allerdings quellenbedingt ist.

Der theologische Aspekt bildet die dritte Darstellungsebene des Kriegs. Bei ihrer Bearbeitung treten Probleme auf, weil der 'Krieg gegen Gott' einen Zirkelschluss bildet. Er entspringt der Sünde und ist damit Sünde. Sie ist die Ursache des Kriegs und, auf das Jenseits bezogen, ihre letzte Konsequenz. Hielte sich der Mensch an die göttlichen Gebote, wäre das Problem 'Krieg' nicht existent. Somit wird Gott zum A und O, zum Anfang und Ende der Kriegsbetrachtung. Das ermöglicht einen Einblick in das Rollenhagensche Denken, das alles menschliches Handeln transzendental gebunden sieht.[122] Persönliches Fehlverhalten zieht immer, so Rollenhagen, schwere Folgen nach sich.

Das Sündenmotiv erstreckt sich über das ganze Werk. Im ersten Buch wird die Missachtung der Ordnung und die Schädigung der Mitbürger problematisiert, im zweiten Buch die Missachtung der gottgewollten staatlichen Ordnung und im dritten Buch der Krieg als politisches Mittel, das allen Geboten zuwiderläuft.[123] Das bedeutet, dass bei der Untersuchung eine Verflechtung der ersten zwei Ebenen mit der dritten unumgänglich, aufgrund der theozentrischen Ausrichtung des Gesamtwerks sogar wünschenswert ist. Daraus resultiert eine zweifache Methode der Untersuchung: Während die beiden ersten Darstellungsebenen anhand exemplarischer Textstellen untersucht werden, muss die dritte ihnen größtenteils beigeordnet werden, um Wiederholungen zu vermeiden.

Die Thematisierung des Friedens erfolgt, wie oben schon erwähnt, vor allem ex negativo, das heißt, der Leser muss sich die Vorzüge des Friedens anhand der abschreckenden Beispiele der Kriegsdarstellung selbst ausmalen. Lediglich zweimal wird der Friede geschildert: zu Beginn des Werks, als die Frösche in einem Idyll ihren Hofstaat abhalten und in der Episode, in welcher die Feldmaus erkennt, wie verwerflich das Stadtleben ist und ihr Landleben noch mehr zu schätzen lernt, als dies ohnehin schon der Fall war. Die erste Darstellung vermittelt uns die Annehmlichkeiten des Friedens, die nur dann gegeben sind, wenn ein Staat nicht von außen bedroht ist; die zweite ist weitergehend, denn sie verdeutlicht den Frieden im privaten Bereich, also die Zufriedenheit mit sich selbst, dem eigenen Stand und, dank dieser Zufriedenheit, auch den Frieden mit Gott.

 

2.1.2.2. Epische Integration von Krieg und Frieden

 

Abgesehen vom pseudohomerischen Handlungsrahmen, der die Kriegsthematik vorgibt, bedient sich Rollenhagen epischer Techniken, welche die Integration von Krieg und Frieden in das Werk auf eine besondere Weise ermöglichen. Seine wichtigste Erzähltechnik ist die des doppelten (oder sogar mehrfachen) Erzählrahmens. In dem äußeren, der pseudohomerischen Quelle folgenden Rahmen agieren die handlungstragenden Personen. Ihre Aussagen werden im folgenden 'Personenrede' genannt. Jene Personen lassen wiederum andere in Binnenerzählungen ihre Erlebnisse berichten. Diese Reden in den Binnenerzählungen sollen im folgenden als 'Figurenreden' bezeichnet werden.

Im zweiten Buch bedient er sich ausschließlich der Technik der Binnenerzählung, des mehrfachen Erzählrahmens, wenn über den Krieg reflektiert wird. Die Rahmentechnik spiegelt sich in der Kapitelanordnung wider: jede Einzeldiskussion erhält ein eigenes Unterkapitel, das seinerseits in verschiedene Episoden aufgeteilt ist. Eine Personenrede findet nicht statt, weil der Erzähler Pausback, bis auf den umfassenden Erzählrahmen, gänzlich ausgeblendet wird. Wir haben es demnach nur mit Figurenreden zu tun. Diese Technik hat den entscheidenden Vorteil, dass der Erzähler seine Figuren Aussagen sprechen lassen kann, die nicht mit ihrem Stand und ihren Überzeugungen übereinstimmen. Sie berichten nur, was andere einst berichteten, und können, über den Dingen stehend, sachlich den Diskussionsverlauf wiedergeben. Die eingeschobenen Episoden sind in sich abgeschlossen und somit ist es möglich, sie aus dem Gesamtzusammenhang herauszulösen,[124] was dem polyhistorischen Anspruch des Froschmeuselers als Wissenskompendium gerecht wird.[125]

Die Reflexion über den Krieg findet im zweiten Buch im Rahmen der Verfassungsdiskussion der Frösche statt, von welcher der Froschkönig Pausback dem Mäuseprinzen Bröseldieb berichtet. Der Krieg wird somit eindeutig als Teil der philosophia practica gewertet, als Teil einer Politik, die ein Gemeinwesen von innen oder von außen her bedroht. Die Verfassungsdiskussion an sich wird im folgenden aber nur am Rande betrachtet, denn sie findet ohne inhaltlichen Bezug auf die äußere Rahmenerzählung statt und hat für den Handlungsverlauf keine Bedeutung. Viele Episoden werden mit einer zusammenfassenden Moral abgeschlossen. Eine Ausnahme bilden, wie Richter ermittelt hat, stets die "Kurzfabeln", die als Fabeln in der Fabel zusätzlich in den inneren Erzählrahmen eingefügt werden.[126] Sie enden ohne Moral: "Letzten Endes bleibt es dem Leser überlassen zu entscheiden, ob die von den Rednern getroffenen Entscheidungen richtig oder falsch sind."[127]

Im dritten Buch verändert sich die Situation, denn nicht mehr eine erzählende Person, sondern der Erzähler lenkt das Geschehen.[128] Die Kriegsberatungen sind in den Handlungsverlauf integriert und korrespondieren mit dem weiteren Geschehen. Eine Herauslösung von Textteilen ist nur bei Anekdoten möglich, die zur argumentativen Stützung der von den Beratern gehaltenen Reden zur Kriegsplanung dienen. Das dritte Buch ist durch diese direkte Bezugnahme in sich konsistenter, weshalb Rollenhagen in ihm dem konzeptionellen Anspruch in höherem Maß gerecht werden kann als in den zwei vorangehenden Büchern. Die Handlung enthält eine starke, nachvollziehbare Klimax bis hin zur Katastrophe, die aus dem Kriegseintritt der Krebse auf Befehl Gottes besteht.[129] Das Ende ist sehr kurz gehalten und beginnt erst mit dem Abzug Friedliebs und der knappen Moral des Erzählers.[130] Ob es sich hierbei allerdings um eine Auflösung handelt, ist fraglich. Der Krieg wird zwar durch Gottes Intervention beendet, doch begannen beide Parteien den Krieg, so Richter, um das Problem, über das sie debattierten, zu lösen.[131] Ob aber mit der Aufgabe der Mäuse auch die Feindschaft zwischen ihnen und den Fröschen beendet und damit der eigentliche Kriegsgrund beseitigt ist, ist sehr zweifelhaft. Nicht von ungefähr fühlte sich Giacomo Leopardi durch das abrupte Ende des Froschmäusekriegs zu seinem Krieg der Krebse und Mäuse inspiriert.[132]

Der Froschmeuseler ist ein Buch, das vom Krieg abschrecken möchte. Rollenhagen erreicht dies, wie unten gezeigt werden wird, mittels grausam-realistischer und damit selbstentlarvender Kriegsszenerien. Der Friede wird meistens nur eindringlich beschworen und, e contrario, über den Krieg beschrieben. Alles, was innen- und außenpolitisch nicht zu derart grausamen Exzessen der metaphorisierten menschlichen Existenz beiträgt, ist demnach als friedlich oder zumindest friedensfördernd zu betrachten. Rollenhagen setzt auf die Erkenntnisfähigkeit des Lesers, wobei ihm sein didaktischer Beruf durchaus anzumerken ist. Aus den eben genannten Gründen wird in der folgenden Untersuchung der Aspekt des Friedens dem des Kriegs unter- bzw. beigeordnet. Friede ist der "Nichtkrieg", dessen Bild sich der Leser fast immer selbst erschließen muss.

 

1.2.3.     Integration der didaktischen Aussagen im Froschmeuseler

 

Bernleithner geht, wie oben bemerkt wurde, davon aus, dass es sich beim Froschmeuseler kaum um Erlebnisdichtung handele.[133] Aus dieser Auffassung resultiert die Frage, ob und wie weit eine Identifikation des Autors mit dem Erzähler möglich ist. Dieses allgemeine interpretatorische Problem stellt sich besonders bei didaktischer Dichtung. Verstärkt wird es beim Froschmeuseler durch die Technik der Binnenerzählung, weil wir davon ausgehen können, dass sich Rollenhagen mitunter selbst zu Wort meldet. Wo aber greift er in die Handlung ein? Die Binnenerzählung erlaubt nicht nur den Handlungsbeteiligten, eine ihnen selbst widerstrebende Meinung wiederzugeben.

Das hier angesprochene Problem kann aus der Handlung heraus nicht befriedigend gelöst werden. Es ist zwar möglich, einzelne Textpassagen an der Intention zu messen; möglicherweise entsprechen ihr auch einzelne Positionen von insgesamt verwerflichen Charakteren; wo genau allerdings der Autor mit dem Erzähler identifiziert werden kann, bleibt fraglich.

Hier wird davon ausgegangen, dass eine Identifizierung häufig zulässig ist, denn die Moralen der Episoden entsprechen der Intention und sind ständige Erinnerungshilfen dafür, worauf es dem Autor mit seinem Werk ankommt. Hinzu kommt die didaktische Ausrichtung seines Gesamtwerks, die darauf schließen lässt, dass es sich dabei um sein ureigenes Anliegen handelt.

Ein eindeutiger Beweis für eine bewusste Identifizierung Rollenhagens mit dem Erzähler ist das Register, das "VERZEICHNVSS DER VORNEMBSTEN SACHEN [...]",[134] das er, von wenigen Ausnahmen abgesehen, aus den Marginalien[135] und Kapitelüberschriften erstellt hat. Es ist ein Beleg dafür, wie ernst es ihm mit seinem Anspruch war, mit dem Froschmeuseler eine Wissenskompilation[136] für nahezu alle Lebensbereiche zu verfassen. Der didaktische Charakter des Registers ist bemerkenswert und spiegelt den argumentativen Aufbau des Werks wider. Mächte sich ein Leser über einen Lebensbereich informieren, könnte er bereits mit dem Verzeichnis vorliebnehmen, worin es beispielsweise heißt:[137]

 

"Element regieren zugleich

Element sind weisen Regenten gleich

Element sind nicht regenten der welt

Der Elementen Auffruhr

Der Elementen vnd der glieder Regiment im Leybe ohne König ist vnbestendig"

 

Ein derartiges Beispiel ließe sich beliebig wiederholen. Rollenhagen gibt mit dem Froschmeuseler Antworten auf Fragen des richtigen Verhaltens des Menschen, die der Leser mit Hilfe des Registers gezielt suchen kann. Diese entsprechen meistens den moralischen Empfehlungen, und wenn nicht, werden sie innerhalb des Registers im Sinne Rollenhagens richtig gestellt, wie wir oben gesehen haben. In den Episoden übernehmen hauptsächlich die Erzählenden Figuren die Beraterfunktion mit Ratschlägen, die wiederum mit den Marginalien in Bezug gesetzt sind. Obwohl sich Rollenhagen in der Fabel und in den "Kurzfabeln", wie Richter die Binnenerzählungen nennt,[138] aus dem Geschehen heraushält, ist er durch die Überschriften und Marginalien ständig präsent und geleitet den Leser durch das ganze Buch.

Wir sehen, dass Bernleithner mit seiner Einschätzung des Erzähler-Autor-Verhältnisses nicht recht hat. Rollenhagen vermittelt sich dem Leser über die Marginalien und die Kapitelüberschriften samt Register und über die Rolle des mahnenden Erzählers, vor allem im dritten Buch. Freilich ist der Froschmeuseler, wie schon erörtert, keine Erlebnisdichtung im Goetheschen Sinn, aber eine didaktische, also intentionale, lenkende Dichtung mit moralisch wertenden Eingriffen Rollenhagens, die über die notwendige Funktion des Erzählers hinausgehen.

Der innerstaatliche Konflikt wird anhand eines Bauernaufstands exemplifiziert,[139] der lediglich als ein "[...] Aufflauff / ohn Vrsach" bezeichnet wird.[140] Eingebettet wird dieser Aufstand in den Bericht des Froschkönigs über die Diskussion der Staatsform der Frösche, den er dem Mäuseprinzen erstattet. Hierin warnt der weise Frosch Graukopf eindringlich vor der Demokratie, da diese leicht in Ochlokratie ausarten könne.

Bereits der Rahmen für die Erwähnung des Aufstands ist bezeichnend. Die Demokratie, die Gleichheit aller, führe leicht dazu, dass sich jeder für kompetent halte und sich nicht mehr Beschlüssen, und seien sie noch so vernünftig, unterordnen wolle. Der gemeine Mann wird als ständige, latente Bedrohung der Staatsordnung begriffen.

Wenn das Zusammenleben zum Chaos wird, stirbt das Gemeinwesen.[141] Die Geschichte des Magens, dem die anderen Körperteile aus Unmut keine Nahrung mehr zukommen lassen und der deswegen stirbt, veranschaulicht diese Haltung.[142] Die Corpusmetapher verdeutlicht, wie sehr Rollenhagen das Gemeinwesen als rein funktionales Zusammenleben sieht. Persönliche Belange wie Entfaltung oder gar Glücksgefühl haben hier nur wenig oder keinen Platz. Mittels der Corpusmetapher veranschaulicht er, wie ein Staatswesen von innen heraus zugrunde gehen kann, wenn jeder nur seinen persönlichen Vorteil sucht. Doch durch Einsicht ist es immerhin noch zu retten. Ein weiteres Beispiel zeigt, dass es schlimmer kommen kann:[143]

 

"SOlch Vnglück ist im freyen Land /

Allzeit zu fürchten beym Friedensstand /

Sprach Grawkopff. Aber zu der Zeit /

Wenn die Sachen lauffen zum streit /

Vnd man ein Krieg auch sol vernehmen /

So gehts erst / das man sich mag schemen."

 

Die anschließende Beschreibung des Bauernaufstands trägt deutliche Züge der Kritik. Allerdings hat sie innerhalb der Diskussion der Staatsform neue Schwerpunkte. Der erste Kritikpunkt ist die Überlegung von 'Zivilisten', überhaupt Krieg führen zu wollen:[144]

 

"Denn / wenn vnerfahrne Leut /

Jm frieden sitzn ein raume Zeit /

So thun sie wie der Esel that /

Da er zu viel deß Futters hatt /

Vnd wolte tantzen auff dem Eyß /

Vnd brach ein Bein mit der Vnweiß."

 

Der Krieg freier Leute, und nicht nur der Aufstand, wird auf reine Dummheit zurückgeführt, die in dem unheilsamen Wunsch nach Erfahrungsfülle begründet ist:[145]

 

"Vnd wie die lieben Kinderlein /

Das Fewr halten lieblich vnd fein /

Lassen sich auch davon nicht trennen /

Biß sie die Händ daran verbrennen."

 

Mangelnde Erfahrung und Führung, die in der hier geschilderten Ochlokratie zum Tragen kommen, lassen alle Hoffnung, das Geschehen vereiteln zu können, nichtig werden. Graukopf warnt ausdrücklich vor den Gefahren eines Aufstands und Kriegs, denn beide sind gefährliche Angelegenheiten und bedürfen guter Beratung:[146]

 

"So reucht dem vnerfahrnen Mann /

Der Krieg so süß als Honig an."

 

An dieser Stelle ist der erasmische Einfluss im Wortlaut nachzuweisen: Dulce Bellum inexpertis.[147] Rotten sich Menschen zu einem Aufstand, oder wie hier, zu einem Krieg gegen den riesenschwangeren Berg zusammen, kann nichts dabei herauskommen als bestenfalls Spott. Die Gefahren und Leiden eines Kriegs verliert der weise Frosch Graukopf nie aus den Augen:[148]

 

"BJllich man abr Gott dancken soll /

Wenn der Handel gereth so wol /

Das man seiner noch lachen kan /

Vnd darff zum spott kein schaden han.

Wenn aber beyde Land vnd Leut /

Mit solchem vnbedachten streit /

Jn Jammer vnd in Noth wird gesetzt /

So wird dass lachen tewr zu letzt."

 

Allerdings deutet Graukopf die erasmische Lehre um: der Erfahrene weiß um die Schrecken des Kriegs, lässt sich durch sie aber nicht abschrecken, sondern kalkuliert sie nur mit ein. Der Krieg an sich wird nicht verworfen. Er fordert lediglich, die Aufmerksamkeit der Staatsführer auf die Notwendigkeit einer guten Rüstung zu lenken:[149]

 

"[...] lehrt sie erschrecklicher schad /

Das man kein Krieg anfah ohn Rath.

Wie der gemeine Pöbel pflegt /

Der viel Lermen ohn Noth erregt /

Vnd den Anfang nimmer betracht /

Odr gnug zuvor sich gerüst gemacht."

 

Diese Äußerung weist auf die Problematik der zwischenstaatlichen Konflikte voraus. Der Pöbel wütet ohne zu überlegen oder sich zu rüsten. Der Verständige dagegen, bei Rollenhagen also der gute Fürst, denkt nach, bevor er zu kämpfen beginnt. Die Technik der Binnenerzählung erlaubt es dem Autor, Graukopf eine dem Werk entgegengesetzte Meinung vertreten zu lassen, denn dieser verurteilt den Angriffskrieg nicht generell, sondern nur einen unüberlegten. Die Möglichkeit, einen Krieg trotz guter Rüstung und Strategie verlieren zu können, zieht er nicht in Betracht. Das spätere Geschehen widerlegt seine Position. Die gutgerüsteten Frösche scheinen zu verlieren, gewinnen dann aber durch die unerwartete Hilfe Gottes. Graukopf vertritt die Position eines weisen Staatsmanns, der zwar die Belange der Welt, nicht aber den Willen Gottes berücksichtigt. Auch wenn sein Krieg gewonnen wird, muss der Sieg vor Gott nicht Bestand haben. 

 

2.2.1. Der Bauernkrieg 1524/25 und sein Niederschlag im Froschmeuseler

 

Der Bauernkrieg von 1524/25, der die Zeitgenossen in Schrecken versetzt hatte, findet im Froschmeuseler einen deutlichen Niederschlag. Rollenhagen nimmt dem Geschehen jedoch die Grausamkeit. Er beschreibt das Wüten von Bauernrotten und lässt ihr Vorgehen scheitern, indem er es der Lächerlichkeit preisgibt, denn sie sind wegen einer kleinen Maus, die sie zu einem gewaltigen Riesen aufgebauscht haben, in den Krieg gezogen.[150] Die Bauern werden zu unbedachten Narren, der historische Kriegsgrund wird verschwiegen:[151]

 

"SOlcher Krieg werden viel geführt /

Wo der gemein Pöbel regiert /

Vnd nicht zuvor die Sach betracht /

Ehe denn er blinden Lermen macht.

Was man denn so närrisch anfangt /

Billich ein närrisch End erlangt."

 

Die Bauern haben führerlos und unbedacht gehandelt, ihr historischer Anführer und Fürsprecher Thomas Müntzer wird nicht genannt bzw. reiht sich als Gleicher unter Gleichen in den kopflosen, närrischen und wütenden Pöbel ein.[152] Rollenhagen zeigt demnach kein Verständnis für die religiösen und sozialen Ursachen des Bauernkriegs und nimmt die Haltung Luthers ein, der den Bauern und Müntzer alle christlichen Motive abspricht.[153] Die Polemik gegen die Bauern, die nie aus ihrem Dorf herausgekommen sind[154] und es als das größte Wunder überhaupt ansehen, dass die Sonne "[...] Am Abendt fiel widder herunter [...]",[155] zeigt die große Verachtung und das Unverständnis, das Rollenhagen den Bauern entgegenbringt. Die Wahrung des bestehenden Ordo und der Grad seiner Gefährdung treten in den Vordergrund der Beurteilung.

Im Rahmen der Verfassungsdiskussion, die insgesamt auf eine Befürwortung der Monarchie hinausläuft, hat die Beschreibung des Bauernkriegs die Funktion, das unbedachte Handeln einer führerlosen, freien Gesellschaft zu zeigen und die Demokratie als faktische Ochlokratie zu diskreditieren.[156] Der geringste Anlass genüge für einen Aufruhr, und die Unfähigkeit, die wahren Ausmaße der Situation einzuschätzen, führe in die Katastrophe. Die sinngemäße Schlussfolgerung Rollenhagens hierzu lautet, die bestehende Lage zu ertragen und sich einem weisen Fürsten zu unterwerfen, um keinen Schaden zu erleiden. Die Forderungen, die Rollenhagen an den Fürsten stellt, um die Schadensfreiheit der ihm Anvertrauten zu garantieren, gehören in den Zusammenhang der internationalen Konflikte und werden später erörtert.

 

2.2.2.     Ursachen des innerstaatlichen Konflikts und Möglichkeiten seiner Vermeidung

 

Wie bereits festgehalten wurde, führt Rollenhagen den innerstaatlichen Konflikt, sei es ein Aufstand oder ein Bürgerkrieg,[157] allein auf Unvernunft, Konzeptionslosigkeit des Zusammenlebens und auf Meinungsverschiedenheiten, welche die Demokratie mit sich bringt und die er als schädigend betrachtet, zurück. Ebenso wurde festgestellt, dass er soziale oder religiös-konfessionelle Gründe für einen Aufstand nicht zählen lässt. Bernleithner hat herausgearbeitet, wie sehr sich Rollenhagen für die Glaubensfreiheit eingesetzt hat, besonders aber für die Protestanten. Ist diese nicht gegeben, ist es zwar bedauerlich, doch der innere Friede genießt Priorität.[158] Wie ist ein Aufstand nun zu vermeiden? Im folgenden sollen Ratschläge Rollenhagens erörtert werden, wie ein innerstaatlicher Konflikt am besten verhindert werden kann.

 


2.2.1.     Moraldidaxe und ihre Darstellungsebenen im Froschmeuseler
2.2.1.1. Tugendlehre

 

Der erste Schritt zu einem innerstaatlichen Frieden ist die Einhaltung der gegebenen Ordnung. Sie umfasst zwei Aspekte, den politischen und den theologischen, die bei Rollenhagen miteinander verwoben sind.[159] Erst der Glaube an Gott und die Einhaltung seiner Gebote garantieren längerfristig ein friedliches Leben:[160]

 

"Zur bessrung wer noch alzeit Rath /

So fern man blieb in Gottes gnad.

Gotts gnad solt man zu keiner Zeit /

Verschlagen mit vndanckbarkeit."

 

Es ist der Aspekt der Ordnungswahrung und der daraus resultierenden Lehrhaftigkeit, der dem Froschmeuseler sowohl Freunde als auch scharfe Kritiker beschert hat.[161] Das ganze Werk hindurch werden Anweisungen des Lasterkatalogs und der Tugendlehre wiederholt und ihre Bedeutung hervorgehoben. Der Leser soll wissen, welche Handlungen ihn und den Staat gefährden und welche Verhaltensweisen die gegebene Ordnung stützen. Die theozentrische Ausrichtung der Gedankenwelt Rollenhagens tut ein Übriges, die Bedeutung der Tugendlehre zu untermauern.

Die Tugendlehre wird permanent mit der Ordo-Lehre verknüpft.[162] Tugend ist die Bescheidung mit der gottgegebenen, eigenen Stellung in der Welt.[163] Nur derjenige, der sich in seinen Stand schickt, lebt gott- und staatsgefällig:[164]

 

"Sondern bin damit wol begnüget /

Was mir der liebe Gott zufüget.

Gnüge / ist besser denn zuuiel /

Wenn mans nur recht bedencken wil."

 

Diese Aussage durchzieht das ganze Werk. Es ist eigentümlich für Rollenhagen, dass er das moralisch gute Leben eines Menschen fast durchgängig auf diese Formel reduziert. Es werden allenfalls stereotype Charaktere vorgeführt, die eine bestimmte Tugend verkörpern. Friedliebs Name spricht für sich, Marx propagiert die Gottesliebe, Warnfried, die Feldmaus, erkennt die Schlechtigkeit des städtischen Lebens und lebt ländliche Bescheidenheit vor, um nur einige Beispiele zu nennen. Letzterer ist auch der einzige Charakter des Werks, der dauerhaft im Frieden zu leben vermag.

Lediglich während der Beratung der Vögel, ob sie einen König wählen sollen, wird an exponierter, zentraler Stelle des Froschmeuselers ein höchst anspruchsvoller Tugendkatalog aufgestellt: es werden Gottvertrauen[165], Elternliebe[166], eheliche Treue[167], Wahrheitsliebe[168], Strebsamkeit und Sparsamkeit[169], Standesbewusstsein[170] und Aufmerksamkeit[171] gefordert.

Rollenhagen folgt damit nicht nur dem Dekalog, sondern vertritt auch betont bürgerlich-protestantische Werte. Er weist aber auf die Anfeindungen hin, die ein tugendhaftes Leben mit sich bringen:[172]

 

"Tugend vnd wolverdienst ist gefehrlich / aber vnverzagt."

 

2.2.2.1.2.         Lasterkatalog

 

Der Lasterkatalog im Froschmeuseler hat die Aufgabe, die Vorzüge der Tugenden ex negativo zu verdeutlichen. Die Laster werden zahlreich und in ihrer ganzen Bandbreite aufgeführt, und die überwiegende Zahl der Charaktere verkörpert Laster und Sündhaftigkeit. Hervorstechend sind Reineke Fuchs, Kater Murner, das "Manthier", der Mensch, die Schildkröte Beißkopf und der Storch Leisetritt. Verwerflichere Charaktere kann es kaum geben. Welche Laster werden genannt?

Rollenhagen beklagt, gleichmäßig über das ganze Werk verteilt, Luxus[173], Unzufriedenheit und Genusssucht[174], Ehebruch[175] und Hurerei[176], Falschheit[177], Hoffart[178], Geiz und Gier[179], Trunksucht[180], Müßiggang[181], Rachsucht als besondere Form des Neides[182], Mord und Totschlag - von denen das ganze dritte Buch geprägt wird - und Superbia.[183] Gleich zu Beginn verfällt ihr der Mäuseprinz Bröseldieb:[184]

 

"DAran ist auch gar nichts gelogen /

Das ansehen hat euch nicht betrogen /

Das ich von Gott auch müste haben /

Besonder stathlich Helden gaben."

 

Auch im Folgenden prahlt Bröseldieb und findet kein Ende, sich und seine Familie zu erhöhen.

Einen ausführlichen Lasterkatalog bildet die Circe-Episode. Die in Tiere verwandelten Seeleute des Odysseus beklagen nahezu alle Verfehlungen, die ein Mensch begehen kann: Totschlag[185], Trunksucht und Völlerei[186], Lüge[187], Wollust[188] und Zorn.[189] Besonders verwerflich ist die Prahlerei mit der Sünde im Rausch:[190]

 

"Sprachet von ewer Sünd vnd schand /

Garstig / vnfletig / vnuerschampt /

Von Huren hendeln / fressen / sauffen /

Von speyen / scheissen / Schlagen / rauffen /

Liest Knabn vnd Jungfrawen zu hören /

Fingt an zu jauchtzen / raren / lören /

Zu ruffen wie vnsinnig Leut."

 

Somit wird der Leser durch den Froschmeuseler an die sieben Hauptsünden erinnert.[191] Als Mittel gegen sie werden Gottvertrauen und starker Glaube gepredigt, worin der Froschmeuseler anderen Tugendlehren, wie z.B. dem Narrenschiff des Sebastian Brant,[192] entspricht.[193] Als die Vögel im Froschmeuseler ihren König wählen, treffen wir wieder auf die Reduktion der Morallehre auf Gottvertrauen und Glauben:[194]

 

"Wer ist / der nicht weit besser wer?

Denn viel der schönsten Vogel sein?

Wie ist ewr Glaub so schwach vnd klein?

Der HERR Christus hertzlich gern wolt /

Das jhr die Wort bedencken solt /

Vnd euch deß trösten all gemein /

Darümb singt euch die Lerch so fein.

Darümb wir Lerchen die Bawren lehrn /

Vnd singen zu Lob vnd Ehren.

ZV dem wir vns in Tugenden vben /

Wie vns selbst / vnsern Nechsten lieben."

 

Wenn schon die Vögel an Gott zweifeln, wie viel schlimmer ist dann das mangelnde Gottvertrauen der so viel höheren Menschen? Der Spiegel, den Rollenhagen seinen Mitmenschen vorhält, zeigt eine für ihn bittere Realität. Halten sich die Menschen nicht einmal an die göttlichen Gebote, warum sollten sie dann den weltlichen gehorchen? Die Verknüpfung von christlicher Morallehre und staatsbürgerlicher Verhaltenslehre und ihre zumindest teilweise gegenseitige Bedingung verweist auf den nächsten Aspekt: die Unterordnung des Einzelnen im Gemeinwesen.

 


2.2.2. Regimentslehre im Froschmeuseler
2.2.2.1. Absolutistischer Fürstenstaat

 

Der zweite, nicht minder wichtige Schritt für die Erlangung und Wahrung des innerstaatlichen Friedens ist das Akzeptieren der weltlichen Hierarchie. Der König ist die höchste Autorität auf Erden[195] und weiß allein, was gut für seine Untertanen ist.[196] Dennoch sieht Rollenhagen die Gefahr der Tyrannei, weshalb auch der König überwacht werden muss:[197]

 

"DAs auch der König nimmer frey /

Gebraucht seines Willens Tyranney /

Die Recht sprechen / vnd jhr Geschlecht /

Veracht vntertrückt wider Recht /

So bleibt die alte ordnung gleich /

Das sieben Fürsten sein im Reich /

Die neben andern haben macht /

Den König zu thun in die acht /

Vnd einen andern zuerwehlen /

Der thue / was jhm die Recht befehlen."

 

Rollenhagen argumentiert mit der Natur - sogar die Bienen haben ihren König (sic!)[198] - und mit dem Himmelreich, dem der König der Könige vorsteht.[199] Das Königtum wird damit zum Willen Gottes erklärt:[200]

 

"[...]

Das wir einen frommen König wehlten.

Das wie Gott im Himmel allein /

Vber alles ein HERR muss sein.

Vnd wie der neunte Himmels kreiß /

Die Sternen führt nach Gottes geheiß.

Wie die Sonne zwingt die Planeten /

Das sie jhr zum Dienst einher tretten.

Wie der Mon die vier Element /

Allein bewegt / als ein Regent.

Wie im Heupt vnser weise Seel /

All Glieder führt in jhrm befehl.

Wie all witzige Creatur /

Einem König gehorchet nur.

Wie vnter allen Policeyen /

Königreich am besten gedeyen.

Ein König vns vnd vnser Leut /

Regier im Fried vnd einigkeit."

 

Bemerkenswert ist das frühabsolutistische Herrschaftsverständnis Rollenhagens. Allein der König kann die notwendige Einheit herstellen, er ist ein Sonnenkönig und Gott näher als alle anderen Staatsbürger. Entpuppt sich der König aber als Tyrann, ist das hinzunehmen, denn Gott wird ihn einst richten:[201]

 

"Man gedenck / Gott hab auch sein Vrsach /

Warümb er nicht baldt Enderung mach /

Offt Raum laß der Herren Muthwillen /

Biß er wil stürtzen oder stillen /

Denn Gott setzt König ein vnd abe /

Es ist Gottes Straff / oder Gabe."

 

Mit dieser zentralen Aussage kann Rollenhagen Tyrannei gleichzeitig rechtfertigen, verurteilen und die Bürger vertrösten, indem er auf Gottes Gerechtigkeit verweist. Auch die Tyrannei, so Rollenhagen, ist in Gottes Plan vorgesehen. Er kann sich auf die Bibel stützen, wenn er darauf hinweist, dass auch fromme Könige der Gefahr der Verführung durch Heuchelei nicht gewachsen sein müssen.[202] Dennoch wendet er sich entschieden gegen einen hemmungslosen Machterhalt, wie ihn Machiavelli verkündet,[203] denn auch in einem absolutistischen Staat muss Gerechtigkeit herrschen. Richterliche Willkür etwa lehnt er ab.[204]

Er steht mit seiner Position in der lutherischen Tradition der Obrigkeitslehre. Wolfgang Sommer fasst diese als "Gottesfurcht" zusammen, in der "[...] die Würde und Achtung des obrigkeitlichen Amtes als einer gottgewollten Ordnung ebenso begründet [ist] wie die nicht unerhebliche Kritik, die die Prediger gegenüber den Regenten in ihrem persönlichen Leben und der Ausübung ihres Amtes wahrnehmen."[205]

Trotz der Gefahren, die eine Alleinherrschaft mit sich bringt, sieht Rollenhagen in ihr die einzige Möglichkeit, um Kriege zwischen den Fürsten zu vermeiden. Sein Einsatz für den absolutistischen Fürstenstaat, dessen Oberhaupt von guten Beratern flankiert wird, um eine Tyrannei zu verhindern, deutet darauf hin, dass es in seinem Umfeld um die fürstliche Autorität nicht gut stand. In der Tat lässt sich aus Rollenhagens Bemühen der Wunsch erkennen, das geschwächte Heilige Römische Reich, das, territorial zersplittert, eigentlich nur noch dem Namen nach bestand, wieder in sich zu festigen. Es ist bezeichnend, dass er nur einen absolutistischen, mit nahezu allen Kompetenzen ausgestatteten König befähigt sieht, die Uneinigkeit der Territorialfürsten aufzuheben. Rollenhagen ist für eine "[...] Monopolisierung von Rechtsetzung und Machtausübung [...]".[206] Michael Stolleis weist darauf hin, dass diese Monopolisierung durch die Ausschaltung von konkurrierenden Mächten den Staat zu dieser Zeit erst herstellt.[207] An dieser Stelle wird die damalige Aktualität des Froschmeuselers sichtbar. Das Aufgreifen aktueller Themen mag mit ein Grund für die lange Entstehungszeit dieses Werks gewesen sein.[208] Die Befürwortung einer unangefochtenen Machtfülle des Herrschers offenbart sich im zweiten Buch, als der Frosch Wolgemut von einer mehrköpfigen Regierung, ob demokratisch oder aristokratisch, abrät. Seine Haltung, die das Dilemma des Heiligen Römischen Reichs wiedergibt, setzt sich in der Verfassungsdiskussion schließlich durch:[209]

 

"EBen also pflegts auch zu gahn /

Wo mit regieret alle Mann /

Vnd gleich viel gilt eins jeden Rath /

Jm Reich / das sehr viel Fürsten hat.

Da kochen viel Köch selten gut /

[...]."

 

Allein die Unterordnung unter einen Herrn kann ein Reich zusammenhalten und innerstaatliche Kämpfe vermeiden. Der Herrscher wird überhöht, indem seine Position mit der Gottes verglichen wird: denn auch der Himmel hat seinen König.[210]

 

2.2.2.2. Der Konflikt Bürgertum - Obrigkeit

 

Von nicht geringer Bedeutung ist der Konflikt, der aus der städtischen Position bzw. dem Ansehen des Bürgers und dem absolutistischen Anspruch des Herrschers entspringt. Rollenhagen verlangt vom Mittelstand, wie Brunken nachgewiesen hat, eine "gesellschaftliche Selbstbescheidung".[211] Rollenhagen vermittelt seinen Lesern eine Ständelehre, die nahezu alle Errungenschaften des Stadt- und Bildungsbürgertums aufgegeben hat und ganz auf die absolutistische Stellung des Fürsten ausgerichtet ist. Er geht sogar soweit, die Ständegesellschaft als Zeichen von Freiheit anzupreisen:[212]

 

"Denn wo kein stand behelt sein Ehr /

Bleibt in dem Reich kein Freyheit mehr."

 

Die Ansicht des Frosches Graukopf, dass die "Mittelstraß",[213] hier also die Aristokratie, die sicherste Regierung sei, wird verworfen, und das, obwohl sie aus den Besten des Mittelstands (!) zusammengesetzt werden soll. Da Rollenhagen, als gebildeter Mann, der Forderung des Erasmus, nur Weise sollten Könige sein,[214] sicher nicht widersprechen würde, ist daraus zu schließen, dass der Selbstverzicht zugunsten des Staats von ihm ebenfalls als äußerst weise gewertet wird.

Der Friede, der nach Rollenhagen nur mittels des absolutistischen Fürstenstaats und der Selbstbeschränkung des Bürgertums erreicht und gesichert werden kann, geht für das Stadtbürgertum auf Kosten von Freiheit und Gerechtigkeit:[215]

 

"Der Fuß muss treten Dreck vnd Stein /

Die Händ arbeiten gar allein.

Augen vnd Ohren sitzen still /

Wenn der Leib sein Recht haben will."

 

Spannungen, die aufgrund des sozialen Wandels im 16. Jahrhundert und davor zwischen den Städten und dem Adel entstanden sind, werden von Rollenhagen unterdrückt. Mehr noch - als Stadtbürger prangert er in der Feldmaus-Episode das gottlose und sündhafte Leben der Städter an:[216]

 

"WO ward auch Stad vnd Fest im land /

Nicht ehemals bekrigt vnd verbrant /

der Wirt beraubt / ermordt /gefangen /

Wie ists Fürsten vnd Herren gangen.

So hernach viel klagen getriben /

Das sie nicht frey im felt geblieben.

Was hilfft wechter / Rath / beystand macht /

Wenn Gott nicht selber schützt vnd wacht."

 

Mit der Klage um die gottlosen Zustände in den Städten und des Bedarfs der Besserung legitimiert Rollenhagen die von ihm später geforderte, gleichsam staatsstreichartige Aufhebung der erreichten städtischen Privilegien durch den Adel. Die göttliche Legitimierung des Herrschers erleichtert diese Beschränkung. Nur ein kleiner Rest bildungsbürgerlicher Selbstbehauptung kann bei Rollenhagen bestehen, nämlich die Bildung selbst und der Gebrauch des Verstands:[217]

 

"Der ist aber der beste Mann /

Der selbst alles beschawen kan /

Am hellen tag mit guten Augen /

Darff keinem frembden zeugniß trawen."

 

Das lässt sein Konzept erkennen: Über den Beraterstatus ist es dem Gebildeten möglich, den Fürsten vorsichtig an seine eigenen Ideale und die des Staats heranzuführen.

Wir sehen, wie sehr es Rollenhagen am Frieden gelegen ist, wenn er sogar als Stadtbürger seine eigenen Kompetenzen einschränken möchte. Der teilweise latent schwelende, teilweise offen ausgebrochene Konflikt zwischen dem auf Kosten des Kaisers erstarkenden Regionaladel und den freien Reichsstädten wird von Rollenhagen als ständige Bedrohung des ohnehin schwachen Friedens gesehen. Der Froschmeuseler ist eine Kompromisslehre auf Kosten errungener Rechte. Sie müssen aufgegeben werden, um dafür Frieden zu erhalten. Rollenhagen appelliert an die Vernunft und den Selbsterhaltungstrieb seiner Leser. Ein Trost für die verlorengegangenen Rechte bleibt: Mit einem Fürsten kann man sich arrangieren - mit Chaos und Tod nicht.

 

2.2.3. Glaubensfreiheit

 

Rollenhagen folgt der lutherischen Lehre von der Freiheit eines Christenmenschen insofern, als er den in einen geistlichen und leiblichen Teil getrennten Menschen wieder zu vereinigen sucht. An einer gänzlichen Privatisierung des Glaubens ist ihm nicht gelegen, da das Gemeinwesen auch christlich sein soll. Einen rein auf die äußeren Bedürfnisse fixierten Staat kann er wiederum nicht vertreten, da dieser die Belange des Glaubens nicht berücksichtigt und höchst unchristlich sein könnte. Die Synthese des nach Luther geteilten Menschen gelingt ihm nicht vollständig, und es ist zu bezweifeln, dass sie jemals gelingen könnte.[218] Er begnügt sich deshalb mit der ständigen Wiederholung der Ordo- und Tugendlehre. Der Mensch soll beiden, Gott und dem Fürsten, ein guter Untertan sein. Unten werden wir den daraus entstehenden Konflikt anhand der Figur Friedliebs sehen. Wie soll das Problem aber in einem Staat gelöst werden, in dem die Menschen verschiedenen Konfessionen angehören? Wie können blutig ausgetragene Konflikte nachhaltig verhindert werden? Wir sehen, wie religiöse Lehrsätze im politischen Leben an ihre Grenzen stoßen. Allein mit der Tugend- und Ordolehre ist ein Staat auf Dauer nicht zu befrieden, denn religiöse und politische Grundsätze prallen aufeinander. Betrachten wir also einen darüber hinausgehenden Versuch Rollenhagens, Religion und Politik miteinander zu versöhnen.

Zum ersten wird die religiöse Einheit beschworen, um das Staatswesen in sich zu festigen:[219]

 

"Es ist aber der Freundschafft Kron /

Einigkeit in der Religion.

Der Glaub schmeltzt zusammen die Hertzen /

Es sey im Ernst / oder im schertzen."

 

Rollenhagen war Realist genug, um zu wissen, dass dieser Appell wenig nützt. Zum zweiten gäbe es die Möglichkeit der Trennung von Kirche und Staat. Richter meint sie im Froschmeuseler zu erkennen.[220] Diese Ansicht ist in Anbetracht der oben gewonnenen Erkenntnisse zur Verflechtung von Staatsverfassung und Glaube aber schwer nachvollziehbar. Außerdem wendet er sich, als Pfarrer nicht uneigennützig, gegen eine Säkularisierung geistlichen Besitzstandes. In den kirchlichen Institutionen sieht er eine ordnungsfestigende Funktion, ihre Aufhebung aber erkennt er als gefährlich:[221]

 

"Wer Geistlich güter macht gemein /

Wird ehe er meint / ein Bettler sein."

 

Wir müssen deshalb die zentralen Aussagen Rollenhagens prüfen, die das Verhältnis von Staat und Kirche betreffen. Zuerst ist nochmals daran zu erinnern, dass Rollenhagen durchaus der protestantischen Konfession verhaftet ist. Plädiert er für Glaubensfreiheit, scheint er hauptsächlich an die katholische Kirche zu denken, welche die Protestanten nicht nach ihrem Willen handeln lassen möchte.[222] In diesem Kontext ist der Aufruf zur religiösen Toleranz[223] im Froschmeuseler zu sehen:[224]

 

"Ja weil niemand die Hertzen kan /

Mit gwalt zum Glauben richten an /

Sie müssen sich freywillig geben /

Zu heiliger Lehr / Glauben vnd Leben.

So wollen wir auch niemand zwingen /

Von deß Beißkopffs glauben abdringen /

Er bleib wie er zuvor ist gewont /

Nur das er die Obrigkeit schont."

 

Rollenhagen erklärt somit die Wahl zwischen den Konfessionen zur Privatangelegenheit, verlangt aber absolute Loyalität dem Staat und seinem Fürsten gegenüber, denn er sieht die Gefahr, dass mit der uneinheitlichen Konfession auch die Loyalität gespalten sein könnte.[225] Die Haltung, die Konfessionswahl zu privatisieren, ist vermutlich auf die einsetzende Gegenreformation zurückzuführen. Nach dem Ende der heftigsten Konfessionskriege gewinnt die katholische Kirche mit Hilfe der Jesuiten verlorengegangene Länder und Städte zurück.[226] Außerdem hat der Konfessionsstreit die Reichsinstitutionen arbeitsunfähig gemacht. Michael Stolleis weist darauf hin, dass sich gerade "[...] in den Jahren 1583 bis 1613 [...] der Zündstoff in bedrohlichem Maße [...]" angehäuft hat.[227] Rollenhagen hat erkannt, dass nur gegenseitige religiöse Toleranz ein neues Blutbad verhindern kann. Aber er lässt keinen Zweifel darüber bestehen, dass die evangelische Konfession die bessere sei und bezieht alles in allem eindeutig Stellung für sie:[228]

 

"Wer von Gott ist der hör sein Wort /

Wer nicht / der fahr zum Teuffel fort."

 

Die Willensentscheidung möchte Rollenhagen den Christen aber nicht abnehmen. Der Froschmeuseler verdeutlicht, dass Rollenhagen innerstaatliche Wirren, auch wegen Glaubensfragen, unbedingt vermieden sehen möchte und ihnen nichts Positives abgewinnen kann. Der Friede geht ihm über alles.

Diese Auffassung deckt sich mit der knappen Darstellung zur Entwicklung des modernen Staats von Stolleis. Er weist darauf hin, dass "[...] eine moderne Trennung von Kirche und Staat nirgends ins Auge gefasst wurde. Nicht Entchristlichung des öffentlichen Lebens, sondern Vermeidung von gewaltsamer Durchsetzung der religiösen Streitfragen war das Ziel."[229]

Rollenhagen hat erkannt, dass mit einem Toleranzedikt Loyalität zu gewinnen ist. Er fordert dasselbe jedoch auch von der katholischen Seite. Der Herrscher verlangt lediglich ein "allgemeinchristliches" Verhalten seiner Untertanen. Rollenhagen betreibt eine Privatisierung des Glaubens, aber nicht eine Säkularisation des Staatswesens. Lieber gesteht er jedem seinen Glauben zu und gibt Errungenschaften der Reformation preis, als einen Krieg zu riskieren. An dieser Haltung können wir sehen, wie sehr Rollenhagen einen Glaubenskrieg fürchtet und für möglich hält. Die weitere geschichtliche Entwicklung hat ihm leider recht gegeben.

Ist ihm nun die Synthese des äußeren und inneren Menschen gelungen? Kann er Glaube und Politik sinnvoll miteinander vereinen? Die Antwort lautet eindeutig ja. Rollenhagen hat bei diesem gewichtigen und brisanten Problem Weitsicht und Einsicht gezeigt. Er gesteht jedem Menschen seine religiöse Privatsphäe zu, wenn dieser sich der religiös durchdrungenen, eventuell aber heterokonfessionellen Obrigkeit gegenüber loyal verhält. Ob sich Rollenhagen aber in dieser Frage streng lutherisch entscheidet, ist ein weitreichendes Problem, das hier nicht erörtert werden kann.

 

2.3. Rollenhagen und die Freistellungsbewegung

 

Die eben behandelten Vorschläge Rollenhagens zur Vermeidung eines innerstaatlichen Kriegs stehen in einem historischen Zusammenhang, der in der Forschung bislang nicht gesehen wurde. Die Stärkung der Königlichen Macht bei gleichzeitigem Ausbau eines Reichskammergerichts und die Gewährung der Glaubensfreiheit sind die Hauptforderungen der "Freistellungsbewegung",[230] als deren Anhänger sich Rollenhagen, so die These, hier offenbart. Eine Detailuntersuchung würde zwar den gegebenen Rahmen dieser Arbeit überschreiten, aber die gedanklichen Übereinstimmungen sind evident und deshalb erwähnenswert.

Die "Freistellungsbewegung" zur Reichsreform, deren Gedankengut den Reichstag zu Speyer 1570 dominierte und deren Fürsprecher Lazarus von Schwendi war,[231] scheiterte allerdings endgültig auf dem Regensburger Reichstag von 1576.[232] In seiner Denkschrift über den Zustand des Reiches von 1574 an Kaiser Maximilian II. äußert sich Schwendi überaus besorgt über die innenpolitische Lage.[233] Er hat erkannt, dass der äußere Friede mit dem innerstaatlichen zusammenhängt.[234] Deshalb wendet er sich heftig gegen die Politik der Stände,[235] die das Reich zu spalten drohen. Er fordert eine Stärkung der Zentralgewalt (an dieser Forderung scheiterte Maximilian letztendlich), ein Reichskammergericht[236] und, was sein Hauptanliegen darstellt, die Glaubensfreiheit.[237] Weiter warnt er vor einer S"kularisation geistlichen Besitzes.[238] Im Religionszwist sieht er die Gefahr für den Unfrieden überhaupt und beschwört den Kaiser, Toleranz zu üben:[239]

 

"Darzu kann aber E. Mt. je über die angezeigte kein ander und besser Mittel haben dann jetzt gemelte Toleranz beider Religionen, sovil immer müglich und sich leiden will, zu befriden und fortzusetzen [...]."

 

Wir erkennen hier eine Empfehlung Rollenhagens wieder, nämlich religiöse Toleranz zu üben, solange die Loyalität dem Fürsten gegenüber gewahrt bleibt.[240] Es ist in der Tat ein neuer Gedanke, nicht nur dem Landesherrn, sondern auch dem Untertanen Glaubensfreiheit zugestehen zu wollen.[241] Toleranz, so Schwendi, schafft Vertrauen, Vertrauen aber garantiert Frieden.[242] Schwendi sieht in den Interessen fremder Mächte und dem schwelenden Konfessionskonflikt eine große Gefahr für den Frieden. Deshalb fordert er - wie auch Rollenhagen - zur Festigung des Staats eine Erneuerung moralischer Werte wie "[...] Andacht und Biderkeit, dann auch Eyfer, einmütigkeit und gehorsam [...]".[243]

Wie schon im Abschnitt über Heinrich von Rantzau sehen wir die Politisierung des Froschmeuselers. Das Werk erhält somit eine ihm bislang nicht oder nur wenig zugebilligte Dimension. Historische Ereignisse und geistesgeschichtliche Strömungen sind in weit höherem Maße darin eingeflossen als allgemein angenommen.

 

 

3. Internationale Konflikte

 

Handlungsimmanent wird der internationale Konflikt bereits sehr früh eingeführt. Doch zuerst führt Rollenhagen den Leser in ein Idyll, in dem die Frösche ihren Vergnügungen nachgehen. Erst im Nachhinein erkennt der Leser, dass es sich bei dieser Szenerie um den einzigen geschilderten Zustand des internationalen Friedens handelt.

Angesichts des Idylls, das am Froschteich beschrieben wird, und des gepflegten Umgangstons der handelnden Tiere, wirkt die prahlerische Legitimationsrede des Mäuseprinzen Bröseldieb wie ein Fremdkörper. Hemmungslos rühmt er sich seiner kriegerischen und verschlagenen Qualitäten, die, entsprechend der Adelskritik der Angehörigen der respublica doctorum,[244] den Mäuseprinzen für den Froschkönig erst als Gesprächspartner interessant und akzeptabel machen. Dem Leser wird an dieser Stelle der internationale Charakter der ständigen kriegerischen Auseinandersetzung der Mäuse mit anderen Tieren (und auch dem Manthier, dem Menschen) noch nicht bewusst. Schließlich ist es ganz normal, dass eine Maus für den Menschen als Schädling gilt.[245] Auffallend ist, dass es sich hier, entgegen dem Froschmäusekrieg, um einen unerklärten Krieg handelt, der eigentlich nicht Usus war, worauf Peil hinweist.[246] Die Taktik, nach der die Mäuse zur Selbstbestätigung und zum Broterwerb vorgehen, erinnert auch eher an Partisanenkämpfe. Der Mäuseprinz macht die Frösche sofort mit dem kriegerischen Denken seines Volks vertraut.

Der Aspekt des - im wörtlichen Sinn - täglichen Existenzkampfs der Mäuse wird im zweiten Teil des ersten Buchs ausgeführt. Bröseldieb berichtet mit Schaudern von den Mordmitteln und Kriegslisten, die seine Feinde anwenden. Artgerecht sind dies tückische Mäusefallen, deren Vielfalt und Präzision erstaunlich ist,[247] und die Listen des Katers Murner, der die 'unschuldigen' Mäuse ins Verderben stürzt.[248] Ob Rollenhagen mit der Auflistung der Mordmittel auch die Waffenerfindung und Rüstungsproduktion seiner Zeit kritisieren wollte, ist eher fraglich, denn das Bild wäre nicht stimmig. Zwar werden die Mäuse und Frösche anthropomorphisiert, aber die Menschen nicht 'theriomorphisiert'. Sie kommunizieren nicht miteinander und stehen nicht auf einer Ebene. Das Bild wäre erst stimmig, würden die Mäuse mit anderen Waffen als ihren Zähnen gegen die Menschen vorgehen, was freilich das Epos in den Bereich des Phantastischen rücken würde.

Im zweiten Buch, das von der Verfassungsdiskussion der Frösche handelt, wird der internationale Konflikt nicht behandelt. Allenfalls aus den geforderten Qualitäten des zu bestimmenden Staatsoberhaupts ließen sich Schlüsse über ein Verhalten im Kriegsfall ziehen, "[...] denn hier legt Rollenhagen seine Ansichten über die religiöse Erneuerung wie über die beste Staatsform dar."[249] Und beide schließen den Krieg eo ipso aus.

Das dritte Buch wird vom internationalen Konflikt dominiert. Hier erfährt der Leser die Positionen der Friedensdiskussion, Strategielehren, aber auch die Unberechenbarkeit und Grausamkeit des Kriegs. Was nicht behandelt wird, ist die Zeit nach dem Krieg: Wie gehen die ehemaligen Feinde miteinander um, bleiben Aversionen und Aggressionen bestehen?

 

3.1. Ursachen des internationalen Konflikts und Möglichkeiten seiner Vermeidung

 

Die Ursache des zwischenstaatlichen Konflikts baut auf der des innerstaatlichen auf. Die Tugenden sind durchaus vom Individuum, dem Mikrokosmos, auf das Gemeinwesen, den Makrokosmos, übertragbar, allerdings sind es vornehmlich die staatlichen Institutionen und Repräsentanten, die Laster zu vermeiden und Tugenden einzuhalten haben.

Da sich Rollenhagen für einen absolutistischen Staat mit ausgeprägtem Beraterstab des Fürsten einsetzt, konzentrieren sich die ein Gemeinwesen betreffenden Tugenden in seiner Spitze, dem Fürsten. Er ist es, der in der Innen- und Außenpolitik auf die Einhaltung von Regeln zu achten hat, um das Wohlergehen seines Volks zu garantieren.

Demnach haben Fürstenspiegel eine besondere Bedeutung in den internationalen Beziehungen - zumindest aus der Sicht der humanistischen Staatsphilosophen. Rollenhagen hat die Stellung des Fürsten, seine Macht und den Machtmissbrauch genau reflektiert. In mehreren Episoden wird die Gefahr, dass Aristokratie in Tyrannei umschlagen kann, beleuchtet: die Schildkröte und der Storch als Tyrannen der Frösche, der gelehrte Hase und der König Löwe und letztendlich der Frosch- und der Mäusekönig selbst. In der Episode des gelehrten Hasen wird jedoch darauf hingewiesen, dass jeder, auch der Fürst, einer ihm übergeordneten Instanz untersteht, die über ihn richtet. Die Gewissheit einer gerechten, göttlichen Instanz genügt ihm, über tyrannische Taten eines Fürsten hinwegzusehen:[250]

 

"DRumb war kein reich noch macht auff Erden /

Es wird auch kein gefunden werden /

Da nicht ein starcker vber wer /

Sein Obermann hat jeder Herr /

Der jhm drawet dieselbe Ruth /

Da er dem andern leid mit thut."

 

Bruno Singer hat die Fürstenspiegel einer umfangreichen Untersuchung unterzogen.[251] Er hat den Fürstenspiegelbegriff stark eingegrenzt als Werke, in denen "Grundsätze, Normen und Regeln für das Verhalten eines Fürsten gegeben, besprochen und mit geschichtlichen Beispielen belegt werden."[252] Nach dieser zu eng geführten Definition ist der Froschmeuseler kein Fürstenspiegel. Allenfalls enthält er Passagen, die einem Fürstenspiegel entstammen könnten. Hinzu kommt, dass Brunken die Jugend des Mittelstands als Empfängerkreis ausgemacht hat.[253] Gerd Brinkhus weist allerdings im Rahmen einer Fürstenspiegel-Untersuchung darauf hin, dass gerade in Deutschland die Fürstenspiegel "[...] in der Regel in ihrer Wirkung nicht auf die eigentliche Zielgruppe, die Fürsten, beschränkt bleiben, sondern wegen ihres allgemeinen moralischen Lehrgehalts eine weitere Verbreitung auch bei nichtadeligen Personen finden."[254] Diese Feststellung rückt den Froschmeuseler wiederum in unmittelbare Nähe der Gattung "Fürstenspiegel". Rollenhagen idealisiert den Fürsten bzw. zeigt am Beispiel des unbarmherzigen und tyrannischen Fürsten, was der bürgerliche Gelehrte als unrichtig empfindet. Entsprechend hat der Untertan dem guten Beispiel zu folgen oder aber, als guter Christ, den Gefahren der Tyrannei in unerschütterlichem Glauben an göttliche Gerechtigkeit ins Auge zu sehen.

 

3.2. Kriegsbeschreibung als Mittel der Abschreckung

 

Der internationale Konflikt wird im dritten Buch am breitesten behandelt. Der Erzähler schaltet sich direkt ein und lenkt das Geschehen.[255] Dabei begnügt er sich nicht mehr damit, die Rüstung der Frösche und Mäuse ins Lächerliche zu ziehen. Im Gegenteil -  die Kriegsbeschreibung, die er äußerst plastisch schildert, erlaubt dem Leser die Grausamkeiten und Härten des Kriegs nachzuvollziehen. Dem kriegsunerfahrenen Leser schenkt er mit dieser anschaulichen Kriegschilderung die notwendigen Erfahrungen:[256]

 

"[...]

Wie es in Kriegen pflegt zu gehen /

Das vnglück hintr glück zu stehen.

Gewinn vnd verlust / Frewd / vnd trawren /

Sind sehr nach verwandte Nachbawren /

Regieren einer vmb den andern /

Wers nicht leiden kan / der mag wandern."

 

Der Autor nimmt dem Krieg jedes Pathos, jede Ethik und 'Honigsüße'. Die von Haas vertretene Position, mit dem Geschehen werde der Krieg ins Lächerliche gezogen, wird der Sache aufgrund der Anschaulichkeit nicht gerecht.[257]

Fünf zentrale Stellen beschreiben Verletzungen der Krieger, die zumeist tödlich sind:[258] Extremitäten liegen herum, Augen sind ausgeschossen, Köpfe und Rücken gespalten, Leiber durchtrennt und aufgeschnitten, Därme und Organe quellen hervor. Die Verletzten und Sterbenden winden sich in ihrem Blut und in ihren heraus gequollenen Organen. Viele der Verletzten und Toten werden am Ende des Kriegs nicht geborgen, sondern ihrem Schicksal überlassen:[259]

 

"DJe aber todt waren vnd wund /

Vnd man in eyl nicht tragen kunt /

Die blieben auff der Wahlstatt all /

Der Frösch und Meuß ein grosse Zahl.

Doch wurden viel begraben auch /

Durch den Hals in ein warmen Bauch."

 

Rollenhagen heroisiert den Krieg nicht; seine genaue Beschreibung der Kriegsverletzungen entlarvt den Krieg als reine Barbarei. Diejenigen, die zuvor lauthals den Krieg gefordert haben, werden von den schrecklichen Ereignissen in tiefste Verzweiflung gestürzt:[260]

 

"Wie manche wünscht von hertzen grund /

Das sie daheim frisch vnd gesund /

Widrumb sitzen m"cht in jhr nest /

Sie wolt sagn / ich bin da gewest.

Jn Krieg / da kom ich nimmermehr /

Vnd zürnt der König noch so sehr.

Viel rieffen / ach mein Mütterlein /

Wüstestu deines Sohnes pein /

Du würdest blutig threnen weinen /

O wer geblieben wer daheimen."

 

Die Krieger werden nicht heroisiert, aber eine Verfluchung der Soldaten, wie wir sie bei Erasmus finden,[261] gibt es im Froschmeuseler nicht. Sie gehen alle lediglich ihrer Aufgabe nach, die ihnen ihr König gegeben hat, und haben sie so gut wie möglich zu erfüllen. Einer persönlichen Entscheidung über Recht oder Unrecht ihrer Tat sind die Untertanen durch die Wahrung ihres Treueverhältnisses gegenüber dem König enthoben. Ihre Taten kann Rollenhagen zwar nicht gutheißen, aber eine Verweigerung widerspräche dem Gebot der Pflichterfüllung innerhalb der gottgewollten Ordnung. Nur einer wird über seine Pflichterfüllung hinaus explizit gelobt: der Mäuseoffizier Friedlieb. Der Vorbildcharakter seiner Person verdient eine ausführlichere Untersuchung.

 

 

3.3. Friedlieb - Verkörperung des wahren Kriegers?

 

Auch Friedlieb, der vehement vom Krieg abgeraten hat, folgt pflichtbewusst seinem König in den Krieg. Es mutet aber rührend an, welchen Regeln er seine Soldaten unterwirft, denn er duldet auf dem Schlachtfeld kein Fluchen:[262]

 

"Die von sein eigen Vnterthanen /

Waren die allerbesten Hanen/

Jn vielen Kriegen wol versucht /

Ob gleich keiner potzmarter flucht.

Denn das kunt er gar nicht erdulden /

Das sie mit Gotteslesterung schulten."

 

Dort, wo Gottes Gebote allesamt gebrochen werden, achtet er auf tugendhaftes Verhalten. Doch diese Aufmerksamkeiten in seinem Verhalten summieren sich zu einer Idealfigur des Kriegers, bis zu einem gewissen Grad sogar zu einer Allegorie des Friedens und der Gottgefälligkeit inmitten von Verletzung und Tötung, von List und Gegenlist, von Unrecht und Sünde. Seine Soldaten tragen weiße Hemden über ihren Rüstungen, um sich besser erkennen zu können, und bringen somit die Farbe des Friedens auf das Schlachtfeld. In der Querela Pacis heißt es: "Arrident vestes candidae meoque colore insignes, [...]."[263] Friedlieb und seine Mannen gehen äußerlich und innerlich diszipliniert an den ihnen bestimmten Ort und bilden so ein Paradoxon - Friedfertigkeit und Ausgeglichenheit in einer grausamen Schlacht. Diese Darstellungsweise ändert sich erst, als er in den Kampf eingreifen muss, um seinen König zu retten.

Friedlieb, den alle verspottet haben, kann am Ende die endgültige Katastrophe abwenden, den König retten und die versprengten Reste des Mäuseheers nach Hause führen. Das gelingt ihm, obwohl der König ihn in eine anscheinend gänzlich unbedeutende Position schickt, um ihn loszuwerden:[264]

 

"Der König antwortet im zorn /

Friedlieb ziehe hin zum kalten Born.

Da ist Fried / aber hie ist Streit /

So bleibt er für gefahr gefreyt."

 

Der Bote Friedliebs versteht den Sarkasmus des Königs nicht und nimmt die Äußerung wörtlich. Ein Missverständnis ermöglicht demnach die spätere Rettung des Königs. Es ist also nicht so, dass Friedlieb aus taktischen Erwägungen seine Stellung bezieht, wie Richter es versteht.[265]

Von dort aus kann er zum entscheidenden Zeitpunkt eingreifen und den König retten.[266] Der sieht seinen Fehler ein und unterstellt sich Friedliebs Befehl,[267] der jedoch keinen Frieden stiften kann. Friedlieb handelt entsprechend seiner Stellung und kämpft konsequent und nicht minder grausam in den Folgen als die anderen auch:[268]

 

"[...]

Die all auff den Friedlieben stachen /

Er acht sich aber nicht der sachen /

Sondern drang auff den Feind hinein /

Als durch ein Netz ein wildes Schwein /

Vnd eilt jmmer in hauffen baß /

Das er dem König raumt ein Gaß/

Vnd der Frösch ordenung zertrent /

Den Krieg brecht zum gewünschdschten end /

Vnd schlug in des / wen er bekam /

Diesen gar tod / den andern lahm."

 

Wieder tritt Rollenhagens widersprüchliche Haltung hervor: man soll den Krieg vermeiden, solange es geht, aber, wenn er ausgebrochen ist, ihn so vorteilhaft wie möglich führen. Es ist Friedliebs Hauptaufgabe, seinen König zu retten, auch wenn jener so seinem Namen nicht mehr gerecht wird. Für den König wird er zum Helden, er selbst verstößt aber gegen seine christlichen Tugenden. Ein Paradoxon entsteht aus der Diskrepanz von Name und Tat. Er, der den Krieg ablehnt und einen friedlichen Pol inmitten des Tötens verkörpert, schwört bittere Rache an den Fröschen[269] und führt die Niederlage der Frösche herbei, deren schlimmstes Ende nur Gott selbst verhindern kann. Friedlieb erreicht die Wende der Schlacht und ist am Ende der einzige unter den Mäusen, der im Eingreifen der Krebse Gottes Willen erkennt und sofort die Konsequenzen daraus zieht, indem er das Schlachtfeld verlässt.[270] Mit dieser Einsicht findet er zu seiner einstigen Friedfertigkeit zurück.

Dass ausgerechnet ein anfängliches Missverständnis die absolute Katastrophe der Mäuse verhindern kann, verdeutlicht einmal mehr die Unberechenbarkeit des Kriegs und die letztlich bei Gott liegende Entscheidung.[271] Richter betont zu Recht, dass die "[...] Lehre darin zu sehen [ist], dass der verspottete Friedlieb später zum Retter der Mäuse wird."[272] Trotz allem bleibt die Tatsache, dass er die Katastrophe herbeigeführt hat, weil er nach der Befreiung des Königs nur nach blinder Rache gerufen hat. Es hätte an ihm gelegen, schon an dieser Stelle den Kampf zu beenden. Friedlieb erfüllt zwar seine Pflichten als Untertan, lässt sich aber über Gebühr für diesen Krieg instrumentalisieren. Da er jedoch den göttlichen Willen erkennt und nach ihm handelt, stehen sein Name und seine Handlungen wieder in Einklang miteinander:[273]

 

"ALlein Friedlieb zeitig gedacht /

Nun streit ich nicht widr Gottes macht /

Versamlet eylend seine Leut /

Vnd Frösch / so er bekam zur beut /

Führt sie heim in seine Land /

[...]."

 

Er kann mit seiner Erkenntnis für die Mäuse das Schlimmste verhindern. Friedlieb verkörpert den Staatsbürger, der aus Pflichtbewusstsein die göttlichen Gebote Missachtet, aber dennoch durch eigene Erkenntnis gerettet wird. Fazit seines Auftretens im Froschmeuseler ist folglich, dass Pflichtbewusstsein und Obrigkeitstreue von Gott belohnt werden - wenn man gleichzeitig nach Gottes Willen handelt, was im Krieg allerdings, wie der Froschmeuseler zeigt, kaum der Fall ist. Den daraus entstehenden Konflikt muss jeder selbst für sich durchstehen und nach eigenem Gewissen lösen. Die Gefahr allerdings, mit seinem blinden Gehorsam sein Seelenheil zu verlieren, dient als Abschreckungsmittel bzw. Motivation, den Fürsten durch weise Beratung von Kriegsplänen abzuhalten.

 

3.4. Kampf der Könige - Aufgaben eines Fürsten

 

Singer hält für die protestantischen Fürstenspiegel des 16. Jahrhunderts fest, dass es ihre Hauptaufgabe sei, den neuen Glauben zu festigen.[274] Daneben soll die Ordnung, die "Policey" oder das "Regiment", gesichert werden.[275] Auch wenn der Froschmeuseler nach der Definition Singers kein Fürstenspiegel ist, trägt er deutliche Züge dieser Gattung. Bemerkenswert ist allerdings die bereits erwähnte Umorientierung Rollenhagens beim Empfängerkreis. Der gebildete Stadtbürger soll einerseits erfahren, wie es um seinen Herrscher steht, und andererseits angesichts tyrannischer Aktivitäten die gegebene Ordnung einhalten. Rollenhagen versucht dem Untertan die Gewissheit zu geben, dass der Tyrann einst von Gott gerichtet wird.

Von Bedeutung ist die Tradition, in der Rollenhagen steht. Die folgende Untersuchung soll zeigen, wie sehr er dem erasmischen Denken verhaftet ist. Die Autorität des Erasmus lässt sich daran erkennen, dass seine kritische Haltung zur Reformation für den Protestanten Rollenhagen keine Rolle spielt. Beide, sowohl Erasmus als auch Rollenhagen, haben erkannt, dass nur mit der Unterstützung des Fürsten ein friedliches Leben auf der Welt garantiert werden kann.

Die Züge eines Fürstenspiegels im Froschmeuseler sollen mit dem traditionsbildenden Fürstenspiegel schlechthin verglichen werden, der Institutio Principis Christiani. In ihr fasst Erasmus alle Gedanken zu diesem Problem, die er auch an anderer Stelle häufig äußert, zusammen.

 

3.4.1. Züge eines Fürstenspiegels im Froschmeuseler

 

Rollenhagen konzipiert sein Werk besonders an einer Stelle als Fürstenspiegel. Es handelt sich um den Moment, in dem die Frösche einsehen, sich selbst mit dem Storch einen Tyrannen gewählt zu haben. Der alte Marx lehrt sie daraufhin, wie ihr neues Regiment, ihre Staatsverfassung, aussehen sollte. Es dürfe nur ein König gewählt werden, der dieser Verfassung entspricht.[276] Es ist ein Fürstenspiegel 'von unten', der explizit an die Untertanen gerichtet ist, den Fürsten aber durch die Allgemeingültigkeit der Verfassung mit einbindet:[277]

 

"Niemandt sol thun / was jhm gefelt /

Sondern was jhms Gesetz vorstelt."

 

Dem neuen Staatswesen wird zunächst Eidestreue gegenüber ihrem Tyrannen, dem Storch, abverlangt, denn ein Eid ist heilig. Dies gilt zwar in erster Linie für die Untertanen, aber selbstverständlich auch für den König.[278] Weiterhin muss ein geschriebenes Recht geschaffen werden, das Ordnung herstellt. Es muss Ungerechtigkeiten verhindern, die Lasten gerecht verteilen und einen allgemeinen Konsens bilden:[279]

 

"[...]

So erwehle man weise Leut /

Die anfahen / Morgen vnd Heut /

Auffzuschreiben Gesetz vnd Recht /

Darnach sich richt vnser geschlecht /

Die Ehrbarlich vnd billig sein /

Laster nicht lassen reissen ein.

Niemandt mit Vngerechtigkeit /

Zufügen ein beschwerligkeit.

Die loben mus wer nur ist bider /

Die dem König nicht sind zu wider."

 

Der König hat die judikative Gewalt inne, die er uneingeschränkt auszuüben hat.[280] Um zu verhindern, dass der König sie Missbraucht, stehen ihm ein Reichskammergericht[281] und sieben Fürsten als Kontrollinstanz zur Seite.[282] Jeder Bürger, auch der König, ist an die Verfassung und an seine Ständeordnung gebunden:[283]

 

"Das Adel / Bürger / Bawr vnd Knecht /

Ein jeder bleib bey seinem Recht."

 

Der Fürst hat die Aufgabe, den Ausbau des Bildungswesens voranzutreiben, um vor allem Geistliche und Juristen heranzuziehen, welche die Ordnung stützen.[284] Des Weiteren hat er für den innerstaatlichen Frieden und die Landesverteidigung zu sorgen, Krieg soll nur zu Verteidigungszwecken statthaft sein.[285] Auffallend ist hier die Negierung eines dauerhaften Friedenszustands.[286] Ein militärisches Abschreckungspotential wird für nötig erachtet:[287]

 

"Das Regiment war wol gemacht /

Das beym Frieden den Krieg bedacht."

 

Endlich kommt der alte Marx zu dem Schluss, dass ein ehrbarer König, der die Ständeordnung festigt und erhalten kann, der beste sei. Dann nämlich gäbe Gott seinen Segen dazu:[288]

 

"WEnn denn jeder sein Ampt verwalt /

Der König schutz / das Recht der Alt /

Der gemeine Mann erbeit / vnd nehren /

Vnd wir allsampt Gottfürchtig weren /

Würd Gott mit vns zu frieden sein /

Wolfahrt geben der gantzen Gemein /

Jeder im Fried vnd freuden leben /

Gott wöll Raht vnd that dazu geben."

 

Wir sehen, wie geschickt Rollenhagen an dieser Stelle einen Fürstenspiegel verbreitet, der sich dem Anschein nach hauptsächlich an die Untertanen richtet, aber bei genauerem Hinsehen den König ebenso sehr an die Verfassung bindet wie jeden anderen Mitbürger auch.

Michael Philipp weist in seiner Untersuchung des Fürstenspiegels von Georg Lauterbeck - der in räumlicher Nähe zu Rollenhagen lebte und derselben Konfession wie er angehörte - darauf hin, dass die "[...] humanistischen Fürstenspiegel von der Erziehbarkeit des Fürsten ausgehen, [...] die reformatorischen Fürstenspiegel auf die Schwäche und Sündhaftigkeit des Menschen [...]" abheben.[289] Rollenhagen stellt eine Synthese beider Traditionen dar: alle Menschen müssen sich ihrer Sündhaftigkeit bewusst sein, sind aber prinzipiell zur Besserung befähigt. Dem reformatorischen Fürstenspiegel bleibt er jedoch treu, wenn es um die Position des Herrschers geht. "Das Herrscheramt wird von der Person abgetrennt und in Beziehung zu Gott gestellt. Die Obrigkeit ist ein Amt in göttlichem Auftrag, von Gott gewollt und als solches eingesetzt."[290] Rollenhagen erweist sich demzufolge als Autor, der traditionsgebunden, aber zugleich auch reflektierend und eigenständig schreibt.

 

3.4.2. Privatleben und Staatsinteresse

 

Das Verhalten eines Fürsten ist nach dem Verständnis Rollenhagens für die Vermeidung eines Kriegs entscheidend. Er folgt in dieser Hinsicht Erasmus, der stets fordert, der Fürst solle Privatsphäre und Politik akribisch auseinanderhalten.[291] Sieht der Fürst nur auf seinen persönlichen Vorteil beim Regieren, ist es um das Wohlergehen seines Staats bald geschehen. Auch im Froschmeuseler benutzen beide Könige ihre Stellung, um vornehmlich familiäre Angelegenheiten zu regeln. Der Froschmeuseler wird so - und aufgrund anderer Episoden im zweiten Buch[292] - zumindest ansatzweise zu einem Fürstenspiegel, der allerdings mit zwei abschreckenden Beispielen operiert.

Auf Seiten der Mäuse ist zwar der Thronfolger ums Leben gekommen und damit eine potentielle Staatskrise herbeigeführt worden. Doch Rollenhagen verdeutlicht den privaten Aspekt dieses Unglücks durch das zu seiner Zeit ungewöhnliche Auftreten der Königin, die ihre Wehklage über ihren verstorbenen Sohn und seinen zu allem Unglück auf dem See herumtreibenden Leichnam hält.[293] Politik und Privatsphäre werden in einer unglückseligen Konstellation verbunden. Die Königin erbittet nur göttliche Vergeltung:[294]

 

"Nun ist er hin / nun ist er todt /

Das zahl dem Frosch du grechter Gott /

Mit ewigen Hellischen Flammen /

So kamn hertzleid und zorn zusammen."

 

Der König dagegen reagiert auf die Klage mit dem unheilvollen Beschluss, an allen Fröschen Rache zu nehmen:[295]

 

"Er wolt den Fröschen das nicht schencken /

Sondern bezahln / sie soltens gedencken."

 

Schon Erasmus stellt in seiner Institutio fest, dass viele Fürsten aus Liebe zu ihrer Frau einen Krieg beginnen: "Maritus saepe quaedam condonat uxori, ne scindat concordiam."[296] Der Mäusekönig geht nicht beschwichtigend auf seine Frau ein, sondern beschließt sofort, die eigentlich göttliche Aufgabe der Rache in die eigene Hand zu nehmen.

Seine Rede an die versammelten Mäuse verknüpft ebenfalls private und öffentliche Interessen. Das eigene Leid und das seiner Frau dienen zur Anstachelung der Mäuse, einem Krieg zuzustimmen. Das Wohl des Staats wird mit dem eigenen Wohl gleichgesetzt und lässt den Untertanen kaum Möglichkeiten, den Krieg nicht zu billigen. Eine Ablehnung der persönlich gehaltenen Argumentationsweise käme leicht dem Hochverrat gleich. Persönliche Rachegelüste werden zu staatspolitischen Entscheidungsinstanzen.

Auf Seiten der Frösche verhält es sich ähnlich. Die einzige Möglichkeit, den Krieg zu verhindern, nämlich die Auslieferung des Froschprinzen in den sicheren Tod, wird verworfen.[297] Um seine persönliche Schuld zu kaschieren, sagt Pausback über das wirkliche Geschehen die Unwahrheit, denn er behauptet, der Mäuseprinz habe ihn zur Mitnahme in sein Schloss gedrängt.[298] Er weist alle Verantwortung von sich und kann so eine persönliche, private Beilegung des Konflikts abwenden. Die Sühne für sein Fehlverhalten wälzt er auf seine Untertanen ab. Auch wenn in beiden Fällen aufgrund der gesellschaftlichen Stellung der Prinzen Privatsphäre und Staat verbunden sind, müsste das Wohlergehen des Staats über den privaten Interessen der Könige stehen. So fordert es jedenfalls Erasmus in der Institutio, indem er auf das glänzende Beispiel des Augustus verweist.[299] Der Mäusekönig hätte gemäß Erasmus auf Blutrache verzichten, der Froschkönig seinen Sohn zum Wohl seines Volks ausliefern müssen.

 

3.4.3. Herrscherpflichten im Krieg

 

Die nach der Missachtung der Ordnung zweite Kriegsursache erscheint hinreichend geklärt und sowohl bei Erasmus als auch bei Rollenhagen nachweisbar. Beide Könige im Froschmeuseler haben Verfehlungen begangen. Doch anstatt wieder auf den Pfad der fürstlichen Tugenden zurückzukehren, folgen beide dem Weg der falschen, an privaten Interessen orientierten Politik und sind damit Beispiele für schlechte Herrscher.

Lassen wir den Aspekt der versäumten Friedenschance einmal beiseite und konstatieren den Froschmäusekrieg als unumgänglich. Dann ist es die erste Herrscherpflicht, den Krieg so zu führen, dass das eigene Volk so gut wie möglich geschont wird.[300] Die nun folgenden Diskussionen über die Kriegsstrategie, die sich, wie Richter dargestellt hat, durch eine außergewöhnliche Komposition auszeichnen,[301] sind ganz von dieser Frage bestimmt.

Die Beratung der Mäuse hat zum Ergebnis, dass sie auf fremden Beistand verzichten wollen. Das ist eine wichtige Erkenntnis, denn fremde Heere ins Land zu holen birgt immer die Gefahr, selbst ausgeplündert zu werden.[302] Ansonsten zehren sie die Staatskasse schnell aus, weil der Sold hoch ist, und verderben die moralische Lehre.[303] Außerdem sind sie unzuverlässige Verbündete:[304]

 

"Wo Beut gefelt / da sein sie frisch /

Wo schleg gefalln / da fliegens risch /

Vnd lassen andre fein im stich.

Wolt deß jemand beschweren sich /

So richtn sie einen Aufflauff an /

Den man offtmahls nicht zwingen kan.

Drawen das Feld gar zuverlassen /

Oder wol zum Feind hin zu passen."

 

Mit dem Verzicht auf fremden Beistand erfüllt der Mäusekönig die von Erasmus geforderten Pflichten eines Monarchen im Krieg: Erasmus warnt in seiner Institutio Principis Christiani ausdrücklich vor fremden Söldnerheeren.[305]

Parteckfresser begeht allerdings einen großen Fehler, als er einen schnellen Angriff beschließt. Er soll drei Tage später stattfinden, womit der König kaum Zeit für eine Strategieplanung lässt. In aller Hast wird der Krieg begonnen, denn nur ein Tag wird für die Ämterbestellung gewährt.[306] Er geht damit das Risiko ein, viele seiner Untertanen unnötig zu opfern.

Der zweite große Fehler des Mäusekönigs ist, nun schon im Krieg, die Missachtung der Informationen Friedliebs, der zwei Spione der Frösche aufgreift und unter der Folter die Strategie aus ihnen herauspresst.[307]ssDer König hat nur Spott für Friedlieb übrig:[308]

 

"Der König antwort mit spot /

Wenn nun gegenwertig ist die noth /

So wil ich sein bedencken fragen /

Er darff nicht vnnütz sorge tragen."

 

Die Missachtung der Warnung kostet später vielen seiner Krieger und ihm fast das Leben. Der Mäusekönig wird zum Tyrannen, der den guten Rat seiner Untertanen selbstherrlich verwirft. Erasmus warnt in der Institutio ausdrücklich davor, durch Verachtung den wichtigsten Verbündeten zu verlieren - das eigene Volk.[309]

Den letzten großen Fehler begeht Parteckfresser, als er nach seiner wunderbaren Rettung durch Friedlieb nicht die Konsequenzen aus seiner Niederlage zieht und den Vernichtungskrieg gegen die Frösche billigt.[310] Nachdem er den Sohn Pausbacks getötet hat und seine Rache eigentlich gestillt sein müsste,[311] kann er die siegessicheren Frösche nicht mehr zurückhalten.[312] Mit seiner Führungsschwäche fordert er Gott heraus und bewirkt die Katastrophe für seinen Staat.[313] Er erweist sich als lernunwillig und affektgeleitet im Handeln. Schon früher wird im Froschmeuseler auf die Wichtigkeit des ausgeglichenen Charakters eines Herrschers hingewiesen, indem die Nachteile der einzelnen Charaktere für die Persönlichkeit beschrieben werden.[314] Eine eindeutige Stellungnahme gibt Rollenhagen zum Charakter des Fürsten aber nicht, sondern überlässt dem Leser den Schluss mittels des weiteren Geschehens. Das Staatsoberhaupt müsse allerdings hohes Ansehen besitzen, um eine allgemeine Akzeptanz der Obrigkeit zu sichern.[315] Auch Erasmus wünscht sich einen charakterlich ausgeglichenen Fürsten, "[...] sedatum, ac minime praeceps ingenium, nec ita concitatum [...]."[316] Parallelen zwischen beiden Autoren sind eindeutig zu erkennen.

Die Diskussion der Frösche verläuft in umgekehrter Reihenfolge.[317] Ein totaler Krieg, die friedliche Beilegung des Konflikts und die Forderung nach fremdem Beistand werden verworfen. Der Froschkönig beschließt, einen Verteidigungskrieg zu führen. Er erfüllt seine Pflichten gegenüber seinen Untertanen, weil er sie zu schonen versucht. Nach Beginn des Kriegs kommt Pausback seinen Pflichten ebenfalls noch nach, indem er mit einer Kriegslist viele Mäuse ins Verderben schicken kann.[318]

Seine mangelnden Qualitäten zeigt Pausback erst, als er nach dem Kampf der Könige fluchtartig das Feld räumt und seine Krieger zurücklässt. Ihre Verwirrung ist so groß, dass sie alle Aufstellung verlieren und sich ohnmächtig niedermetzeln lassen:[319]

 

"[...] war noch weder end noch maß /

Man schlug die Frösche je mehr / je baß /

Dieweil jhr König war entritten /

Vnd sie verzagt ohn ordnung stritten."

 

Der König hat sein Leben über das seiner Untertanen gestellt und verletzt damit eine bedeutende Forderung des Erasmus, ein Herrscher müsse auch für sein Volk in den Tod gehen.[320] Weil er sein Volk verraten hat, hat er sich für einen guten Fürsten untauglich gezeigt. Wieder folgt Rollenhagen dem Tenor der Institutio, wenn er, nach dem Kampf der Könige, über den Froschkönig klagt:[321]

 

"Damit die lebendigen werben /

Müssen viel der lebendigen sterben."

 

Die Analyse der wichtigsten Vergehen der beiden Könige zeigt eindeutig den Bezug Rollenhagens auf Erasmus. Beide Könige sind nach beiden Fürstenspiegeln, der Institutio und dem Froschmeuseler, schlechte Fürsten, wenn nicht sogar schon Tyrannen. Die humanistische Traditionslinie von Erasmus hin zu Rollenhagen ist evident.

 

 

4. Theologischer Aspekt des Kriegs

 

Der theologische Aspekt des Kriegs umrahmt die Handlung. Krieg entsteht aus der Sünde des Menschen, die, mit dem Stand aufsteigend, immer weitere Kreise in ihren gesellschaftlichen Auswirkungen zieht. Rollenhagen teilt dem Leser mit, worin er die Ursache des Kriegs sieht, als er Gott zu seinen Engeln sprechen lässt. Es kann keinen Zweifel darüber geben, dass Rollenhagen hier seine Überzeugung verkündet. Gottes Meinung ist unumstößlich und die höchste Autorität. Sie ist für einen Pfarrer des 16. Jahrhunderts nicht das geeignete Mittel, die eigenen rhetorischen Widerlegungskünste zu demonstrieren:[322]

 

"Denn ob ich wol / da ichs gesehen /

Dis zum anfang so ließ geschehen /

Damit ihr Forwitz beyderseit /

Gestraffet würd zu rechter zeit /

Vnd jhrer nicht würden zuviel /

Den Menschen beschwerten ohne ziel /

Das auch der Mensch ein beyspiel hette /

Wenn er nicht zeitig Busse thette /

So würd es doch dergleichen gehen /

Krieg vnd Blutvergiessen entstehen."

 

Krieg entspringt dem persönlichen Fehlverhalten des Menschen, der Sünde, Krieg ist Sünde und folglich immer gegen Gott gerichtet. Für Rollenhagen gibt es letztendlich nur eine Möglichkeit, Krieg zu vermeiden, nämlich ein gottgefälliges Leben zu führen. Den Weg dorthin weist er, für alle verständlich, anhand seiner allgegenwärtigen Ordnungslehre. Immer wieder prangert er die Sünde an und führt auf der anderen Seite Beispiele für ein christliches Leben vor Augen. Ob und wie Gott in das Leben eingreift und einen Krieg beendet, ist vom Menschen nicht zu beurteilen:[323]

 

"DEnn Gott ist vberall HERR /

Gott allein gebüret die Ehr /

Das er regiere gar allein /

Jhm muss alles gehorsam sein /

Seinen gantz allmechtigen Willen /

Müssen all Creatur erfüllen.

[...]

Er thut freywillig was er wil /

Vnd greifft / so offt er wil / ins Spiel.

Was er erhelt / das bleibt bestehen /

Was er nicht helt / dass muss vergehen."

 

Der Mensch hat sich den göttlichen Gesetzen zu fügen, aber auch den weltlichen, denn sie sind von Gott über den Herrscher legitimiert.[324]

Der Schluss des Froschmeuselers, "Vanitas Vanitatum et Omnia Vanitas",[325] dessen Bedeutung bereits oben erörtert wurde, macht in diesem Zusammenhang einmal mehr deutlich, wie vergeblich Rollenhagen das Bemühen des Menschen sieht, mit Krieg etwas dauerhaft in seinem Sinn entscheiden zu können. Gott - das ist eine wichtige Aussage des Froschmeuselers - behält sich stets die letzte Entscheidung vor. Das ist auch so der Fall, als er selbst beschließt, den Froschmäusekrieg zu beenden:[326]

 

"Vnd wenn all Teuffel aus der Hellen /

Ein Sperling vom Tach wolten fellen /

Soll jhn der anschlag nicht gelingen /

Sie sollens nicht zu wege bringen /

Sondern wil / das er lenger Lebe."

 

Die einzige Entscheidung, die der Mensch durch den Krieg mit absoluter Sicherheit fällen kann, ist die gegen Gott und für den Tod:[327]

 

"Was hilfft die Sterck / was hilfft weißheit?

Der Tod sieget zu aller zeit."

 

Das mag ein Reflex auf die Glaubenskriege des 16. Jahrhunderts sein. Rollenhagen lässt ganz bewusst keine Konfession über die andere siegen.[328] Wir sehen, dass der Glauben eindeutig über die Politik gestellt ist, und diese sich nach jenem zu richten hat. Rollenhagen befindet sich selbst in dem Konflikt, sowohl ein guter Christ als auch ein guter Untertan zu sein. Auf der einen Seite lehnt er den Krieg ab, denn er ist der Feind Gottes und damit auch der Feind des Menschen, weil er riskiert, durch ihn sein Seelenheil zu verlieren. Auf der anderen Seite akzeptiert er politische Notwendigkeiten wie die Selbstverteidigung (und die Selbstverteidigungspflicht des Herrschers gegenüber seinen Untertanen). Glaube und Politik bedingen sich im Froschmeuseler einander, aber ihr Verhältnis bleibt gespannt und kann nicht ganz befriedigend gelöst werden.

 

 

II. Der Froschmeuseler und sein Verhältnis zur Erasmischen Querela Pacis

1. Vorbemerkungen zur Untersuchung

 

Das Darstellungsmittel des Tierepos, das Rollenhagen wählt, eignet sich für derart heikle Themen, wie er sie bearbeitet, besonders gut. Ohne Gefahr zu laufen, dass sich ein Herrscher zu sehr mit den Tieren identifizieren könnte, kann er auch das Problem der Einheit im Glauben und der Tugend und die Laster aller Einwohner eines Staats ungeachtet ihrer sozialen Stellung bearbeiten. Seine Idee erinnert an die des Erasmus. Dieser lässt die Pax selbst die Klage über ihre nicht vorhandene Herrschaft auf der Welt führen. Beide bewegen sich auf der allegorischen Darstellungsebene, doch Rollenhagen nimmt seinem Anliegen durch die Wahl der Fabelwelt die Schärfe.[329]

Rollenhagen orientiert sich sehr am Gesamtwerk des Erasmus, was im vorigen Kapitel bereits an der Institutio erläutert wurde, besonders aber an der Querela Pacis.[330] Um die oft verblüffende Ähnlichkeit zu verdeutlichen, soll Erasmus in der folgenden, exemplarischen Untersuchung nach der Übersetzung von Brigitte Hannemann, die nahezu wörtlich ist, zitiert werden.[331] Die lateinischen Originalzitate werden in den Fußnoten geboten. Die zeitgenössische Übersetzung des Leo Jud[332] bietet sich nicht an, weil Erasmus mit ihm eine Grundsatzdebatte führte und deshalb gravierende Umdeutungen befürchtet werden müssen.[333] Exkurshaft soll darüber hinaus erörtert werden, ob eine Traditionslinie von der Querela Pacis über Sebastian Francks Krieg Büchlin des Friedes (sic!)[334] zu erkennen ist oder nicht.

Beide, Erasmus und Rollenhagen, haben eine gemeinsame Ausgangsposition, die jeweils in einem kurzen Satz zusammengefasst ist. Hierbei handelt es sich um die christliche Lehre der Nächstenliebe, die einen Krieg unmöglich machen sollte. Die Querela Pacis lässt sich auf den Satz reduzieren: "Quisquis Christum annunciat, pacem annunciat."[335] Rollenhagen kehrt diese fundamentale, christliche Forderung um:[336]

 

"[...]

Das wer Gott zum Freund hat auff Erden /

Dem muss der Feind zum Freunde werden."

 

Diese Gemeinsamkeit lässt nicht zwingend darauf schließen, dass Rollenhagen die Querela Pacis bearbeitet hat. Das gilt auch für Motive, die als Grundwissen eines Humanisten bezeichnet werden dürfen. In diesen Fällen kann eine Entscheidung nur anhand auffallender Formulierungsähnlichkeiten getroffen werden. Hilfreich ist in solchen Fragen auch der Kommentar Peils, der, wie bereits erwähnt, auf komparatistischem Gebiet eine große Leistung vollbracht hat. Ebenfalls problematisch ist die Tradition der Friedensdiskussion, die im Froschmeuseler viele Übereinstimmungen hervorruft, ohne dass sie wörtlich nachweisbar wären. Hier kann nur auf die ideengeschichtliche Tradition hingewiesen werden.

 

 

2. Untersuchung

2.1. Regimentslehre

 

Erasmus behandelt die Regimentslehre in der Querela Pacis eher beiläufig. Sein Ziel ist es, die Fremdartigkeit des Kriegs in der Natur zu zeigen und den Menschen zu einer friedlichen Gesinnung aufzurufen. Rollenhagen macht sich aber einige dieser Motive auf besondere Weise zu eigen, indem er sie in die Verfassungsdiskussion der Frösche integriert, die letztendlich auch auf die Sicherung eines friedlichen Zusammenlebens hinausläuft. Als erstes trifft man auf das übereinstimmende Motiv der Gestirne, Elemente und das Zusammenspiel von Körper und Geist, das Erasmus als Vorbild für ein harmonisches Miteinander anführt.[337] Sie brauchen und erhalten einander.

Rollenhagen übernimmt diese Motivreihe, erweitert sie wie jede Quellenvorlage, die er bearbeitet und stellt sie in einen anderen Zusammenhang.[338] In der Verfassungsdiskussion der Frösche wird die erasmische Motivfolge dahingehend umgedeutet, dass die Harmonie nicht einfach nur natur-, sondern gottgegeben sei. Der gesamte Froschmeuseler ist, wie ja bereits festgestellt wurde, theozentrisch ausgerichtet. Gott hat allem einen König übergeordnet, so lautet die Aussage.[339] Die Gestirne, Elemente und das Gleichgewicht des Körpers dienen als Argumente für eine monarchische Ordnung. Freilich kann es sich hier um rhetorische Gemeinplätze handeln, doch spricht die Übereinstimmung der Motivfolge dafür, dass Rollenhagen sich hier an Erasmus orientiert.

Weiter lobt Rollenhagen ausführlich die Einigkeit der Bienen[340] und Ameisen[341] und schließt sich damit Erasmus an: "Nota est formicarum et apum inter ipsas concors politia."[342] All diese Staatsmetaphern machen die Annahme einer Querela Pacis-Bearbeitung Rollenhagens im Bereich "Regimentslehre" plausibel.[343]

 

2.2. Krieg

 

Erasmus fordert, den Krieg in seinen Auswirkungen auf diejenigen zu beschränken, die ihn verursacht haben. Die Kleinen sollten nicht für das büßen, was die Großen anrichten:[344]

 

"Wenn nun ein Krieg nicht zu vermeiden ist, sollte er so geführt werden, dass sich das ganze Unheil auf die Köpfe derer beschränkt, die Anlässe zu Krieg geben. Jetzt aber befinden sich die Herrscher in Sicherheit, wenn sie Krieg führen, die Feldherren werden hierbei groß, der gewaltigste Anteil der Übel ergießt sich über die Bauern und das Volk, welche der Krieg nichts angeht, die selbst nicht irgendeinen Anlaß zum Krieg gegeben haben."

 

Eine gewisse Verdichtung von gleichen Motiven lässt sich kurz vor Beginn des Froschmäusekriegs erkennen. Passend zur erasmischen Quelle vertritt Friedlieb die Positionen der Pax im Kronrat der Mäuse: er versucht seinen König zu überzeugen, dass allein der Froschkönig schuldig sei und man nur ihn allein bestrafen dürfe. Hier handelt es sich eindeutig um eine Bearbeitung der Querela Pacis:[345]

 

"[...]

An höchsten Baum wolln wir jhn hangen.

Er ist doch schüldig gar allein /

Vnd seiner Vnterthanen kein.

Wird aber Krieg gelauffen an /

So gehts vber die Vnterthan /

Denn / wenn die Junckern reuffen / schreien /

Müssn die Bawrn jhr Haar darzu leihen.

Vnd geht vber vnschüldigs Blut /

Vnschüldig Blut / rachgierich Blut /

Solch Blut vergiessen ist nicht gut."

 

Die Unberechenbarkeit des Kriegs und damit seine, durch die Kriegskosten verursachten Gefahren für den Staat, sind ebenfalls übereinstimmende Motive. Erasmus legt besonderen Wert darauf zu betonen, dass ein Krieg meistens mehr an Kosten verschlingt, als er dem Staat einbringt:[346]

 

"Er [der Fürst] möge nicht ohne weiteres nach des einen oder anderen Laune Krieg in Bewegung setzen, weil ein einmal begonnener Krieg nicht leicht zu beenden ist. [...] Manchmal muss der Friede erkauft werden. Wenn Du daselbst zusammenrechnest, was ein Krieg verschlingen würde und wie viel Bürger Du vor dem Untergang bewahrst, wird der Preis gering erscheinen, auch wenn Du viel zahltest, da ja, abgesehen vom Blut Deiner Bürger, ein Krieg mehr Verlust bringen würde."

 

Friedlieb warnt ebenfalls eindringlich davor, zu glauben, einen Kriegsausgang berechnen zu können:[347]

 

"Der Feind ist auch gar schlecht veracht /

Das end aber ist leider schwer /

Viel gh"rt zur steten gegenwehr /

Viel mehr / das man den Feind bezwing /

Vnd sich nicht selbst vmb alles bring."

 

Weitere Motive der Querela Pacis werden in die Handlung des Froschmeuselers integriert. Genannt wurde schon die Forderung, das eigene Wohl dem des Staats unterzuordnen und sogar seinen Sohn zu opfern, um einen Krieg zu verhindern. Erasmus führt das Beispiel des Kaisers Augustus an, der das Wohl des Staats über sein persönliches Interesse an der Erbfolge gestellt habe.[348] Weiterhin wurde bereits die strikte Trennung von privaten und öffentlichen Angelegenheiten des Herrschers behandelt.[349]

Eine Reflexion der Querela Pacis ist auch in den Kriegsdebatten der Frösche und Mäuse zu erkennen. Im Froschmeuseler werden folgende Aspekte in beiden Lagern genau behandelt: ein Vernichtungskrieg gegen den Feind, ein Überraschungsangriff, fremder Beistand, genaue Überlegung und schließlich die Ablehnung des Kriegs. Diese Punkte der Beratung der Mäuse, die bei den Fröschen in umgekehrter Reihenfolge abgehandelt werden, sind grundlegend wichtige Überlegungen zum Krieg. Erasmus warnt vor fremden Söldnern im eigenen Land:[350]

 

"Wenn Du es als Last empfindest, ein verbrecherisches Gesindel von Miets-Legionären in Dein Land zu führen, sie vom Unglück Deiner Brüder zu nähren, ihnen ergeben zu sein und zu schmeicheln, ja vielmehr noch Dich selbst und Deine Unversehrtheit ihrer Willkür zu überlassen: mache Dir klar, dass dies die Bedingung des Krieges sei."

 

In beiden Kriegsberatungen des Froschmeuselers wird vor fremdem Beistand gewarnt. Dahinter steht die schmerzliche Erfahrung mit Söldnerheeren, die, wenn sie ihren Sold nicht erhalten, das Land des Anwerbers verheeren:[351]

 

"Wer mechtig ist wird auch vermessen /

Groß Fisch allzeit die kleinen fressen."

 

Außerdem sind sie nicht zuverlässig genug, da sie eben nur angeworben und keine Freunde der heimischen Truppen sind.[352] Auf Seiten der Mäuse werden diese Gedanken ebenfalls geäußert,[353] mit dem Erfolg, auf fremde Truppen zu verzichten.

Doch es ist nicht nur die Furcht vor der Unzuverlässigkeit, die Erasmus vor Söldnern warnen lässt. Mit ihnen kommt auch der moralische Verfall ins Land, denn sie vergewaltigen, betrügen und morden, kurz, sie begehen Verbrechen auf legale Weise:[354]

 

"Wenn Du Raubüberfälle verabscheust, eben diese lehrt der Krieg, wenn Du Mordverbrechen verwünschst, eben diese werden im Krieg erlernt. Denn wird sich der scheuen, in Erregung einen umzubringen, der für ein geringes Handgeld gemietet, so viele Menschen abschlachtet? Wenn die Missachtung der Gesetze das sicherste Verderben des Gemeinwesens bedeutet, unter Waffen schweigen die Gesetze. Wenn Du Vergewaltigung, Inzest und solcher Schändlichkeiten mehr für abscheulich hältst, der Krieg ist Lehrmeister all dessen."

 

Es gehört zum Konzept des Froschmeuselers, auf solche moralischen Missstände, die Söldner und der Krieg in einem Land hervorrufen, beim Namen zu nennen. Denn sie sind sich ihrer Macht bewusst und nutzen sie hemmungslos aus:[355]

 

"[...]

Wo die LandsKnecht sieden vnd braten /

Wo die Weiber haben das Regiment /

Da nimpt es selten ein gut endt.

[...]

Die starckn / regieren all sachen /

Vnd vbervortheilen die schwachen.

Wo Beut gefelt / da sein sie frisch /

Wo schleg gefalln / da fliegens risch /

Vnd lassen andre fein im stich.

Wolt deß jemand beschweren sich /

So richtn sie einen Aufflauf an /

Den man offtmahls nicht zwingen kan.

Drawen das Feld gar zu verlassen /

Oder wol zum Feind hin zu passen."

 

Darüber hinaus zählt zu den übereinstimmenden Motiven die Forderung des Erasmus, nur alte, erfahrene Menschen sollten über den Kriegsbeginn beraten dürfen, da diese nicht dazu neigen, in ihm ihren Vorteil auf Kosten anderer zu suchen.[356] Rollenhagen lässt den erfahrenen Friedlieb im Kronrat scheitern. Ein junger, draufgängerischer Adliger schneidet ihm das Wort ab und stellt ihn wegen seiner weisen Vorsicht als Feigling bloß.[357] Das erasmische Postulat, Nachsicht und Vergebung eines Fürsten nicht als Feigheit, sondern als Edelmut und Tapferkeit zu werten,[358] verhallt ungehört. Die schlimmen Befürchtungen des Erasmus werden im Froschmeuseler wahr. So kann Rollenhagen auch die folgende erasmische Aussage übernehmen:[359]

 

"Wie armselig und wie bald vergänglich ist das, wofür unter Euch Tumult ist. Der Tod steht allen bevor, den Königen nicht minder als den Bürgern. Welchen Tumult setzt ein Würmlein in Bewegung, das bald wie ein Rauch vergehen wird? Am Tor erscheint die Ewigkeit."

 

Ebenso ernüchternd und ehrlich stellt Rollenhagen die sinngemäße Wiedergabe dieser Sätze an den Schluss seines Werks:[360]

 

"Aller Welt Rath / Macht / Trotz vnd Streit /

Jst lauter Tand vnd Eytelkeid.

Macht doch Mord / Armut / Hertzeleid.

Gott helff vnd tr"st in Ewigkeit /

AMEN.

Salomon

Vanitas Vanitatum et Omnia Vanitas."

 

 

2.3. Frieden

 

Während Erasmus den Frieden und seine Annehmlichkeiten recht ausführlich schildert, beschränkt sich Rollenhagen, wie schon erwähnt, fast ausschließlich auf die Kriegsbeschreibung und erwartet demnach vom Leser, sich den Frieden selbst vor Augen zu führen. Um einen anschaulichen Kontrast herzustellen, beschreibt Erasmus die Schrecken des Kriegs, verweist aber immer wieder auf den Frieden. In seinem Friedensappell erinnert er an die Vorzüge des Friedens:[361]

 

"Dazu fordert alles auf, zuerst unmittelbar das natürliche Empfinden, und auch, wie ich es nennen möchte, die Humanität. Alsdann der Fürst und Gründer allen menschlichen Glücks: Christus. Außerdem so viele Annehmlichkeiten des Friedens, das so große Unheil des Kriegs."

 

Bei Rollenhagen münden die Ausführungen Friedliebs in einen Friedensappell, der dem gerade zitierten sehr ähnelt:[362]

 

"Fried sol für Krieg / vnd Sieg hergehen.

Fried ist aller Welt trost vnd Frewd /

Gott erhalt Fried zu vnser zeit."

 

Trotz der Orientierung an der Querela Pacis hat Rollenhagen seine Quelle in einigen Punkten umgedeutet. Krausse stellt bei seiner Untersuchung zur Circe-Episode über Rollenhagen fest: "Jedoch zeigt er hier, wie überhaupt in seiner Dichtung, eine erstaunliche Selbständigkeit in der Behandlung seiner Vorlage."[363]

Seiner Einschätzung ist zuzustimmen. Rollenhagen begnügt sich nicht mit einer einfachen Übernahme, er bearbeitet seine Quellen, passt sie seiner Intention an und zeigt damit seine dichterische Qualität. Diesen Text aufgrund seiner formalen Schwächen zu beurteilen, würde ihm nicht gerecht werden, auch wenn Haas berechtigterweise beklagt, Rollenhagen reime "hemmungslos".[364] Die große Leistung Rollenhagens, und das zeigt sich gerade bei der Bearbeitung eines Textes der großen Autorität Erasmus, liegt in der Anpassung derart unterschiedlicher Quellen an sein Ziel: ein didaktisch-moralisches Lehrbuch zu schaffen, das die Ordnung festigt und den Krieg verdammt.

 

3. Das Verhältnis des Froschmeuselers zu Sebastian Francks Krieg Büchlin des Friedes

 

Das Krieg Büchlin des Friedes ist eine recht freie Bearbeitung der Querela Pacis.[365] Interessant ist die Frage, ob eine Traditionslinie von Erasmus über Franck hin zu Rollenhagen angenommen werden kann. Es finden sich in der Tat übereinstimmende Motive. Zu diesen zählen die Bedeutung der gesellschaftlichen Bescheidenheit[366] und die Feststellung, dass gerade Herrscher zu den Verursachern von Kriegen zählen, obwohl sie diese verhindern sollten.[367] Francks Einstellung gegenüber dem Krieg scheint auf den ersten Blick der erasmischen nahe zu stehen, weicht aber, wie wir sehen werden, in einem entscheidenden Punkt von ihr ab.[368] Wilhelm Kühlmann beschreibt die Vorrede von Francks Geschichtsbibel[369] als "[...] Nahtstelle zwischen humanistischer und radikal-religiöser Zeitkritik."[370] Die Entwicklung seines Gesamtwerks zeichnet sich durch einen "[...] sich verstärkenden Pessimismus [...]" aus.[371] Das gilt auch für sein Krieg Büchlin. Mit ihm "[...] provoziert [er] in seinem paradoxen Sinn die Frage nach dem Verhältnis zwischen Frieden und Gewalt."[372] Anders als Erasmus, dessen Bemühungen eine Verbesserung des irdischen Lebens verfolgen, sammelt Franck mit einer anderen Intention Argumente gegen den Krieg:

Anhand vor allem biblischer Aussagen negiert er, so Albrecht Hagenlocher, zumindest sinngemäß den gerechten Krieg[373] und "[...] lehnt physische Gewalt in jeder Form und vor allem in jeder Situation ab."[374] Ein Widerstandsrecht räumt er dem Menschen nur im Falle einer seelischen Tyrannei ein, die nicht nur den Leib, sondern eben auch die Seele in tödliche Gefahr bringt,[375] doch "[...] ob dieser allein legitime Widerstand nur passiv oder auch aktiv sein darf, beantwortet er nicht klar."[376] Das schließt eine Legitimation sozialer Unruhen aus.[377] Krieg bedeutet für Franck das Verabscheuungswürdigste der Welt, aber zugleich auch eine Geißel Gottes, die es zu erdulden gilt.[378] Da Krieg für ihn auf der anderen Seite auch ein Vergehen gegen die Bibel darstellt, wertet er "[...] mit ihm auch weltliche Herrschaft [...]", die Kriege führt, ab.[379] Hieraus ergibt sich ein extremer Spannungsbogen, der sich über das Werk hinzieht, eine Spannung zwischen Verdammung physischer Gewalt und Sünde der Gewalttätigen, zwischen Unrecht und Duldung.[380] So nimmt dieses Buch eine eigenartige Wendung von der Verurteilung des Kriegs über die Duldung des Unrechts hin zum "[...] Krieg gegen sich selbst, das Erdulden äußerer Anfeindungen bis hin zum leiblichen Tod [...]", was nur zum [...] eigentlichen, geistigen Leben und zum wahren Frieden [...]" führt.[381] Den Verteidigungskrieg, den Erasmus gerade noch dulden mag oder muss, lehnt Franck ab und nimmt somit die radikalste politisch-pazifistische Haltung der Friedensdiskussion im 16. Jahrhundert ein. "Das Bemühen um eine weltliche Friedensordnung war für ihn ohne Hoffnung. Seine Konsequenz war die Erwartung des nahen Weltendes und eines Friedens jenseits menschlicher Gemeinschaft."[382]

Francks Gedankenwelt ist eine grundsätzlich andere als die Rollenhagens. Franck sieht keinen Sinn darin, die Staatsform zu verbessern. Seine Ausführungen sind transzendental ausgerichtet, denn die einzige Verbesserung, die ein Fürst erreichen kann, ist, dass "[...] er sich mehr in diensten vnd wercken der lieb übe."[383] Diese Forderung betrifft jedoch jeden Christen. Franck glaubt, dass das Ende der Welt nahe sei und sieht im Krieg eine Prüfung des Menschen durch Gott und eine Vorbereitung auf das Jüngste Gericht.

Rollenhagen möchte dagegen, in erasmischer Tradition, den Glauben stärken und gleichzeitig die Welt verbessern. Von einer Endzeitstimmung ist bei ihm nichts zu spüren. Außerdem war Franck den Lutheranern sehr suspekt. Noch bis vor kurzem wurde er als "Suchender", also nicht auf lutherischer Linie befindlicher Autor gesehen.[384]

Aufgrund der vorsichtigen Haltung der Lutheraner gegenüber Franck und der unterschiedlichen Intention des Krieg Büchlin und des Froschmeuselers muss davon ausgegangen werden, dass die Motivübereinstimmung allein auf die gemeinsame Quelle, die Querela Pacis, zurückzuführen ist. Eine Rezeption des Krieg Büchlin von Rollenhagen kann zwar nicht ausgeschlossen werden, aber an keiner Stelle ist sein Einfluss auf den Froschmeuseler festzustellen.

 

 

Ausblick

 

Der Forschungsbericht hat die defizitäre Lage der Froschmeuseler-Forschung aufgezeigt, wie z.B. fehlende Untersuchungen zur literarischen Wertung und zu dem Satirischen. Es gibt einige Detailuntersuchungen zu meist kurzen Episoden, doch vielen hat man sich noch nicht gewidmet. Es fehlen Arbeiten zur Symbolik, Metaphorik und Motivik. Als Ausnahme ist die Arbeit von Haas über die Tiermetaphorik zu nennen. In der vorliegenden Arbeit sollte dieses Defizit mit der Untersuchung des Kriegs- und Friedensmotivs etwas gemindert werden.

Zum Problem jeder Arbeit über den Froschmeuseler, auch der gegenwärtigen, wird die Länge und Heterogenität des Werks. Es ist im Rahmen einer Motivuntersuchung möglich, dem Gesamttext Rechnung zu tragen; doch die aufgrund der Länge des Froschmeuselers notwendige Beschränkung auf wenige, exemplarische Textstellen bei gleichzeitiger Ausblendung des Kontexts der jeweiligen Episoden ist unbefriedigend.

Ferner fehlt noch immer eine weitreichende Untersuchung darüber, inwieweit zeitgeschichtliche Ereignisse im Froschmeuseler ihren Niederschlag gefunden haben. Die vorliegende Arbeit zeigt, dass die Untersuchungen Herdts und Bernleithners, aber auch die wichtigen Hinweise Peils im Stellenkommentar weiterer Ergänzungen bedürfen.

Wünschenswert wäre eine Gesamtinterpretation des Froschmeuselers, die das intentionale, heterogene Beziehungsgeflecht beachten würde. Es ist allerdings fraglich, ob dies aufgrund der stofflichen und motivischen Fülle zu leisten ist. Weiterhin wäre eine Arbeit vonnöten, die sich der Untersuchung des Werks als Buch des protestantischen Humanismus in weit höherem Maß widmen würde als die vorliegende Arbeit oder die von Bernleithner und Brunken. In dieser rezeptionsgeschichtlichen Studie müsste untersucht werden, was der zeitgenössische Leser aus dem Froschmeuseler lernen konnte bzw. woran er sich hielt. Schließlich belegen die zahlreichen Auflagen des frühen 17. Jahrhunderts die Popularität des Werks. In diesem Rahmen wäre eine weitergehende Beschäftigung mit den altdeutsch-protestantischen Werten Rollenhagens und ihrer literarischen Umsetzung sicherlich ergiebig.

Überall in der Forschungsliteratur wird der Syntheseversuch Rollenhagens von Humanismus und Reformation angesprochen. Da dieses Thema bislang aber noch nicht Gegenstand einer eigenen Untersuchung gewesen ist, konnte es, bis auf wenige Aspekte, nicht in befriedigender Weise erörtert werden. Der Verfasser hofft, mit seiner Arbeit wenigstens ein Stück dazu geleistet zu haben, vor allem am Beispiel des Erasmus, die Affinitäten zwischen Rollenhagen und Humanisten bzw. Reformatoren nachweisen zu können.

 


Abkürzungen

 

AAWG                   Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften in  Göttingen.

BSJJGW                Berichte aus den Sitzungen der Joachim Jungius-Gesellschaft der Wissenschaften E.V., Hamburg.

BSLH                    Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur, Halle.

GWr                       Germanica Wratislaviensia.

MLN                      Modern Language Notes.

MTU                      Münchener Texte und Untersuchungen zur deutschen Literatur des Mittelalters.

PMLA                    Publications of Modern Language Association.

SBPAW                 Sitzungsberichte  der preußischen Akademie der Wissenschaften.

TRE                       Theologische Realenzyklopädie, Berlin / New York 1977ff.

WA                         D. Martin Luthers Werke. Kritische Gesamtausgabe, Weimar 1883ff. (= Weimarer Ausgabe)

WdF                       Wege der Forschung.

WZUJ                    Wissenschaftliche Zeitschrift der Friedrich Schiller Universität Jena/Thüringen.

ZHF                       Zeitschrift für historische Forschung.

 


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[1]     Der Forschungsbericht berücksichtigt die Arbeiten bis 1993. Nach 1993 sind meines Wissens wenige kleinere Arbeiten zum Froschmeuseler erschienen, die mir allerdings nicht vorliegen, so zum Beispiel: Kühlmann, Wilhelm: Kombinatorisches Schreiben - "Intertextualität" als Konzept frühneuzeitlicher Erfolgsautoren (Rollenhagen, Moscherosch), in: Kühlmann, Wilhelm / Neuber, Wolfgang (Hg.): Intertextualität in der Frühen Neuzeit. Frankfurt/M. usw.  1994.  111-139.

[2]     Zur Biographie und zum Gesamtoeuvre Rollenhagens siehe: Dietmar Peil, 721-724, in: Georg Rollenhagen: Froschmeuseler, hrsg. von Dietmar Peil, Frankfurt a.M. 1989; (= Bibliothek der frühen Neuzeit, Bd. 12.) Wilhelm Kühlmann: Rollenhagen, in: Killy, Walter (Hg.): Literatur Lexikon. Autoren und Werke deutscher Sprache, Bd. 9, Gütersloh / München 1991, 508f.

[3]     Nicht berücksichtigt werden Arbeiten zur Sprache Rollenhagens. Siehe hierzu: Albert Leitzmann: Niederdeutsches bei Rollenhagen, in: BSLH 52 (1929), 445-452; Sven Nordlund: Die Ausgleichung des Präteritalablauts bei Georg Rollenhagen, BSLH 55 (1931), 207-212. Nicht verfügbar waren die Arbeiten von Laura Auteri: La lepre dotta. Il Froschmeuseler di Georg Rollenhagen, in: L'immagine riflessa 8 (1985), 287-308, und: dies.: Nel regno del "dis-umano". Uno studio sull' epopea degli animali nella Germania tardo-rinascimental, Mailand 1990.

[4]     Alfred Herdt: Quellen und Vorbilder zu Georg Rollenhagens Froschmeuseler und seine Einwirkung auf Jakob Baldes Batrachomyomachia, Diss. Straßburg 1908. (Zitiert: Herdt)

[5]     Ernst Bernleithner: Humanismus und Reformation im Werke Georg Rollenhagens, masch. Diss. Wien 1954. (Zitiert: Bernleithner)

[6]     Roland Richter: Georg Rollenhagens Froschmeuseler: Ein rhetorisches Meisterstück, Bern / Frankfurt a.M. 1975. (Zitiert: Richter 1975)

[7]     Sie sind aufgeführt bei: Gerhard Dünnhaupt: Personalbibliographien zu den Drucken des Barock, Bd. 5, zweite, verbesserte und wesentlich vermehrte Auflage des Bibliographischen Handbuchs der Barockliteratur, Stuttgart 1991, 3477.

[8]     Georg Rollenhagen: Froschmeuseler, hrsg. von Karl Goedeke, Leipzig 1976. Im folgenden wird nur nach der neuen und leichter zugänglichen Edition von Dietmar Peil zitiert.

[9]     Reineke Fuchs. Das niederdeutsche Epos "Reynke de vos" von 1498. Mit 40 Holzschnitten der Originalausgabe, Übertragung und Nachwort von Karl Langosch, Stuttgart 1967. Vgl. hierzu auch Peil, Dietmar: Der Einfluß des Reynke de vos auf Georg Rollenhagens Froschmeuseler (1595). In: Reinardus 5 (1992), S. 157-169. [= Yearbook of the International Reynard Society, Hull und Nijmegen 1988ff.]

[10]    Johann Fischart: Flöh Hatz, Weiber Tratz, hrsg. von Alois Haas, Stuttgart 1967

[11]    In: Jacob Balde S.J.: Opera Poetica Omnia, Bd. III, ND der Ausgabe von München 1729, hrsg. und eingeleitet von Wilhelm Kühlmann und Hermann Wiegand, Frankfurt a.M. 1990, 1-152. (= Texte der frühen Neuzeit, I.)

[12]    Herdt, 6.

[13]    Johannes Bolte: Quellenstudien zu Georg Rollenhagen, Berlin 1929. (= Sonderausgabe aus den SBPAW, phil.-hist. Klasse, Bd. 26.)

[14]    Karlernst Schmidt: Vorstudien zu einer Geschichte des komischen Epos, Halle 1953.

[15]    Vgl. ebd., 48.

[16]    Bernleithner, 202.

[17]    Ebd., 277.

[18]    Ebd., 1.

[19]    Die Schreibweise der Umlaute in der Peilschen Ausgabe, das übergeschriebene e, wird hier in „ü“ geändert.

[20]    <Vorrede>, 18-29. (Zur Zitierweise: Die Beigaben der drei Bücher werden mit den von Rollenhagen selbst oder von Peil gesetzten Überschriften, der Kommentarteil mit "Peil" zitiert.)

[21]    Vgl. Haas, 175f. Siehe auch Peil, 742ff. Er hat dort einige Wertungen des 18. und 19. Jahrhunderts zusammengetragen.

[22]    Eli Sobel: Georg Rollenhagen, Sixteenth-Century Playwright, Pedagogue, and Publicist, in: PMLA 70 (1955), 762-780.

[23]    Alois M. Haas: Georg Rollenhagens Froschmeuseler, in: Schwab, Ute (Hg.), Das Tier in der Dichtung, Heidelberg 1970, 175-199. (Zitiert: Haas)

[24]    Ebd., 187.

[25]    Ebd., 195.

[26]    Roland Richter: Proverbs in Context: A Structural Approach, in: Fabula 15 (1974), 212-221, (zitiert: Richter 1974) und: Richter 1975. (Siehe Fußnote 5.)

[27]    Richter 1974, 221.

[28]    Vgl. ebd, 221.

[29]    Vgl. Richter 1975, bes. 57ff.

[30]    Vgl. ebd., 61.

[31]    Vgl. ebd., 78.

[32]    Joachim Telle: Zu Georg Rollenhagens Froschmeuseler (I/2, Kap. 15-17), in: Wolfenbtteler Barock-Nachrichten 3 (1976), 256-259.

[33]    Ebd., 257.

[34]    Ebd., 259.

[35]    Peter Rusterholz: Form und Funktion des Komischen in der Tierdichtung des 16. Jahrhunderts, in: Daphnis 7 (1978), 129-154.

[36]    Ebd., 131.

[37]    So berichtet Rusterholz beispielsweise auf S. 151 von dem Narren der Maus Friedlieb, welcher sich über den Krieg lustig macht. Es handelt sich hierbei allerdings um den Hofnarren des Fürsten, in dessen Schloss Friedlieb sein Nest gebaut hat. Vgl. III, 559, V.1647-1698. (Zur Zitierweise: sie folgt der Peilschen Ausgabe. Die römische Zahl bezieht sich auf das Buch, danach werden die Seiten und die Verszahlen angegeben.)

[38]    Herdt, 5.

[39]    Vgl. Brunken, 67f.

[40]    Vgl. Bernleithner, 236-239.

[41]    Vgl. Barbara Könneker: Satire im 16. Jahrhundert. Epoche - Werke - Wirkung, München 1991, 13. Zur Theorie und Satire im 16. Jahrhundert siehe besonders ebd., 11-33. Den Froschmeuseler behandelt Könneker nicht.

[42]    Darin sieht Rusterholz die Hauptfunktion der komischen Tierdichtung. Vgl. ebd., 153.

[43]    Vgl. ebd., 11.

[44]    Vgl. Krausse, 254.

[45]    Helmut K. Krausse: Die Circe-Episode in Rollenhagens Froschmeuseler, in: Arcadia 15 (1980), 242-257. (Zitiert: Krausse)

[46]    Ebd., 242.

[47]    Siehe auch: Paul Michel (Hg.): Tiersymbolik, Bern / Berlin / Frankfurt a.M. u.a. 1991. (= Schriften zur Symbolforschung, Bd. 7.) Die Aufsätze streifen mitunter Thematiken des Froschmeuselers, ohne denselben aber zu nennen.

[48]    Krausse, 254.

[49]    Ebd., 248.

[50]    Ebd., 254.

[51]    Ebd., 256.

[52]    Otto Brunken: Georg Rollenhagens Froschmeuseler: ein späthumanistisches didaktisches Tierepos für die Jugend des gebildeten "Mittelstands", in: Die Schiefertafel 5 (1982), 46-73. (Zitiert: Brunken)

[53]    Ebd., 51.

[54]    Ebd., 52.

[55]    Vgl. ebd., 51f.

[56]    Ebd., 68.

[57]    Vgl. ebd., 52. Brunken nennt nicht die ebenfalls häufig genannten Juristen und Geistlichen. Auch wenn letztere fast durchgängig als verruchte Gestalten geschildert werden, lässt sich auch anhand eines charakterlich schlechten Beispiels lernen.

[58]    Krausse, 254.

[59]    Siehe hierzu auch: Rolf Engelsing: Der Bürger als Leser. Lesergeschichte in Deutschland 1500-1800, Stuttgart 1974, 182: "Wenn nämlich der Bürger ehemals [d.i. vor ca. 1750] las, so deshalb, um sich an das zu erinnern, was ohnehin sicher war. Er memorierte und befestigte Wahrheiten."

[60]    Gerhard Brey: Zur Rezeption des Alchimiekapitels aus Georg Rollenhagens Froschmeuseler, in: GWr 88 (1989), 11-28.

[61]    Ebd., 28.

[62]    Siehe Fußnote 2.

[63]    So Peils Abschnitt "Zur Struktur der Dichtung", 729ff.

[64]    Zum Inhalt des Froschmeuselers siehe entweder die Inhaltsangaben Rollenhagens selbst vor jedem Buch oder die in nahezu jeder Publikation zu diesem Werk beigegebenen.

[65]    II, 417f., V.4895-4900.

[66]    <Vorrede>, 24, Z.13-20. Siehe auch Peil, Stellenkommentar, 783.

[67]    Vgl. Herdt, 5 und das gesamte erste Kapitel.

[68]    Vgl. Brunken, 62.

[69]    <Vorrede>, Z. 21-24.

[70]    Die euphemistische Wendung für Krieg sei hier hingenommen, da sie bezüglich der konstatierten Mehrdimensionalität des Kriegs Missverständnisse ausräumt.

[71]    Melanchthon hat Rollenhagens Denken in großem Maße beeinflusst. Er äußert sich wenig zu Krieg und Frieden an sich, fordert aber beharrlich die sittliche und moralisch-christliche Haltung des Menschen, um ein geordnetes und ruhiges Zusammenleben zu ermöglichen. Pietas und eruditio sind die Leitbegriffe seines Denkens. Aus ihnen erwächst sein didaktisches Bemühen, sein Versuch, die Welt zu verbessern. Hielten sich alle Menschen an die göttlichen Gebote, wäre ein weltliches Recht unnötig. Für Melanchthon liegt der Schlüssel zur Verbesserung der Welt in der Verbindung von christlicher Lehre und humanistischer Bildung, die, im Idealfall, weltliches Recht (und damit auch weltliche Legislative!) überflüssig machen, womit auch ein Krieg ausgeschlossen wäre. Da dies aber eine Idealvorstellung ist, bleibt dem Menschen nur ständiges Bemühen, um eine Verbesserung der weltlichen Verhältnisse zu erreichen. Vgl. hierzu: Philipp Melanchthon: Glaube und Bildung. Texte zum christlichen Humanismus, ausgewählt, übersetzt und hrsg. v. Günter R. Schmidt, Stuttgart 1989, bes.: Philosophiae moralis epitomes libri duo, 66-72, und: Loci praecipui theologi, 118-132.

[72]    Siehe Richter 1975, 76f.

[73]    Siehe hierzu Klaus Garber: Die Friedens-Utopie im europäischen Humanismus: Versuch einer geschichtlichen Rekonstruktion, in: MLN 101 (1986), 516-552; Hans-Joachim Diesner: Stimmen zu Krieg und Frieden im Renaissance-Humanismus, Göttingen 1990; (= AAWG, phil.-hist. Klasse, 3. Folge, Bd. 188.) Kurt von Raumer: Ewiger Friede. Friedensrufe und Friedenspläne seit der Renaissance, München 1953.

[74]    Querela Pacis, in: Opera omnia Desiderii Erasmi Roterodami, hrsg. von Otto Herding, Bd. IV/2, Amsterdam 1977, 59- 100. (Zitiert: Querela Pacis) In einer neuen Übersetzung: Erasmus von Rotterdam: Die Klage des Friedens, hrsg. und übersetzt von Brigitte Hannemann, 2. Aufl., München / Zürich 1986. (Zitiert: Klage)

[75]    Dieser Abschnitt stützt sich auf die Aufsätze von Otto Herding: Erasmus - Frieden und Krieg, in: August Buck (Hg.): Erasmus und Europa, Wiesbaden 1988, 13-32 (= Wolfenbütteler Abhandlungen zur Renaissanceforschung, Bd.7.); ders.: Humanistische Friedensideen am Beispiel zweier "Friedensklagen", in: ders. / Stupperich, Robert (Hg.): Die Humanisten in ihrer politischen und sozialen Umwelt, Weinheim 1976, 7-34. (= Mitteilung III der Kommission für Humanismusforschung.) (Zitiert: Herding 1976)

[76]    Querela Pacis, 66, Z.136-140: "At, o rem indignam, apud hos [principes] nec umbram verae concordiae licuit cernere. Fucata fictaque omnia, factionibus apertis, clanculariis dissidiis ac simultatibus corrupta vniuersa. Denique adeo apud hos esse sedem paci comperio, vt hinc potius omnium bellorum fontes ac seminaria."

[77]    Ebd., 90, Z.657f und 94, Z.797-799: "Ad quaedam conniuendum; comitas comitatem inuitabit. Nonnunquam emenda pax. [...] Sed parum excelsi animi tibi videare, si quid remittas iniuriarum? Immo nullum est certius argumentum humilis animi minimique regii quam vlcisci."

[78]    Vgl. ebd., 80, Z.451ff.

[79]    Vgl. ebd., 84, Z.526-550.

[80]    Vgl. ebd., 82, Z.508.

[81]    Herding 1976, 25.

[82]    Zu Müntzer siehe: Thomas Müntzer: Die Fürstenpredigt. Theologisch-politische Schriften, hrsg. von Günther Franz, Stuttgart 1990; (zitiert: Fürstenpredigt) Walter Elliger: Thomas Müntzer. Leben und Werk, Göttingen 1975; Werner Lenk: Thomas Müntzers revolutionäres Denken, in: Peilcke, Roswitha / Schildt, Joachim (Hg.): Thomas Müntzers deutsches Sprachschaffen. Referate der internationalen sprachwissenschaftlichen Konferenz. Berlin, 23.-24. Oktober 1989, Berlin 1990, 1-18.

[83]    Müntzer gehörte zum radikalen Flügel der Reformation und vertrat eine Extremposition für den Krieg. Mit einem Glaubenskrieg wollte er Jesus Christus von den Unwahrheiten der Kirche befreien. In seiner Fürstenpredigt in Allstadt ging er heftig gegen die verkommenen Sitten der Christenheit und gegen die Irrlehren der Kirche vor. Er forderte die Fürsten Sachsens auf, gegen die Kirche als Feindin Gottes aktiv zu werden und rief sie damit zum Krieg gegen die Kirche auf: "Treibt seine [Gottes] Feinde von den Auserwelten, dann ihr seit die Mitler dozu." (Auslegung des andern Unterschids Daniels [...], 67f., in: Fürstenpredigt, 47-76.) Als er nach seiner Fürstenpredigt aus Allstadt geflohen war, kam er nach einigen Umwegen nach Frankenhausen, wo sich Mitte Mai 1525 der Bauernkrieg entschied. Kurz darauf wurde er, nachdem er unter der Folter widerrufen hatte, enthauptet. Seine christlich motivierte Aufforderung zur Sozialrevolte ist die radikalste Position innerhalb der Friedens- und Kriegsdiskussion dieser Zeit, denn er wollte, ein Paradoxon, mit Krieg und Frieden soziale Gerechtigkeit herstellen.

[84]    Dieser Abschnitt stützt sich auf den Artikel von Heilwig Schomerus: Das Zeitalter der Reformation und die Anfänge der Neuzeit, in: Conze, Werner / Hentschel, Volker (Hg.): Ploetz. Deutsche Geschichte. Epochen und Daten, fünfte, erweiterte und aktualisierte Auflage, Freiburg / Würzburg 1991, 133-140, (zitiert: Schomerus) und auf die Einleitungen zu den zitierten Lutherschriften in der WA. Zu Luthers Friedenslehre siehe auch: Karl Dietrich Erdmann: Luther über den gerechten und ungerechten Krieg, Göttingen 1984. (= BSJJGW, Jg. 1, 1982/83, Heft 5.)

[85]    Martin Luther: Von der Freiheit eines Christenmenschen, in: WA, Bd. 7, Weimar 1897, 12-38.

[86]    Martin Luther: Ermahnung zum Frieden auf die zwölf Artikel der Bauerschaft in Schwaben, in: WA, Bd. 18, 1908, 279-334. (Zitiert: Ermahnung)

[87]    Vgl. ebd., Einführung, 279f.

[88]    Martin Luther: Eine schreckliche Geschichte und ein Gericht Gottes über Thomas Müntzer, 367, in: WA, Bd. 18, 1908, 362-374.

[89]    Ermahnung, 292: "Weyl denn diese sache gros und ferlich ist, alls die beyde Gottes reich und der wellt reich betriffet, Denn wo diese auffruhr sollt fort dringen und uber hand nemen, würden beide reich untergehen, das widder welltlich regiment noch Göttlich wort, sondern eine ewige verstürung gantzes Deutschen landes folgen würde."

[90]    Ebd., 310 und 314: "Leyden leyden, Creutz creutz ist der Christen recht, des und keyn anders. [...] Denn habt recht, wie hoch yhr wöllet, so gebürt keynem Christen zu rechten noch zu fechten, sondern unrecht zu leyden und das ubel zu dulden [...]."

[91]    Ebd., 303: "Antworte ich: Das die oberkeyt b"se und unrecht ist, entschuldigt keyn rotterey noch auffrur, Denn die bosheyt zu straffen, das gebürt nicht eym iglichen, sondern der welltlichen oberkeyt, die das schwerd furet."

[92]    Ebd., 294.

[93]    Martin Luther: Wider die räuberischen und mörderischen Rotten der Bauern, in: WA, Bd. 18, 1908, 344-361.

[94]    Ebd., 360: "Denn eyn Fürst und herr mus hie dencken, wie er Gottes amptman und seyns zorn diener ist [...] Denn wo er kan und strafft nicht, es sey durch mord odder blutvergiessen, so ist er schuldig an allem mord und ubel, das solche buben begehen [...] Es ist des schwerds zeyt hie und nicht der gnaden zeyt. So soll nu die oberkeit hie getrost fort dringen und mit gutem gewissen dreyn schlagen [...]."

[95]    Zum Bauernkrieg siehe: Horst Buszello / Peter Blickle / Rudolf Endres (Hg.): Der deutsche Bauernkrieg, Paderborn / München / Wien / Zürich 1984; Peter Blickle: Die Revolution von 1525, zweite, neu bearbeitete und erweiterte Auflage, München / Wien 1981.

[96]    Vgl. Schomerus, 137.

[97]    Das belegen die von Bernleithner transkribierten Briefe Rollenhagens an Rantzau. Siehe ebd., 279-292.

[98]    Vgl. <Widmung>, 14ff.

[99]    Vgl. Peil, 773.

[100] Reimer Hansen: Krieg und Frieden im Denken und Handeln Heinrich Rantzaus (1526-1598), in: Franz Josef Worstbrock (Hg.): Krieg und Frieden im Horizont des Renaissancehumanismus, Weinheim 1986, 125-138. (= Mitteilung XIII der Kommission für Humanismusforschung.)

[101] Dasselbe trifft leider auch für die umfänglichste Arbeit über Rantzau zu. Siehe: Wiebke Steinmetz, Heinrich von Rantzau (1526-1598). Ein Vertreter des Humanismus in Nordeuropa und seine Wirkungen als Förderer der Künste, 2 Teile, Frankfurt a.M. / Bern / New York / Paris 1991 (= Europäische Hochschulschriften, Reihe 28, Bd. 125.). Leider war ihr auch nicht der bei Bernleithner transkribierte und 'publizierte' Briefwechsel zwischen Rollenhagen und Rantzau bekannt.

[102] Zitiert nach Hansen, 134.

[103] III, 579, V.2307f. Siehe auch Peil, Stellenkommentar, 579.

[104] <Widmung>, 14, V.18f. Siehe auch Peil, Stellenkommentar, 774.

[105] Ebd., 17, V.110.

[106] Siehe auch Peil, 774: Er schließt eine Deutung von "fruchtbar Wasser", Rantzaus Burg, als "[...] metaphorische Anspielung auf Rantzaus Mäzenatentum [...]" nicht aus.

[107] Peil weist auf weitere Anspielungen Rollenhagens auf Rantzau bzw. Übereinstimmungen in ihren Forderungen hin. Vgl. Stellenkommentar, 887 (zu II, 414, V.4801-4804), 904 (zu III, 517, V.330), und 913 (zu III, 565, V.1849f.).

[108] III, 637, V.4095-4102.

[109] Vgl. Worterläuterungen, 637.

[110] <Vorrede>, 24, Z.23.

[111] Siehe unten, Kapitel I.3.3. und I.3.4.

[112] Vgl. Erasmus von Rotterdam, Fürstenerziehung. Institutio Principis Christiani, Einführung, Übersetzung und Bearbeitung von Anton J. Gail, Paderborn 1968, 20. (Zitiert: Institutio)

[113] III, 691, nach V.5802. Prediger 1, 2.

[114] Siehe unten, Kapitel II.3.

[115] Brunken, 62.

[116] Vgl. Bernleithner, 227.

[117] Vgl. ebd., 227.

[118] Vgl. Bernleithner, 277.

[119] Herdt, 15.

[120] Vgl. II, 488, V.7027-7042.

[121] Vgl. III, 680.

[122] Die einzigen, die vom Krieg profitieren und den Sieg der Frösche - im wahrsten Sinne des Wortes - auskosten dürfen, sind die Aasfresser, die sich auf dem verlassenen Schlachtfeld zu einem grausigen Siegesmahl versammeln und sich an den sterblichen Überresten der Krieger gütlich tun. Vgl. III, 690f., V.5779-5794.

[123] Vgl. III, 691, V.5799-5801.

[124] Siehe auch Richter 1975, 49f.

[125] Der Aneinanderreihung verschiedenster Episoden, deren epische Breite nicht zu leugnen ist, verdankt Rollenhagen scharfe Kritiker wie auch begeisterte Leser. Siehe hierzu Peil, Zur literarischen Wertung, 742-748.

[126] Vgl. hierzu auch die Untersuchung der rhetorischen Struktur von Richter 1975, 65-78. Rollenhagen ist es gelungen, jede Episode in sich abzuschließen und sie dennoch zielgerichtet zu verknüpfen.

[127] Richter 1975, 100.

[128] Vgl. Richter 1975, 44.

[129] Vgl. III, 680ff.

[130] Vgl. III, 690f.

[131] Vgl. Richter 1975, 49f.

[132] Giacomo Leopardi: Der Froschmäusekrieg und seine Folgen: der Krieg der Krebse und Mäuse, italienisch-deutsch, übersetzt und hrsg. von Helmut Endrulat, Berlin 1992.

[133] Bernleithner, 1.

[134] VERZEICHNVSS DER VORNEMBSTEN SACHEN [...], 693-718.

[135] Es ist nicht zu beweisen, dass Rollenhagen, und nicht der Drucker, die Marginalien setzte. Da sie jedoch mit dem Register übereinstimmen, wird hier davon ausgegangen, dass Rollenhagen an ihrer Setzung beteiligt war.

[136] "Kompilation" soll hier nicht pejorativ verstanden werden. Vgl. Joachim Dyck: Ticht-Kunst. Deutsche Barockpoetik und rhetorische Tradition, 3., ergänzte Auflage, mit einer Bibliographie zur Forschung 1966-1986, Tübingen 1991, (= Rhetorik-Forschungen, Bd. 2.) bes. 7-15. Dyck weist ebd., 8, darauf hin, dass sich der humanistische Textkenner und -kommentator im Laufe des 16. und frühen 17. Jahrhunderts immer mehr zum "sammelnden Polyhistor" wandelte: "Seine Erudition steht im Dienst einer anderen Aufgabe: das Wissen der Zeit im enzyklopädischen System zu gliedern und so das Chaos der Welt in eine überschaubare Ordnung zu fassen." Diese Entwicklung lässt sich bei Rollenhagen deutlich erkennen.

[137] VERZEICHNVSS [...], 698.

[138] Richter 1975, 118.

[139] Vgl. II, 378-383.

[140] II, 378, vor V.3693.

[141]            Vgl. II, 372-393.

[142] Vgl. II, 372-377. Siehe hierzu auch: Dietmar Peil: Der Streit der Glieder mit dem Magen. Studien zur Überlieferungs- und Deutungsgeschichte der Fabel des Menenius Agrippa von der Antike bis ins 20. Jahrhundert, Frankfurt a.M. / Bern / New York 1985.

[143] II, 378, V.3693-3698.

[144] II, 378, V.3699-3704.

[145] II, 378, V.3705-3708.

[146] II, 379, V.3709f.             

[147] In: Desiderii Erasmi Roterodami Opera Omnia, recognovit Joannes Clericus, tom. sec., Leiden 1703, 951-970.

[148] II, 384, V.3871-3878.

[149] II, 386f., V.3965-3970.

[150] Vgl. II, 378ff. Auf eine weitere Anspielung Rollenhagens auf den Bauernkrieg weist Peil, Stellenkommentar, 887, hin: siehe II, 414, V.4798-4800.

[151] II, 383, V.3865-3870.

[152] Der Bauernkrieg war auf Seiten der Bauern nicht überregional organisiert. Die Anführerschaft Müntzers muss also auf den thüringischen Raum beschränkt werden. Es ist aber anzunehmen, dass auf Rollenhagen die räumlich nahen Kämpfe in Frankenhausen einen besonderen Eindruck hinterließen.

[153] Besonders in der Ermahnung zum Frieden auf die zwölf Artikel der Bauerschaft in Schwaben, 301-304, (siehe Fußnote 84) und Eine schreckliche Geschichte und ein Gericht Gottes über Thomas Müntzer, 373 (siehe Fußnote 86).

[154] Vgl. II, 379, V.3727-3738.

[155] II, 380, V.3741.

[156] Vgl. Richter 1975, 40.

[157] Dieser Begriff soll im Folgenden nicht verwendet werden, da er anachronistisch ist. Im 16. Jahrhundert ist "Bürger" noch ständisch zu verstehen, und nicht, wie im Zuge und nach der Französischen Revolution, als Staatsbürger. Rollenhagen schildert jedoch den Aufstand des Bauernstands, nicht aber einen Aufstand der Stadtbürger.

[158] Vgl. Bernleithner, 277. Er weist ebd. darauf hin, dass dies zwar ein Erlöschen der reformatorischen Flamme, aber keine Annäherung an die katholische Kirche bedeutet. Besonders deutlich wird das in II, 487f., V.6999-7026, wo die Schildkröte Beißkopf von der Sudersee, also der Papst, aufgefordert wird, Glaubensfreiheit zu gewähren.

[159] Vgl. ebd., 270.

[160] II, 452f., V.5957-5960.

[161] Vgl. besonders Peil, 742-748 und Haas, 175-178.

[162] Rollenhagen folgt damit der lutherischen Obrigkeitslehre. Siehe hierzu: Gunther Wolf (Hg.): Luther und die Obrigkeit, Darmstadt 1972. (= WdF, Bd. 85.)

[163] Zur christlichen Ethik siehe: Trutz Rendtorff: Ethik VII. Ethik der Neuzeit, in: TRE, Bd. 10, Berlin / New York 1982, 481-517.

[164] I, 98, V.1729-1732.

[165] Vgl. II, 336f., V.2376-2386.

[166] Vgl. II, 338, V.2445-2448. Siehe auch Peil, Stellenkommentar, 870.

[167] Vgl. II, 339, V.2465f.

[168] Vgl. II, 341, V.2545f.

[169] Vgl. II, 345, V.2666.

[170] Vgl. II, 342, V.2579f.

[171] Vgl. II, 346, V.2699f.

[172] II, 311, Marginalie. Vgl. auch ebd. ff., V. 1563-1624.

[173] Vgl. I, 90, V.1470-1480.

[174] Vgl. I, 91f., V.1515-1530; II, 224, V.5549-5551.

[175] Vgl. I, 101f., V.1822-1856.

[176] Vgl. I, 125, V.2553f.

[177] Vgl. I, 116, V.2275-2292; II, 341, V.2545f.

[178] Vgl. I, 142, V.3061-3070.

[179] Vgl. I, 168, V.3819f.

[180] Vgl. I, 175, V.4022-4024.

[181] Vgl. II, 309, V.1487-1510.

[182] Vgl. III, 512, V.165f.

[183] Vgl. II, 454, V.6003-6022.

[184] I, 57, V.431-434.

[185] Vgl. I, 69, V.805f.

[186] Vgl. I, 72, V.901-908.

[187] Vgl. I, 72, V.890.

[188] Vgl. I, 86f., V.1347-1382.

[189] Vgl. I, 74f., V.981-984.

[190] I, 73f., V.947-953.

[191] Siehe auch: Richard Erich Schade: Todsündendidaktik: On its Function in Representational and Literary Art (Hans Sachs, Heinrich Julius, Grimmelshausen), in: Daphnis 15 (1986), Heft 3, 551-584.

[192] Vgl. Sebastian Brant: Das Narrenschiff. Nach der Erstausgabe (Basel 1494) mit den Zus"tzen der Ausgabe von 1495 und 1499, hrsg. von Manfred Lemmer, 2. und erweiterte Auflage, Tübingen 1968. (= Neudrucke deutscher Literaturwerke, Neue Folge, 5.)

[193] Zum Lasterkatalog im Narrenschiff siehe: Christiane Bohnert: Sebastian Brants Narrenschiff. Satire und Wirklichkeit an der Schwelle zur Neuzeit, in: Daphnis 14 (1985), 615-645. Zur Spezialliteratur über einzelne Sünden im Narrenschiff siehe: Joachim Knape / Dieter Wuttke (Hg.): Sebastian-Brant-Bibliographie. Forschungsliteratur von 1800-1985, Tübingen 1990, 145-169. Weniger übersichtlich bei Thomas Wilhelmi: Sebastian Brant Bibliographie, Bern / Frankfurt a.M. / New York / Paris 1990, 267-314. (= Arbeiten zur mittleren Deutschen Literatur und Sprache, Bd. 18/3.)

[194] II, 336f., V.2376-2386.

[195] Vgl. II, 471, V.6505-6512.

[196] Vgl. II, 415f., V.4831-4866

[197] II, 471, V.6513-6522.

[198] Vgl. II, 423-431, und Peil, Stellenkommentar, 889. Das Bienengleichnis, das seit der Antike gern gebraucht wird, nimmt nicht nur bei Rollenhagen, sondern auch bei Erasmus von Rotterdam eine zentrale Bedeutung ein. Siehe hierzu unten, Kapitel II.2.1.

[199] Vgl. II, 397-401.

[200] II, 431, V.5330-5346.

[201] II, 417f., V.4895-4900.

[202] Vgl. II, 281-284, und 282, Marginalie.

[203] Vgl. 284, Marginalie. Siehe auch Peil, Stellenkommentar, 858.

[204] Vgl. II, 284, V.735-740.

[205] Wolfgang Sommer: Gottesfurcht und Fürstenherrschaft. Studien zum Obrigkeitsverständnis Johann Arndts und lutherischer Hofprediger zur Zeit der altprotestantischen Orthodoxie, Göttingen 1988 (= Forschungen zur Kirchen- und Dogmengeschichte, Bd. 41.), 315. (Zitiert: Sommer)

[206] Michael Stolleis: Reichspublizistik - Politik - Naturrecht im 17. und 18. Jahrhundert, in: ders. (Hg.): Staatsdenker im 17. und 18. Jahrhundert. Reichspublizistik - Politik - Naturrecht, 2., erweiterte Auflage, Frankfurt a.M. 1987, 9-28, hier 15. (Zitiert: Stolleis 1987)

[207] Vgl. ebd, 15.

[208] Weitere Gründe nennt Rollenhagen in seiner Vorrede "Dem günstigen Leser", 19f.

[209] II, 414, V.4775-4779. Siehe auch Peil, Stellenkommentar, 887.

[210] Vgl. II, 397-401.

[211] Brunken, 52.

[212] II, 472, V.6529f. Siehe auch ebd., Marginalie.

[213] II, 388, Marginalie, und II, 389, V.4035-4044.

[214] Vgl. Querela Pacis, 86, Z.600: "Sapiant pricipes et populo sapiant [...]."

[215] II, 423, V.5061-5065.

[216] I, 97f., V.1715-1722.

[217] II, 304, V.1333-1336.

[218] Vgl. Roger Mehl: Freiheit V. Ethisch, in: TRE, Bd. 11, Berlin / New York 1983, 511-533, hier 530. Mehl versucht die wohl einzig mögliche Lösung des Problems auf metaphysischer Ebene, indem er ebd. feststellt, "[...] dass die gesellschaftlichen und politischen Freiheiten, so kostbar sie auch sein mögen, keine innere Freiheit geben." Diese Haltung ist bei Rollenhagen zwar nicht auszuschließen, wird aber insofern nicht sichtbar, als nach Mehl die politischen Verhältnisse nicht relevant für die innere Freiheit sind, bei Rollenhagen aber ein dafür ganz entscheidendes Kriterium darstellen. Es wurde jedoch bereits darauf hingewiesen, dass Rollenhagens Position zur lutherischen Lehre als ambivalent bezeichnet werden muss.

[219] III, 595, V.2831-2834.

[220] Vgl. Richter 1975, 66.

[221] II, 481, V.6791f. Siehe auch Peil, Stellenkommentar, 897. Als Metapher dient der diebische Adler, der mit seiner Beute auch Glut in seinen Horst bringt und mit seiner Brut verbrennt. Zur Adlersymbolik siehe auch Kühlmann 1983.

[222] Vgl. II, 488, V.7017-7026.

[223] Vgl. Richter 1975, 110f.

[224] II, 487, V.7003-7010.

[225] Vgl. III, 595, Marginalie: "Vngleicher glavb vntrewe Freunde."

[226] Vgl. Michael Stolleis: Geschichte des "ffentlichen Rechts, 1. Bd: Reichspublizistik und Policeywissenschaft 1600-1800, München 1988, 155f. (Zitiert: Stolleis 1988)

[227] Ebd., 156.

[228] II, 488, V.7017f.

[229] Stolleis 1987, 17.

[230] Mit dem zeitgenössischen Wort "Freistellung" wird die Abkehr des Leitsatzes "cuius regio, eius religio" gefordert. Siehe hierzu: Gudrun Westphal: Der Kampf um die Freistellung auf den Reichstagen zwischen 1556 und 1576, Diss. Marburg 1975.

[231] Unverzichtbar zu Schwendi ist der Aufsatz von: Wolf-Dieter Mohrmann: Bemerkungen zur Staatsauffassung Lazarus' von Schwendi, in: Maurer, Helmut / Patze, Hans (Hg.): Festschrift für Berent Schwineköper. Zu seinem siebzigsten Geburtstag, Sigmaringen 1982, 501-521. (Zitiert: Mohrmann)

[232] Eine gute Zusammenfassung der Ereignisse bietet: Gerhard Oestreich: Verfassungsgeschichte vom Ende des Mittelalters bis zum Ende des alten Reiches, in: Gebhardt, Bruno (Hg.): Handbuch der deutschen Geschichte, Bd. 2: Von der Reformation bis zum Ende des Absolutismus, 9., neu bearbeitete Auflage, hrsg. von Herbert Grundmann, Stuttgart 1970, 361-436, bes. §93f. Die Forderungen der Freistellungsbewegung sind zusammengefasst in: Deutsche Reichstagsakten. Reichsversammlungen 1556-1662. Der Reichstag zu Speyer 1570. 1. Teilband: Protokolle, bearbeitet von Maximilian Lanzinner, Göttingen 1988, 114-151. Siehe auch: Maximilian Lanzinner: Friedenssicherung und Zentralisierung der Reichsgewalt. Ein Reformversuch auf dem Reichstag zu Speyer 1570, in: ZHF 12 (1985), 287-310.

[233] Veröffentlicht von: Eugen von Frauenholz: Des Lazarus von Schwendi Denkschrift über die politische Lage des Deutschen Reiches von 1574, München 1939. (= Münchener historische Abhandlungen, 2. Reihe, Heft 10) In der Forschungsliteratur wird allerdings mehrmals darauf hingewiesen, dass diese Ausgabe erhebliche editorische Mängel aufweist. (Zitiert: Denkschrift) Die Aussagen der Denkschrift fasst Schwendi nochmals zusammen in seinem: Diskurs und bedenken über die zulassung oder verweigerung der freiheit der gewissen, bestellt uf dem reichstag zu Regenspurg anno 1576, in: Adolf Eiermann: Lazarus von Schwendi. Freiherr von Hohenlandsberg, ein deutscher Feldoberst und Staatsmann des XVI. Jahrhunderts, Freiburg i.Br. 1904, 145-151. (Zitiert: Diskurs)

[234] Vgl. Mohrmann, 515. Der Aspekt des internationalen Friedens wird hier nicht weiterverfolgt, weil er im Froschmeuseler keinen Niederschlag gefunden hat. Schwendi fordert in der Denkschrift, die Stationierung ausländischer Truppen im Reichsgebiet von der ausdrücklichen Genehmigung des Kaisers abhängig zu machen, damit die Reichsinnenpolitik nicht zum Spielball von "[...] anderen fremdten Nationen und Potentaten [...]" werde. Siehe ebd., 21. Vgl. auch ebd., 9f.

[235] Vgl. ebd., 14. Das kann freilich nicht bedeuten, dass die Ständeordnung aufgelöst werden solle. Die Reichsstände haben sich nur der Obrigkeit zu fügen.

[236] Vgl. Denkschrift, 26.

[237] Vgl. ebd., 27.

[238] Vgl. ebd., 27.

[239] Ebd., 28.

[240] Was Rollenhagen und Schwendi allerdings trennt, ist das Herrschaftsverständnis. Mohrmann, 508, weist darauf hin, dass Schwendi das mittelalterliche Herrscherbild mit seinem "[...] Zug ins Metaphysische [...]" ablehnt und den Staat säkularisiert.

[241] Vgl. ebd., 27.

[242] Vgl. ebd., 29.

[243] Ebd., 8.

[244] Vgl. Erasmus von Rotterdam: ΙΠΠΕΥΣ ΑΝΙΠΠΟΣ, sive EMENTITA NOBILITAS, in: ders.: Colloquia familiaria. Vertraute Gespräche, übersetzt, eingeleitet und mit Anmerkungen versehen von Werner Welzig, Darmstadt 1967, 472-493. Erasmus bringt hier die Adelskritik auf den Punkt. (Zitiert: Colloquia)

[245] Vgl. I, 59f., V.493-522. Siehe auch Peil, Stellenkommentar, 795.

[246] Vgl. Peil, 911.

[247] Vgl. I, 109-112.

[248] Vgl. I, 113ff. Zwar ist die böse Metapher Thomas Murners auf den Kater in der Forschungsliteratur stets wahrgenommen worden, doch wurde das ganze Ausmaß dieser Satire nie untersucht. Bernleithner bemerkt lediglich, dass hier Ansätze einer Satire zu finden seien, doch geht er hier nicht weit genug. Rollenhagen stattet den Kater mit einem schlechten Charakter aus, stellt ihm Schurken als Kumpanen zur Seite und lässt ihn ständig, wohl lutherische, Mäuse fressen. Freilich bietet sich der onomapoetische, schnurrend klingende Name Murners für den Mäusefeind geradezu an (vgl. III, 547, V.1273: dort "murmaut" die Katze!), aber Rollenhagen zeigt damit eindeutig seine Geringschätzung des Erzkatholiken und Reformationsgegners Murner.

[249] Bernleithner, 228

[250] . II, 318, V.1795-1800.

[251] Bruno Singer: Die Fürstenspiegel in Deutschland im Zeitalter des Humanismus und der Reformation. Bibliographische Grundlagen und ausgewählte Interpretationen: Jakob Wimpfeling, Wolfgang Seidel, Johannes Sturm, Urban Rieger, München 1981. (= Humanistische Bibliothek. Abhandlungen, Texte, Skripten. Reihe I: Abhandlungen, Bd. 34.) (Zitiert: Singer)

[252]  Ebd., 16.

[253] Vgl. Brunken, 51f.

[254] Gerd Brinkhus: Eine bayerische Fürstenspiegelkompilation des 15. Jahrhunderts. Untersuchungen und Textausgabe, München 1978 (= MTU, Bd. 66.), 9

[255] Vgl. Richter 1975, 43.

[256] III, 645f., V.4363-4368.

[257] Vgl. Haas, 192.

[258] III, 642, V.4239-4256; III, 648ff., V.4447-4534; III, 660, V.4817-4844; III, 663f., V.4940-4962; III, 675, V.5281-5308.

[259] III, 690, V.5779-5784.

[260] III, 647f., V.4424-4432.

[261] Vgl. Querela Pacis, bes. 84, 526-550.

[262] III, 611, V.3319-3324.

[263] Querela Pacis, 66, Z.162.

[264] III, 611, V.3305-3308.

[265] Vgl. Richter 1975, 50.

[266] Vgl. III, 651-655.

[267] Vgl. III, 655, V.4655f.

[268] III, 657, V.4729-4738.

[269] Vgl. III, 667f., V.5049-5056.

[270] Vgl. III, 690, V.5757-5761.

[271] Dafür spricht ebenfalls, wenn auch mit etwas anderer Akzentuierung, die von Rollenhagen beschriebene Nutzlosigkeit von Amuletten, Aberglauben und Zauberei im Krieg. Vgl. III, 661f., V.4851-4906.

[272] Richter 1975, 50

[273] . III, 690, V.5757-5761.

[274] Vgl. Singer, 42.

[275] Vgl. ebd., 43

[276] Vgl. II, 468-474.

[277] .II, 470, V.6485f.

[278] Vgl. II, 469f., V.6443-6464.

[279] II, 470, V.6471-6480.

[280] Vgl. II, 471, V.6505-6512.

[281] Vgl. II, 471, V.6499-6504. Siehe Peil, Stellenkommentar, 896: Er weist darauf hin, dass die Beschreibung dieses Gerichts dem deutschen Reichskammergericht entspricht. Es war zur Zeit Rollenhagens wegen des Konfessionsstreits aber kaum noch handlungsfähig, was Stolleis 1988, 156, betont.

[282] Vgl. II, 471f., V.6513-6534. Siehe Peil, Stellenkommentar, 896.

[283] II, 472, V.6527f.

[284] Vgl. II, 472, V.6535-6548.

[285] Vgl. II, 473, V.6555-6570.

[286] Vgl. II, 473, V.6555-6559.

[287] II, 473, V.6569f.

[288] II, 473, V.6571-6578.

[289] Michael Philipp: Regierungskunst im Zeitalter der konfessionellen Spaltung. Politische Lehren des Mansfeldischen Kanzlers Georg Lauterbeck, in: Mühleisen, Hans-Otto / Stammen, Theo (Hg.): Politische Tugendlehre und Regierungskunst. Studien zum Fürstenspiegel der Frühen Neuzeit, Tübingen 1990, 71-115 (= Studia Augustana, Bd. 2.), hier 85. (Zitiert: Philipp) Auch Peil zieht Lauterbeck für seinen Stellenkommentar heran: siehe ebd., bes. 863f. zu V. 1491ff.

[290] Philipp, 85.

[291] Vgl. Institutio, 66.

[292] Zu denken ist hier vor allem an den gelehrten Hasen, der das Opfer des tyrannischen Königs, dem L"wen, wird. Siehe II, 299-322.

[293] Vgl. III, 511f., V.125-158. Siehe auch Peil, Stellenkommentar, 903.

[294] III, 512, V.155-158.

[295] III, 512, V.165f.

[296] Institutio, 212.

[297] Vgl. III, 637f., V.4109-4120.

[298] Vgl. III, 570-573. Siehe auch Peil, Stellenkommentar, 914, zu V.2057. Auch die Marginalie, 571 unten, tadelt: "Der König schmücket seine that."

[299] Vgl. Querela Pacis, 96, Z.814-818. Erasmus zitiert ihn mit den Worten, seine S"hne sollten umkommen, wenn das dem Staat diente.

[300] Vgl. Institutio, 206.

[301] Vgl. Richter 1975, 73.

[302] Vgl. III, 528f., V.685-718, und, für die Frösche, 595, V.2825-2830; Querela Pacis, 93, Z.751-759; Schomerus, 139f.

[303] Vgl. III, 529, V.696-706.

[304] II, 529, V.711-718.

[305] Vgl. Institutio, 208. Siehe auch Erasmus von Rotterdam: Militaria. Soldatenbeichte, in: Colloquia, 10-19. Hier beschreibt er den verdorbenen Charakter des Landknechts.

[306] Vgl. III, 568, V.1948-1954.

[307] Vgl. III, 623ff. Siehe auch Peil, Stellenkommentar, 925.

[308] II, 624, V.3707-3710.

[309] Vgl. Institutio, 148.

[310] Vgl. III, 655ff.

[311] Vgl. III, 672f., V.5210-5230.

[312] Vgl. III, 676f., V.5327-5364. Aus diesem Abschnitt stammt das Zitat im Titel dieser Arbeit.

[313] Vgl. III, 677-680.

[314] Vgl. II, 408-414.

[315] Vgl. II, 413, V.4757-4764.

[316] Institutio, 42.

[317] Vgl. Richter 1975, 77.

[318] Vgl. III, 635f. V.4039-4076, und 640-643, V.4185-4276.

[319] III, 675, V.5305-5308.

[320] Vgl. Institutio, 58.

[321] III, 675, V.5289f.

[322] III, 678, V.5383-5392.

[323] II, 401, V.4391-4396 und V.4401-4404. Siehe auch Peil, Stellenkommentar, 883.

[324] Vgl. II, 417f., V.4895-4900.

[325] III, 691, nach V.5802.

[326] III, 678f., V.5403-5408. Vgl. III, 677-680.

[327] III, 667, V.5045f.

[328] Vgl. Bernleithner, 227

[329] Deshalb wurde und wird auch gerne nur das Komische des Froschmeuselers wahrgenommen. Die meisten älteren Froschmeuseler-Ausgaben belegen das durch ihr selektives Textkorpus. Siehe hierzu Peil, 939f.

[330] Erasmus hat einige Aspekte der Institutio in die Querela Pacis übernommen. Die Aspekte zur Fürstenerziehung sollen, um Wiederholungen zu vermeiden, nicht nochmals aufgeführt werden.

[331] Siehe Fußnote 73.

[332] Erasmus von Rotterdam, Ein Klag des Frydens, durch Leo Jud vertütscht, Zürich 1521, ND: Zürich 1969.

[333] Siehe hierzu Heinz Holeczek: Erasmus deutsch, Bd. 1: Die volkssprachliche Rezeption des Erasmus von Rotterdam in der reformatorischen Öffentlichkeit 1519-1536, Stuttgart / Bad Cannstatt 1983, 197-208.

[334] Sebastian Franck: Krieg Büchlin des Friedes, Frankfurt a.M. 1550, ND: Hildesheim / New York 1975. (Zitiert: Krieg Büchlin)

[335] Querela Pacis, 70, Z.237.

[336] II, 334, V.2301f.

[337] Vgl. Klage, 49; Querela Pacis, 62, Z.37-50.

[338] Vgl. II, 397-414.

[339] Vgl. II, 415-418.

[340] Siehe: Jürgen von Stackelberg: Das Bienengleichnis. Ein Beitrag zur Geschichte der literarischen Imitatio, in: RF 68 (1956), 271-293. Er verfolgt die Tradition von der Antike bis Erasmus von Rotterdam, legt allerdings dann den Schwerpunkt seiner Untersuchung auf die französische Literatur.

[341] Vgl. III, 543, V.1145-1152.

[342] Querela Pacis, 62, Z.48f.

[343] Ein Zufallsfund bei Sommer, 292-295, lässt auf die Rezeption Rollenhagens durch lutherische Hofprediger schließen. Der Hofprediger Herzogs August d.J. zu Braunschweig und Lüneburg, Joachim Lütkemann (1649-1655), lobt in seiner "Regentenpredigt" die Staatsordnung der Bienen mit Worten, die mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Prosazusammenfassung der Rollenhagenschen Bienenmetaphern in II, 309, V.1504-1510 (Müßiggänger werden aus dem Bienenstock vertrieben und müssen verhungern) und II, 423-431 (Regiment der Bienen) sind.

[344] Klage, 82. Querela Pacis, 87f., 619-623: "Quod si bellum vitari non potest, ita geratur, vt summa malorum in eorum capita recidat, qui belli dedere causas. Nunc principes tuti belligerantur, ductores hinc crescunt, maxime malorum pars in agricolas ac plebem effunditur, ad quos nec attinet bellum, nec ipsi belli causam vllam dederunt."

[345] III, 561, V.1714-1723. Siehe auch Peil, Stellenkommentar, 912.

[346] Klage, 84; Querela Pacis, 88, Z.654-661: "Nec temere ad vnius aut alterius libidinem bellum moueatur, quod semel coeptum haud facile finitur. [...] Nonnunquam emenda pax. Ea si ratione subduxeris, quid bellum fuerit exhausturum et quot ciues ab exitio serues, paruo empta videbitur, etiamsi magno emeris, quando praeter ciuium tuorum sanguinem plus erat bello impendendum."

[347] III, 562, V.1761-1766.

[348] Vgl. Klage, 93; Querela Pacis, 96, Z.814-818.

[349] Vgl. Vgl. Klage, 83; Querela Pacis, 88, Z.646. Klage, 86; Querela Pacis, 90, Z. 696f.

[350] Klage, 90; Querela Pacis, 93, Z.751-754: "Si graue iudicas sceleratam conductitiorum militum colluuiem in tuam regionem inducere, hos ciuium tuorum malo alere, his inseruire, his blandiri, immo horum arbitrio teipsum ac tuam columitatem committere, fac cogites hanc esse belli conditionem."

[351] III, 595, V.2825f.

[352] Vgl. III, 595, V.2827-2830

[353] Vgl. III, 528, V.686-694.

[354] Klage, 90; Querela Pacis, 93, Z.754-759: "Si abominaris latrocinia: haec docet bellum. Si execraris paricidium: hoc in bello discitur. Man qui vereatur vnum occidere commotus, qui leui autoramento conductus tot homines iugulat? Si praesentissima reipublicae pestis est legum neglectus: silent leges inter armas. Si foedum existimas stuprum, incestum et his turpiora: horum omnium bellum magister est."

[355] III, 529, V.696-698 und 709-718.

[356] Vgl. Klage, 84; Querela Pacis, 88, Z.650-653.

[357] Vgl. III, 565-567.

[358] Vgl. Klage, 92; Querela Pacis, 94, Z.797-799.

[359] Klage, 95; Querela Pacis, 96, Z.852-855: "Quam friuola sunt quamque mox peritura, pro quibus inter vos tumultus est. Mors omnibus imminet, non minus rebibus quam plebeiis. Quos tumultus ciet animalculum mox fumi in morem euaniturum? In foribus adest aeternitas."

[360] III, 691, V.5799-5803 und Nachschrift.

[361] Klage, 96; Querela Pacis, 98, Z.889-891: "Huc inuitanr omnia, primum ipse sensus atque ipsa, vt ita dicam, humanitas. Deinde totius humanae felicitas princeps et autor Christus. Ad haes tam multa pacis commoda, tot belli clamitates."

[362] II, 565, V. 1868-1870.

[363] Krausse, 248.

[364] Haas, 184.

[365] Siehe hierzu auch: Siegfried Wollgast: Erasmus von Rotterdam und Sebastian Franck - Vertreter zweier Linien des Friedensgedankens im 16. Jahrhundert, in: Daphnis 14 (1985), 497-516.

[366] Vgl. Krieg Büchlin, 43r.

[367] Vgl. ebd., 58r.

[368] Dieses Kapitel stützt sich auf den Aufsatz von Albrecht Hagenlocher: Sebastian Francks 'Kriegsbüchlin des Friedes', in: Franz Josef Worstbrock (Hg.): Krieg und Frieden im Horizont des Renaissancehumanismus, Weinheim 1986, 45-67. (= Mitteilungen XIII der Kommission für Humanismusforschung.) (Zitiert: Hagenlocher)

[369] Sebastian Franck: Chronica, Zeitbuch und Geschichtsbibel, Ulm 1536, ND: Darmstadt 1969.

[370] Wilhelm Kühlmann: Staatsgefährdende Allegorese. Die Vorrede vom Adler in Sebastian Francks Geschichtsbibel (1531), in: Literaturwissenschaftliches Jahrbuch 24 (1983), 51-76, hier 53. (Zitiert: Kühlmann 1983)

[371] Ebd., 55.

[372] Hagenlocher, 45.

[373] Vgl. ebd., 47.

[374] Ebd., 51.

[375] Vgl. ebd., 50.

[376] Ebd., 50.

[377] Vgl. ebd., 49.

[378] Vgl. Wolfgang Huber: Frieden V. Kirchengeschichtlich und ethisch, in: TRE, Bd. 11, Berlin / New York 1983, 618-646, hier 628. Huber beachtet den Aspekt der Kriegserduldung in seiner knappen Zusammenfassung der Franckschen Friedenslehre nicht. Doch gerade dieses Moment macht den eigentümlichen Reiz des Krieg Büchlin aus.

[379] Hagenlocher, 52.

[380] Vgl. ebd., 58f.

[381] Ebd., 61.

[382] Ebd., 67.

[383] Krieg Büchlin, 53r.

[384] Vgl. Kühlmann 1983, 55f.